Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0810/62690.html    Veröffentlicht: 01.10.2008 12:16    Kurz-URL: https://glm.io/62690

Test: HP 2133 Mininote - Mini-Notebook mit schwacher Via-CPU

Vielschreiber-Tastatur und hochauflösendes Display

HPs Mini-Note 2133 unterscheidet sich von anderen Mini-Notebooks erheblich - im Guten wie im Schlechten. Die Tastatur ist hervorragend zum Arbeiten geeignet, doch der langsame Hauptprozessor und andere Komponenten trüben schnell das Vergnügen an dem eigentlich guten Gerät.

HP Mini-Note 2133
HP Mini-Note 2133
Nicht nur Dell, auch der renommierte Hersteller Hewlett-Packard (HP) bietet ein Mini-Notebook an. In den USA ist Hewlett-Packards Mini-Note 2133 schon eine Weile auf dem Markt. Hierzulande wurde das Mini-Notebook erst zur IFA 2008 offiziell vorgestellt.

Das Mini-Note ist klein: Es besitzt wie viele andere Mini-Notebooks einen 8,9-Zoll-Bildschirm, doch im Kern unterscheidet es sich von den Atom-betriebenen Netbooks. Das macht es besonders interessant. Statt Intels Atom-CPU mitsamt eines Intel-Chipsatzes findet sich im Mini-Note eine Via-CPU mit 1,6 GHz.

Die 26 Millionen Transistoren von Vias C7-M werden noch im 90-nm-Prozess gefertigt. Zum Vergleich: Intels Atom hat 45 Millionen Transistoren, die im 45-nm-Prozess gefertigt werden. Vias C7-M steht außerdem eine Chipsatzgrafik von S3 zur Verfügung, Vias Chrome IGP 9. Unser Testgerät von HP kam mit 2 GByte Arbeitsspeicher, einem 6-Zellen-Akku und vorinstalliertem Windows Vista Business auf einer 120-GByte-Festplatte (5.400 U/min) in der Redaktion an. Rund 10 GByte von der Festplatte werden von HP für eine Recovery-Partition benutzt. Eine Linux-Version, die bei der Hardware etwas abgespeckt wurde, gibt es beim Hersteller auch. Die Preise für HPs Mini-Note liegen zwischen 380 und 580 Euro.

Konstruktion
Vias C7-M
Vias C7-M
Trotz Via-CPU gehört das Mini-Note nicht zum OpenBook-Design, das Via unter eine Creative-Commons-Lizenz gesetzt hat. HP hat das Mini-Notebook in Eigenregie entwickelt. Das ist ihm auch anzumerken. Mit einer gebürsteten Aluminiumverkleidung, die sehr edel wirkt, ist das Notebook von außen sehr stabil und zieht Schmutz nicht so stark an wie andere Mini-Notebooks mit Hochglanzoberfläche.

Das Gerät unterscheidet sich deutlich von der Atom-basierten Konkurrenz. Trotz 8,9-Zoll-Bildschirm verbaut HP eine äußerst angenehme und breite Tastatur, die nur wenige Kompromisse eingeht. Die Tasten sind 17 mm breit und 15 mm hoch, die rechte Umschalttaste ist sehr breit und auch Umlaute und Satzzeichen sind nicht verkleinert worden. Nur wenige selten genutzte Tasten wie zum Beispiel die für die spitzen Klammern wurden verkleinert und sind dann 12 mm bis 14 mm breit. Vielschreiber fühlen sich auf der 26 cm breiten Tastatur auf Anhieb wohl.

Touchpad
Touchpad
Das 61 x 31 mm große Touchpad ist allerdings gewöhnungsbedürftig, befinden sich doch die Mausersatztasten seitlich des Touchpads. Sie sind aber breit und präzise genug, so dass ein Mausklick nicht automatisch eine Berührung des Touchpads bedeutet. Beim Acer Aspire One, das ebenfalls aus Platzgründen auf diese Konstruktion setzt, kommen Fehlbedienungen häufiger vor. Nur Drag und Drop ist bei HPs Mini-Note recht schwer. Wir mussten dafür zwei Hände nutzen, um Fehlbedienungen auszuschließen. Für Schreiber, die dazu neigen, aus Versehen das Touchpad oder dessen Tasten zu berühren, ist eine Abschaltung des Mausersatzes möglich.

Direkt über dem Touchpad ist eine leicht tiefersitzende und etwas schwergängige Taste angebracht, die dieses abschaltet und dann orange leuchtet. Versehentlich lässt sich die Taste nicht drücken. Bei abgeschaltetem Touchpad funktionieren auch die dazugehörigen seitlichen Tasten nicht mehr.

Mattes Spiegeldisplay
Spiegelndes Display
Spiegelndes Display
Kurios ist das 8,9-Zoll-Display. HP verbaut in dem Mini-Notebook ein mattes Display, mit einer für die kleine Bildschirmdiagonale sehr hohen Auflösung. 1.280 x 768 Pixel werden für den ein oder anderen Anwender zu viel des Guten sein. Gigabytes Netbook M912 bietet ebenfalls ein derart hoch aufgelöstes Display. Dank Vista lässt sich die Schriftgröße auch ohne Betriebssystemmedium leicht korrigieren. Ein paar Symbole sind trotzdem verpixelt, wenn Programme darauf nicht vorbereitet wurden. Dazu gehört auch Office 2007, das Microsoft nicht vollständig an Windows Vista angepasst hat.

Mini-Note 2133
Mini-Note 2133
Obwohl das Display matt ist, spiegelt es besonders stark - stärker als so manches echtes Spiegeldisplay. Das liegt an der zusätzlichen Plastikscheibe, die auf dem Display sitzt. Sie schützt das Display auch von der Innenseite und lässt das Notebook auch aufgeklappt besonders edel erscheinen - solange die Scheibe sauber ist. Leider ist sie überhaupt nicht entspiegelt und das Display nicht hell genug, um Spiegelungen oder Fingerabdrücke zu überdecken.

So bekommt der Anwender des Mini-Note nur die schlechten Seiten beider Displaytechniken. Es fehlt an den kräftigen Farben, die Spiegeldisplays normalerweise bieten und die Spiegelungen sind so stark, dass an einen Außeneinsatz kaum zu denken ist. Dazu kommt die leicht unruhig wirkende Oberfläche bei hellen Farben. Ein Problem, das auch einige andere matte Displays haben.



Multimedia und Schnittstellen
HP Mini-Note 2133
HP Mini-Note 2133
Webcam, zwei Mikrofone, sowie zwei Lautsprecher gehören zur Standardausstattung von Notebooks. Soweit nichts Neues. Hinter den unscheinbaren Gittern links und rechts des Displays verstecken sich aber richtig gute Lautsprecher. Diese sind für ein Mini-Notebook sehr laut und können so manches großes Notebook übertönen. Dabei bieten die Boxen einen guten und verständlichen Ton. Das Anschauen von Filmen macht auch ohne Kopfhörer Spaß. Nur die Wiedergabe von Bässen gelingt den sonst guten Lautsprechern nicht.

Das Mini-Note hat nur zwei USB-Anschlüsse. Das kann durchaus eng werden, wenn zum Beispiel ein externes Laufwerk, USB-Stick und eine externe Maus gleichzeitig genutzt werden müssen. Dank Bluetooth 2.0 lässt sich zumindest Letztere auch drahtlos anbinden, auch wenn das Angebot guter Bluetooth-Mäuse eher zu wünschen übrig lässt. Die meisten Mäuse, die drahtlos arbeiten, nutzen Empfänger, die einen USB-Anschluss benötigen.

Mini-Note 2133
Mini-Note 2133
Erweitern lässt sich das Mini-Note durch einen ExpressCard/54-Steckplatz, der natürlich auch ExpressCard/34-Erweiterungen aufnimmt. So lässt sich beispielsweise ein UMTS-Modem oder eine fehlende Schnittstelle nachrüsten. Zusätzlichen Speicher kann das Notebook mit einem SD-Karten-Steckplatz aufnehmen. Auch die größeren SDHC-Karten werden erkannt.

Zum Anschluss eines Bildschirms steht eine VGA-Buchse zur Verfügung. Der VGA-Ausgang lieferte auch bei 1.280 x 1.024 Pixeln noch ein annehmbares Bild und wirkte verglichen mit dem VGA-Ausgang des Dell Inspiron Mini 910 nur ein wenig unschärfer. Es lässt sich auf jeden Fall noch damit arbeiten.

Die Verbindung mit der Außenwelt stellt das Notebook nicht nur mit der Fast-Ethernet-Netzwerkkarte her, sondern alternativ auch per Bluetooth oder WLAN. Letzteres funkt auch nach dem 802.11n-Entwurf und erkennt WLAN-Access-Points, die im 5-GHz-Band senden und empfangen.

Empfindlicher Festplattenschutz
Mini-Note 2133
Mini-Note 2133
Um die Festplatte bei Stürzen zu schützen, hat HP einen Sensor eingebaut, der allzu heftige Bewegungen registriert und die Festplatte in den Parkmodus versetzt. So kann der Kopf der Festplatte nicht auf die Scheiben aufschlagen. Leider ist der Sensor bei bestimmten Bewegungsmustern sehr empfindlich. Der Erschütterungssensor parkte zum Beispiel beim Zuklappen des Notebooks die Festplattenköpfe. Auch eine Fahrt in der Berliner S-Bahn, die eigentlich ruhig anfährt und abbremst, führte zu solchen Reaktionen. Hier kam es gleich mehrfach zum Notparken der Köpfe. Auf ein Schütteln des Notebooks hingegen reagiert der Sensor nur, wenn sehr stark geschüttelt wird.

Immerhin signalisiert die Festplattenleuchte neben allgemeinen Aktivitäten - unter Windows Vista arbeitet die Festplatte sehr häufig - auch den geparkten Zustand. Dann wird aus dem weißen Licht ein oranges und der Anwender muss warten, bis die Festplatte wieder bereit ist, sofern eine Anwendung diese dringend braucht. Im Test kam es dabei einmal sogar zum Absturz des Festplattenschutzes, so dass das Gerät neu gestartet werden musste. Der Festplattenschutz lässt sich glücklicherweise aber auch deaktivieren.

Benchmarks und heiße CPU
Die Benchmarks dürften den an Intels Atom gewöhnten Nutzer erschrecken. Wer dachte, Atom-CPUs seien langsam, der hat Vias C7 noch nicht gesehen. Bei derselben Taktfrequenz schaffte das Mini-Note teils nur ein Drittel der Leistung eines typischen Atom-Netbooks. Auch die Chipsatzgrafik ist sehr langsam.

Mini-Note 2133
Mini-Note 2133
Beim 3DMark2001 SE kam das Gerät nur auf 1.356 Punkte (1.024 x 768 Pixel). Wird die native Auflösung von 1.280 x 768 Pixeln eingestellt, sind es sogar nur 1.030 Punkte. Zum Vergleich: Ein Atom-Netbook schafft 2.883 Punkte bei einer Auflösung von 1.024 x 600 Pixeln. Eine Million Iterationen in SuperPI brauchten 314 Sekunden (Atom: 95 Sekunden) und Cinebench R10 zeigte nur 411 Punkte an. Der Cinebench-Wert bleibt hinter dem Atom zurück, kommt dieser doch ohne Hyperthreading auf 535 Punkte und mit Hyperthreading auf 832 Punkte.

Die anderen Werte sind dagegen akzeptabel. Die Festplatte liest zwischen 34 und 65 MByte/s aus, SDHC-Karten werden im Schnitt mit 17,5 MByte und schnelle USB-Sticks mit 19,5 MByte/s ausgelesen. Hier gibt es allerdings deutlich bessere Werte im Atom-Lager. Der USB-Stick schafft normalerweise mehr als 30 MByte/s, doch in der Praxis stören andere Schwächen deutlich mehr.

Notebook mit Via CPU in der Praxis
Mini-Note 2133
Mini-Note 2133
Schon das Ansehen eines niedrig aufgelösten Youtube-Videos ist für das Notebook eine Herausforderung. Während ein Video noch lädt, kommt es hier und da zu Rucklern. Die CPU ist also der Flaschenhals des Systems. Auch das Bewegen des Mauszeigers über das Video zwingt das Notebook, die Videoausgabe anzuhalten. Manchmal stockt sogar der Ton. Apropos Ton: Schon die Veränderung der Lautstärke erzeugt Last auf dem Notebook, die andere Anwendungen beeinflusst. Läuft ein Video, reagiert die Softwaresteuerung teils erst zehn Sekunden später. Die Einblendung des Lautstärke-Status ist eher zufällig, wenn das System unter Last steht. Obendrein erzwingt die Änderung der Lautstärke einen Taskwechsel, was insbesondere bei 3D-Anwendungen sehr lästig ist.

Immerhin kann Vias C7-M mit unserem neuen Videoplayer, der sich derzeit in der Betaphase befindet, besser umgehen. Aber auch hier bleiben Ruckler nicht aus. An die HD-Versionen ist natürlich nicht zu denken, dafür geht das Flash-Plug-in zu verschwenderisch mit der Rechenleistung um. HD-Videos im VLC-Player lassen sich ebenfalls nur selten abspielen. Der Open-Source-Kurzfilm Big Buck Bunny lief zwar, allerdings kommt das Notebook gerade am Anfang nicht mit dem Video zurecht.

Mini-Note 2133
Mini-Note 2133
Übrigens wird das Notebook hier unangenehm heiß. An einem Herbsttag ist das noch verkraftbar, im Sommer dürfte es in solchen Situationen jedoch so heiß werden, dass mancher Anwender Angst um das Gerät bekommt. Gute Lüftung ist wichtig und so erweist sich der nach unten stehende Akku als vorteilhaft. Der 3-Zellen-Akku bietet diesen Vorteil jedoch nicht. HPs Mini-Note sollte nicht auf dem Teppich oder auf einer Bettdecke benutzt werden. In solchen Situationen lässt sich das Notebook kaum mehr anheben, da es unter Last zu heiß wird.

Wer mit dem Mini-Notebook spielen möchte, braucht sich auch bei Klassikern wenig Hoffnung zu machen. Warcraft III erreichte schon bei kleinen Karten und wenig Aktivität kaum 15 FPS (Auflösung: 1.024 x 768) und brach bei ersten Kämpfen in einstellige Werte ein.

Akkulaufzeit und Gewicht
Akku mit 55 Wh
Akku mit 55 Wh
Die Akkulaufzeit des HP Mini-Note ist dank des 6-Zellen-Akkus mit 55 Wattstunden lang genug zum Arbeiten. Unter Last (3DMark 2001, WLAN, Bluetooth, volle Helligkeit) hält das Mini-Notebook mindestens 2:24 Stunden. Im normalen Betrieb sind es um die 3:50 Stunden (WLAN, BT, Helligkeit auf 2/3). Angesichts des großen Akkus sind das dennoch magere Werte. Dell schafft mit seinem Netbook Werte, die zwischen 2:46 und 3:50 Stunden liegen, obwohl der Akku des Dell-Netbooks deutlich kleiner ist und nur 32 Wattstunden hat.

Die schwache und viel Leistung aufnehmende CPU fordert allerdings auch hier ihren Tribut. Das Anschauen von Videos verringert die Akkulaufzeit sehr viel deutlicher als dies etwa bei einem Atom-Netbook der Fall ist.

Geladen wird der Akku in 1:45 Stunden. Einen fast vollen Ladestand zeigt eine LED am Netzteilanschluss durch ein blaues Licht an, das erlischt, sobald der Akku komplett gefüllt ist. Ist der Akku noch unter 90 Prozent, leuchtet die LED orange. Alternativ können auch vier LEDs am Akku auf Knopfdruck den Ladestand anzeigen.

Akku als Standfuß
Akku als Standfuß
Besonders leicht ist das Mini-Notebook nicht. Zu dem 1,1 kg schweren Gerät kommt ein 335-Gramm-Akku sowie - sofern die Gefahr besteht, dass der Akku unterwegs aufgeladen werden muss - noch ein 400 Gramm schweres 65-Watt-Netzteil. Der Anwender schleppt also schlimmstenfalls 1,8 kg. Sonys Vaio Z, immerhin ein 13,1-Zoll-Notebook mit Core 2 Duo, wiegt samt Netzteil ähnlich viel, kostet den Anwender aber auch fast das Dreifache.

Durch das hohe Gesamtgewicht ist auch der Akku in bestimmten Situationen sehr unangenehm. Wer das Notebook auf dem Schoß hat und nur kurze Hosen trägt, wird den Sechs-Zellen-Akku schnell spüren. Die Kanten sind nicht abgerundet und drücken so auf die Beine, was nach einiger Zeit schmerzhaft sein kann. Im Sommer ist das Gerät aufgrund des schlechten Displays, der Hitzeentwicklung und des kantigen Akkus gleich mehrfach ungeeignet.

HPs 2133 Mini-Note ist bereits verfügbar. Die kleinste Version mit Linux, 3-Zellen-Akku, 512 MByte RAM und 1,2-GHz-CPU gibt es ab etwa 380 Euro. Die getestete Version mit Windows Vista Business, 1,6 GHz C7-M, 2 GByte RAM sowie 6-Zellen-Akku kostet etwa 580 Euro.

Fazit:
Würde in dem HP Mini-Note nicht die sehr langsame C7-M-CPU von Via stecken, wäre das Notebook eine tolle Anschaffung. Die Fertigung ist hervorragend, die Tastatur zusammen mit dem Touchpad besser als bei jedem anderen Netbook. Dank des hochaufgelösten Bildschirms und der guten Lautsprecher lässt sich das Gerät auch in der Freizeit gut nutzen. Die Freude wird allerdings durch die Rechenwerke getrübt. So empfiehlt sich HPs Mini-Note nur, wenn tatsächlich kaum Rechenleistung benötigt wird, etwa als reiner Schreibmaschinenersatz. Im Internet meidet der Anwender eines Mini-Notes lieber alles, was mit Flash zu tun hat. Alle anderen hoffen auf einen Nachfolger, der vielleicht mit Vias Nano ausgestattet sein wird.

 (ase)


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