Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0810/62956.html    Veröffentlicht: 15.10.2008 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/62956

GeForce 9300 und 9400: Neue Chipsätze mit schneller Grafik

Nvidias neue Lösungen für Intel-Prozessoren sollen Maßstäbe setzen

Mit einer neuen Chipsatz-Modellreihe, die nun GeForce heißt, macht Nvidia Intel bei den Mainboardunterbauten kräftig Konkurrenz. Nvidias integrierte Grafik soll fünfmal schneller als bei Intels G45 sein. Obwohl für den Einstiegsbereich gedacht, sind die Mainboards mit GeForce 9300 oder 9400 aber nicht billig.

Seit Anfang 2008 verfolgt Nvidia die Strategie, nur noch Chipsätze mit integrierter Grafik auf den Markt zu bringen. Was die Koppelung mehrerer PCIe-Grafikkarten erlaubt, heißt dabei nForce und stellt die Highend-Abteilung. Herkömmliche integrierte Grafikbausteine, die für günstige Mainboards gedacht sind, werden unter dem bekannten Namen GeForce vermarktet. Kern des Konzeptes ist dabei aber immer noch eine Grafiklogik im Chipsatz, die einen Teil des Hauptspeichers als Grafik-RAM belegt. Bei Angeboten für Komplett-PCs mit Texten wie "Mit GeForce-9400-Grafik mit bis zu 256 MByte DDR3-Speicher" hat man es also immer noch mit herkömmlicher Chipsatzgrafik zu tun.

1-Chip-Chipsatz unter Kühler des MSI-Boards
1-Chip-Chipsatz unter Kühler des MSI-Boards
Dieser Chipsatz ist bei Nvidia nun aber, wie das beispielsweise VIA schon lange tut, in einem einzigen Baustein integriert. Das erlaubt besonders kompakte Mainboards. Der unter dem Codenamen MCP7A entwickelte Chip beherbergt den zweikanaligen Speichercontroller für DDR2- und DDR3-Speicher, die Grafiklogik und sämtliche Schnittstellen. Der Speicher kann maximal nach DDR2-800 oder DDR3-1333 ausgeführt sein. Der Frontside-Bus ist höchstens effektiv 1.333 MHz schnell, so dass alle Prozessoren für den Sockel LGA775 mit Ausnahme der 1000-Euro-CPU QX9770 damit laufen.

Blockdiagramm GeForce 9400
Blockdiagramm GeForce 9400
20 PCI-Express-Lanes stellt der MCP7A bereit, so dass sich ein Grafiksteckplatz nach PCIe-x16 und vier PCIe-x1-Slots verbauen lassen. Zusätzlich sind noch fünf PCI-Steckplätze möglich. Dazu kommen noch sechs SATA-Ports, zwölf USB-2.0-Anschlüsse, HD-Audio und Gigabit-Ethernet. Welche dieser Optionen die Mainboardhersteller auf welche Weise nutzen, bleibt ihnen überlassen. So führt beispielsweise Asus bei seinem GeForce-9300-Board P5N7A einen der Festplattenanschlüsse als eSATA-Port aus dem Gehäuse.

Voll belegte ATX-Blende
Voll belegte ATX-Blende
Vor allem die Enge auf dem ATX-Anschlussfeld eines Mainboards setzt hier Grenzen. Die integrierte Grafik des MCP7A kann sowohl DVI, VGA, DisplayPort und HDMI ansprechen, was bei voller Nutzung schon ein Viertel des Platzes auf der Slotblende einnimmt. Je zwei dieser Schnittstellen lassen sich in beliebiger Kombination nutzen. Auch zwei günstige Monitore mit DVI-Ports sind so über ein Adapterkabel für einen HDMI-Ausgang des Mainboards verwendbar.

Taktfrequenzen und Funktionen MCP7A
Taktfrequenzen und Funktionen MCP7A
Dabei kann es jedoch laut Nvidias Tests vorkommen, dass die Boot-Meldungen auf dem einen, die Oberfläche von Vista auf dem anderen Monitor erscheint - Ergebnisse mit anderen Betriebssystemen liegen noch nicht vor. Mit einem HDMI- und einem VGA-Monitor wird das Booten per VGA angezeigt, Windows erscheint jedoch auf dem HDMI-Display. Mit HDMI und DVI ist der primäre Bildschirm stets per HDMI angeschlossen.

Am meisten Innovation für integrierte Chipsätze steckt beim MCP7A in der Grafiklogik. Tatsächlich sind GeForce 9300 und 9400 bis auf die Taktfrequenzen des Grafikkerns identisch. Der Grafikkern wurde von der G92-Architektur abgeleitet, die wiederum eine leicht erweiterte Version des G80-Designs mit der vor zwei Jahren schnellsten Grafikkarte GeForce 8800 GTX darstellt.

Um Kosten und Strom zu sparen, ist aber auch der G92-Kern des MCP7A wie bei allen integrierten Grafiklösungen kräftig abgespeckt. Verfügte die erste G92-Karte als GeForce 8800 GT noch über 112 Shader-Einheiten, so sind es bei GeForce 9300 und 9400 nur 16. Diese sind beim 9300 mit 1.200 MHz, beim 9400 mit 1.400 MHz getaktet. Wie bei Nvidia seit dem G80-Design üblich, läuft der Rest der Grafiklogik mit 450 beziehungsweise 580 MHz.

Nvidias Benchmarks
Nvidias Benchmarks
Diese Ausstattung soll laut Nvidia reichen, um alle DirectX-10-Spiele zumindest in 1.024 x 768 Pixeln mit reduzierten Detaileinstellungen ausprobieren zu können. Die Mehrzahl der Spiele, auch Hardwarefresser wie Crysis, Bioshock oder World in Conflict, soll dabei schon spielbare 30 Bilder pro Sekunde erreichen. Dass integrierte Grafik damit immer noch Steckkarten weit hinterherhinkt, ist aber auch von Nvidia unbestritten. So soll zwar der GeForce 9400 in der Einstellung "Performance" (1.280 x 1.024 Pixel) des 3DMark Vantage immerhin 575 Punkte erreichen und damit fünfmal schneller als Intels G45 sein. Schon eine als Auslaufmodell unter 80 Euro erhältliche Radeon HD 3850 ist jedoch wiederum fünfmal schneller als ein GeForce 9400.

575 Punkte bei 3DMark Vantage
575 Punkte bei 3DMark Vantage
Gegenüber Intels integrierter Grafik stellt Nvidia besonders heraus, dass auch aktuelle Spiele auf dem Bildschirm mit den hauseigenen Produkten so aussehen, wie die Designer sich das gedacht haben. Auf Demosystemen konnte das Nvidia Ende September 2008 belegen. Die Intel-Maschinen waren mit dem G45 und dem damals aktuellen Treiber 7.15.10.1518 bestückt. Titel wie Age of Conan, Second Life oder Spore zeigten dabei deutliche Bildfehler wie fehlende Shader für die Darstellung von Wasser oder falsche Texturauflösungen. Manche Spiele wie Assassins Creed sollen auf dem G45 auch gar nicht erst starten.

Chipsatz und Grafikkarte per SLI
Chipsatz und Grafikkarte per SLI
Wenn die 3D-Leistung der "Motherboard GPU", oder mGPU, wie Nvidia seine integrierte Grafik auch nennt, nicht reicht, kann eine PCIe-Karte zugesteckt werden. Nur bis zu einer GeForce 8400 lässt sich diese diskrete "dGPU" auch per Hybrid SLI zusammen mit der mGPU nutzen. Das soll bis zu 70 Prozent mehr Leistung bringen. Mit schnelleren GeForce-Karten bremst die mGPU jedoch, so dass Nvidia die Kopplung verhindert. Sinnvoller erscheint es da, gleich zu einer nur einige Dutzend Euro teureren Grafikkarte zu greifen, die alleine mehrfach schneller als eine 8400 ist.

Geringe CPU-Last bei Blu-rays
Geringe CPU-Last bei Blu-rays
Durch den neuen Videokern PureVideo HD, der jetzt auch H.264-Videos ebenso wie MPEG-2 und VC-1 in allen Teilschritten dekodieren kann, soll ein MCP7A-Mainboard laut Nvidia selbst mit einem Dual-Core-Pentium nur 15 Prozent Prozessorauslastung erreichen. Die Shader-Einheiten lassen sich zudem für CUDA-Anwendungen oder als PhysX-Beschleuniger nutzen.

Angaben zur Leistungsaufnahme der neuen Boards machte Nvidia noch nicht. Ebenso ist noch nicht bekannt, wie GeForce 9300 und 9400 mit dem am Vortag in neuen Apple-Notebooks angekündigten mobilen Chipsatz GeForce 9400M zusammenhängen. Nvidia will die Daten zu diesem Notebookchipsatz jedoch bald auch selbst vorlegen.

Kompaktes Board von Pegatron
Kompaktes Board von Pegatron
Von allen namhaften Mainboardherstellern wie Asus, Biostar, ECS, EVGA, Foxconn und MSI sind bereits Boards mit GeForce 9300 und 9400 angekündigt worden, die ersten sollen in den kommenden Tagen bereits lieferbar sein. Je nach Ausstattung kosten die Mainboards jedoch um 100 Euro, sie sind damit keine echten Lowcost-Lösungen mehr. Einfache Mainboards für Intel-Prozessoren mit allerdings nicht spieletauglicher Grafik sind teilweise schon für die Hälfte zu haben.



 (nie)


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