Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0809/62460.html    Veröffentlicht: 17.09.2008 12:18    Kurz-URL: https://glm.io/62460

Test: HTC Touch Pro mit Tastatur und iPhone-Bedienung

Windows-Mobile-Smartphone mit TouchFlo 3D, WLAN und 3,2-Megapixel-Kamera

Das Windows-Mobile-Smartphone Touch Pro ist der große Bruder vom HTC Touch Diamond und besitzt neben einem Touchscreen eine vollwertige Tastatur. Die Bedienung erledigt die spezielle HTC-Oberfläche TouchFlo 3D, über die sich die Hauptfunktionen des Geräts abrufen lassen. So versucht HTC das iPhone-Gefühl auf seine Geräte zu bringen.

Touch Pro
Touch Pro
Das iPhone und seine Touchscreenbedienung mit dem Finger hat die Mobiltelefonkonkurrenz aufgeschreckt, die nun versucht gleichzuziehen. Smartphones mit Windows Mobile oder PalmOS verwenden zwar bereits seit vielen Jahren Touchscreens, diese werden aber dann mit einem Stylus bedient und weniger mit dem Finger. Für eine Fingersteuerung sind die Bedienelemente oft zu klein, so dass die Hersteller der Betriebssysteme hier nachbessern müssen, um eine systemweite Fingerbedienung zu gewährleisten.

Damit HTC nicht auf eine vollständig angepasste Windows-Mobile-Version von Microsoft warten muss, hat der Smartphone-Hersteller eine spezielle Bedienoberfläche namens TouchFlo 3D entwickelt, über die sich einige Basisapplikationen aufrufen lassen. Dabei lässt sich aber die Reihenfolge der Programme nicht ändern und auch das Hinzufügen neuer Einträge ist nicht möglich.

Mit einem Fingerstreich wechselt der Nutzer innerhalb von TouchFlo 3D zwischen den verschiedenen Bereichen wie Heute-Bildschirm, Adressliste, SMS, E-Mails, Browser samt Lesezeichen im Direktzugriff, Fotoanzeige, Musikplayer oder Wetterbericht. Beim Wechsel zwischen den Applikationen und innerhalb der Bereiche gibt es hübsche Animationen, die die Bedienung optisch versüßen und an das erinnern, was das iPhone vorlegt. Beim Scrollen in langen Listen verhält sich der HTC Touch Pro ebenfalls analog zum iPhone: Mit einer Fingerbewegung lassen sich lange Listen zügig durchscrollen, auch wenn das Ergebnis nicht ganz so geschmeidig wie beim iPhone ausfällt.

Touch Pro
Touch Pro
Sobald die Tastatur aufgeklappt ist, verändert sich die Oberfläche von TouchFlo 3D grundlegend. Hier sind nun vor allem die Applikationen erreichbar, bei denen Texteingaben wichtig sind. Es gibt Schnellzugriffe auf E-Mails, SMS, die Websuche, den Kalender, die Aufgaben, die Notizen sowie die Kontaktliste. Diese Ansicht ist nun statisch, auf Animationen wird ganz verzichtet. In beiden Modi erreicht der Nutzer über das Startmenü zudem alle Applikationen, die nicht in TouchFlo 3D integriert sind.

Diese Zweiteilung von TouchFlo 3D führt allerdings zu Problemen: Bei geöffneter Tastatur sind einige Applikationen aus der animierten TouchFlo-3D-Umgebung nicht nutzbar. Dazu zählen der Wetterbericht, der Musikplayer, die Einstellungen sowie die selbst zusammenstellbare Programmübersicht. Sobald die Tastatur aufgeklappt wird, erscheint dann sofort die statische Oberfläche und der bisherige Bereich ist erst wieder erreichbar, wenn die Tastatur eingeklappt ist.

Da die TouchFlo-3D-Oberfläche nur eine Art Programmstarter ist, fehlt eine durchgängige Bedienlogik. Nur in wenigen HTC-Programmen wie der Fotoapplikation, dem Media-Player und dem HTML-Browser Opera Mobile wird diese Bedienung fortgeführt. Sonst erhält der Nutzer die üblichen Windows-Mobile-Anwendungen, die sich kaum sinnvoll mit dem Finger bedienen lassen, weil die Bedienelemente zu klein sind. Dann muss der im Gerät sitzende Stift gezückt oder der Fingernagel bemüht werden.

Touch Pro
Touch Pro
Das uneinheitliche Bedienkonzept findet sich auch in den übrigen Bereichen von Windows Mobile wieder. Bestätigungsknöpfe befinden sich mal am oberen Displayrand und mal am unteren Bildschirmrand von Applikationen. Der Nutzer kann sich also nicht darauf verlassen, dass die Basiselemente bei der Bedienung immer an der gleichen Stelle sitzen. Dieses Problem von Windows Mobile betrifft also auch das neue Topmodell von HTC.

Parallel zur Bedienung über den Touchscreen gibt es zur Steuerung des Mobiltelefons ein Navigationsrad, das gleichfalls auf Bewegungen reagiert. Neben der Vierwege-Navigation zur Auswahl von Elementen kann Drehen an der Außenseite des Rades zum Vergrößern oder Verkleinern verwendet werden. Das funktioniert nur bei der Kamera, in der Fotoanzeigesoftware, in Word Mobile, in Excel Mobile und in Opera Mobile. Bei der Musikwiedergabe spult der Nutzer mittels Drehen am Radrand in einem Lied vor und zurück. Für die weitere Steuerung gibt es eine Home- und eine Zurück-Taste. Letztere springt zur letzten Applikation, was aber nicht immer das Ergebnis bringt, das der Anwender erwartet. Dann gibt es noch zwei Knöpfe für das Annahmen und Ablehnen von Telefonaten sowie auf der linken Gehäuseseite zwei Lautstärketasten.

Touch Pro
Touch Pro
Der HTC Touch Pro enthält außerdem einen GPS-Empfänger, von dem allerdings kaum etwas zu bemerken ist, weil keine Navigationssoftware installiert ist. Das zur Verfügung gestellte Testgerät war nicht einmal mit Google Maps ausgestattet. Über www.google.de/gmm kann die Software heruntergeladen und installiert werden, allerdings nur mit dem Internet Explorer Mobile. Der in TouchFlo 3D integrierte Opera Mobile quittiert diesen Versuch mit einer Fehlermeldung, in der behauptet wird, die Software könne nicht auf dem Gerät genutzt werden. Mit Hilfe von Google Maps findet der GPS-Empfänger zügig die aktuelle Position, sofern aktuelle GPS-Daten mittels QuickGPS vorher heruntergeladen wurden. Ansonsten dauert es länger, bis die Koordinaten übertragen wurden. Durch Drehen am Navigationsrad lässt sich bequem in das Kartenmaterial herein- oder herauszoomen. Umfassende Navigationsfunktionen bietet Google Maps allerdings nicht.

Die Lagesensoren im Gerät reagieren lediglich in zwei Applikationen: Das sind Opera Mobile und die Fotoanzeigesoftware. Wird das Smartphone gedreht, richtet sich das Display automatisch passend aus. Bei der automatischen Displayausrichung machte der Touch Pro allerdings immer wieder Schwierigkeiten, der Bildschirminhalt erschien nicht analog zur Gerätehaltung. Diese Probleme haben auch andere Mobiltelefone mit Lagesensoren.

Ansonsten entscheidet die Tastatur darüber, ob die Inhalte auf dem Bildschirm im Hoch- oder Querformat erscheinen. Aber auch hier reagierte das Gerät nicht so zügig, wie es der Anwender erwartet. Mehrere Sekunden dauert es manchmal, bis die Displayausrichtung stimmt.

Touch Pro
Touch Pro
Zusätzlich zu Opera Mobile ist auch der Internet Explorer Mobile vorhanden. Bei dem Microsoft-Browser greift aber die TouchFlo-3D-Bedienung nicht und auch der Lagesensor wird nicht berücksichtigt. Opera Mobile hingegen unterstützt sowohl den Lagesensor als auch TouchFlo 3D, so dass der Browser komfortabel zu bedienen ist. Bei der Webseitendarstellung wird die Seite in Opera Mobile immer verkleinert dargestellt und der Nutzer kann dann den gewünschten Bereich vergrößern. Allerdings kommt Opera Mobile im Bedienkomfort nicht ganz an das heran, was Safari auf dem iPhone bietet. Darüber hinaus ist ein Youtube-Client auf dem Gerät vorhanden, um sich bequem Videos ansehen zu können.

Die Hardwaretastatur des 102 x 51 x 18,5 mm messenden Touch Pro bietet einen gut spürbaren Druckpunkt, die Tasten sind alle bequem erreichbar. Da alle Tasten auf einer Ebene liegen und nur geringe Erhöhungen vorhanden sind, lassen sich die Tasten nicht sehr gut erfühlen. Zum Test lag nur das englischsprachige Modell mit Tastatur im QWERTY-Layout vor. Das Touch Pro wird aber in Deutschland mit QWERTZ-Tastatur ausgeliefert. Offen bleibt derzeit, wie gut sich deutsche Umlaute damit eingeben lassen.

Touch Pro
Touch Pro
Alternativ zur Hardwaretastatur existiert eine Softtastatur, die auf dem Display eingeblendet wird. Diese gibt es als Handy-, als QWERTZ- oder als Kompakttastatur. Bei Letzterer prangen auf einer Taste immer zwei Buchstaben. Für die Eingabe kann die T9-Wortvervollständigung mittels Schiebeschalter aktiviert werden. Diese Einstellung gilt dann auch für die normale Hardwaretastatur, was doch verwirrend und eher unpraktisch ist. Direkt erreichbare Umlaute bietet keine der Bildschirmtastaturen.

Der 2,8 Zoll große TFT-Bildschirm ist bei maximal eingestellter Helligkeit trotz der spiegelnden Oberfläche gut ablesbar und zeigt Informationen mit einer Auflösung von 640 x 480 Pixeln mit bis zu 65.536 Farben an. Weil die grundlegende Bedienung über den Touchscreen abläuft, weist das Display nach kurzer Zeit unschöne Fingerabdrücke auf, die sich aber schnell wieder abwischen lassen. Für Daten steht ein 288 MByte großer RAM-Speicher zur Verfügung. Weitere Daten können auf einer Micro-SD-Card ausgelagert werden. Der Steckplatz dafür befindet sich unterhalb des Akkudeckels, so dass dieser Bereich vor Verschmutzungen geschützt ist. Zum Wechseln der Speicherkarten muss der Akku nicht entnommen werden.

Touch Pro
Touch Pro
Im Touch Pro arbeitet ein MSM-7201a-Prozessor von Qualcomm mit einer Taktrate von 528 MHz, der in den meisten Fällen ausreichend schnell ist. Allerdings kommt es immer wieder vor, dass das Gerät eher träge reagiert. Besonders dann, wenn sehr viele Applikationen gleichzeitig geöffnet sind - ein typisches Windows-Mobile-Problem. Immerhin lassen sich neuerdings alle laufenden Applikationen mit einem Befehl schnell beenden.

Zum Lieferumfang von Windows Mobile 6.1 Professional gehören Applikationen zur Termin-, Adress- sowie Aufgabenverwaltung und ein mobiler E-Mail-Client. Für das mobile Arbeiten stehen spezielle Varianten von Word, Excel sowie PowerPoint bereit und auch ein Feed-Reader ist vorhanden. Neben dem TouchFlo-3D-Musikplayer ist der Windows Media Player dabei. Schade nur, dass der Touch Pro keine 3,5-mm-Klinkenbuchse besitzt, so dass sich handelsübliche Kopfhörer nicht ohne weiteres anschließen lassen. Zudem gibt es ein UKW-Radio mit RDS-Unterstützung, das wie üblich nur funktioniert, wenn der mitgelieferte Kopfhörer angeschlossen ist, weil dieser als Antenne fungiert.

Touch Pro
Touch Pro
Für Fotoschnappschüsse und Videoaufnahmen besitzt das Touch Pro eine 3,2-Megapixel-Kamera mit Autofokus, von der allerdings keine Wunder zu erwarten sind. Zudem befindet sich auf der Vorderseite eine VGA-Kamera für Videotelefonate. Im HSDPA-Netz unterstützt das UMTS-Mobiltelefon eine Datenrate mit bis zu 7,2 MBit/s. Zudem arbeitet das Smartphone in den drei GSM-Frequenzen 900, 1.800 sowie 1.900 MHz und bietet neben GPRS auch EDGE. Mittels WLAN nach 802.11b/g ist ebenfalls ein schneller mobiler Internetzugang möglich und als weitere Drahtlostechnik gibt es Bluetooth. Infrarottechnik fehlt. Bluetooth sowie WLAN lassen sich über den Comm-Manager ein- und ausschalten, separate Schalter gibt es nicht. Die Anmeldung an einem WLAN-Netzwerk arbeitete zügig. Allerdings schaltet das Smartphone nicht automatisch in den WLAN-Betrieb, so dass der Datenverkehr trotz WLAN-Anmeldung weiter über das Mobilfunknetz abgewickelt wird.

Mit dem auswechselbaren 1.340-mAh-Akku wiegt der Touch Pro 165 Gramm. Damit verspricht HTC laut aktuellem Datenblatt eine Sprechzeit von bis zu 7 Stunden im GSM-Betrieb. Das ist eine Stunde weniger als bei der Produktvorstellung angegeben. Auch die übrigen Akkulaufzeiten liegen leicht unterhalb dessen, was der Hersteller ursprünglich in Aussicht gestellt hatte. Im UMTS-Netz soll der Akku etwas mehr als 6 Stunden Dauergespräch erlauben, bevor er wieder aufgeladen werden muss. Mit einer Akkuladung beträgt die Stand-by-Zeit im UMTS-Modus etwa 19 Tage und liegt bei 15 Tagen im GSM-Netz, heißt es von HTC. Videotelefonate sollen rund 3 Stunden am Stück möglich sein, dann muss der Akku wieder an die Steckdose.

HTC verkauft den Touch Pro zum Listenpreis von 699 Euro ohne Vertrag.

Fazit:
Touch Pro
Touch Pro
Der Touch Pro hat dieselben Nachteile wie die anderen Touch-Smartphones. Alle kranken daran, dass die Bedienung inkonsistent ist und TouchFlo 3D nur in ausgewählten Bereichen zur Verfügung steht. Die TouchFlo-3D-Steuerung bringt iPhone-Feeling auf die Geräte, auch weil HTC auf Opera Mobile statt auf den Internet Explorer Mobile setzt. Das Surfen im Internet liegt damit nahezu auf dem Niveau des Safari-Browsers im iPhone. Allerdings profitiert Safari von der Multitouch-Unterstützung des iPhones, was besonders beim Verkleinern und Vergrößern der Darstellung hilfreich ist.

Wesentlich komfortabler als auf dem iPhone lassen sich mit dem Touch Pro Eingaben mit der Hardwaretastatur vornehmen. Die Tastatur ist auf Anhieb gut zu bedienen, denn es gibt einen klar definierten Druckpunkt und die angenehm dimensionierten Tasten lassen sich zielsicher treffen. Die Tastatur samt Klappmechanismus macht den Touch Pro vergleichsweise dick, aber dafür erhält der Nutzer jede Menge Technik und die versprochenen Akkulaufzeiten klingen vielversprechend.

 (ip)


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Links zum Artikel:
HTC (.com): http://www.htc.com
HTC Europe (.com): http://europe.htc.com/

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