Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0810/62811.html    Veröffentlicht: 07.10.2008 18:31    Kurz-URL: https://glm.io/62811

Apacer kündigt Defragmentierer für SSDs an

Programm "SSD+" soll Tempo und Lebensdauer erhöhen

Der Speicherhersteller Apacer will demnächst ein zusammen mit Diskeeper entwickeltes Programm auf den Markt bringen, das Solid-State-Drives (SSDs) noch schneller macht. Ob die Defragmentierung eines Flash-Speichers dabei jedoch vorteilhaft ist, erscheint zweifelhaft.

Wie die "SSD+" getaufte Anwendung funktioniert, verrät Apacer in seiner Ankündigung des Produktes nicht. Das Programm wurde jedoch zusammen mit Diskeeper entwickelt, einem Unternehmen, das vor allem für sein gleichnamiges Defragmentierungsprogramm bekannt ist.

Apacer schreibt in seiner Ankündigung von "einer Defragmentierung des freien Speicherplatzes", was der Leistung dienen soll. Laut Apacer sollen SSDs nach nur sechs Monaten Benutzung bis zu 80 Prozent ihrer Leistung verlieren.

Einen Beleg für diese Angabe liefert das Unternehmen nicht, und auch die Idee eines Defragmentierers für SSDs klingt merkwürdig, vor allem da Apacer auch noch "gesteigerte Langlebigkeit von SSDs" verspricht. Bei einer Defragmentierung werden gespeicherte Daten auf einem Medium von einem Ort zum anderen verschoben, also geschrieben - doch gerade die Zahl der Schreibzyklen ist bei Flash-Speicher, wie er in SSDs eingesetzt wird, begrenzt.

Diese Zahl der maximalen Schreibzyklen hat sich in den letzten Jahren bei Flash-Medien stark erhöht. Die Zeitschrift c't berichtet in der aktuellen Ausgabe 21/2008 auf Seite 125 von einem neuen Versuch, bei dem ein USB-Stick mit 2 GByte mit insgesamt 23,5 Terabyte Daten beschrieben wurde. Das entsprach 12.240 kompletten Füllungen des Mediums und dauerte über einen Monat. Danach funktionierte der Stick noch einwandfrei. Bereits vor zwei Jahren hatte das Magazin erfolglos versucht, einen USB-Stick durch ständiges Beschreiben zu beschädigen. Die Erfahrungen mit dem neuen USB-Stick sind auch online einsehbar.

Ein Grund dafür sind auch die immer ausgefeilteren Algorithmen für "Wear-Levelling", die Zugriffe strategisch verteilen. Ein Zugriff auf diese Muster ist von außen nicht möglich, hier kann also Apacers SSD+ nicht ansetzen. Intel gibt für seine ersten SDDs eine Lebensdauer (MTBF) von 1,2 Millionen Stunden an, was knapp 137 Jahren entspricht.

Da die Zugriffszeiten von SSDs mit Werten unter einer Millisekunde um Größenordnungen unter denen von Festplatten liegen, erschließt sich auch nicht, wie SSD+ Geschwindigkeitssteigerungen erzielen soll. Manche billigen SSDs, wie sie beispielsweise in Netbooks verbaut sind, schwanken dabei jedoch um mehrere hundert Prozent.

Ob SSD+ wirklich messbare oder gar spürbare Vorteile bringt, kann erst ein unabhängiger Test zeigen. Wann dieser möglich ist, ist noch nicht abzusehen, denn auch der Erscheinungstermin oder gar der Preis des Programms stehen bisher nicht fest.  (nie)


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Links zum Artikel:
Apacer: http://usa.apacer.com/

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