Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0809/62317.html    Veröffentlicht: 10.09.2008 10:22    Kurz-URL: https://glm.io/62317

AMD-Chef bestätigt Trennungspläne von eigenen Fabriken

In Geldnot geratener Chiphersteller kann bei Investitionen nicht mehr mithalten

AMD-Chef Dirk Meyer hat erstmals öffentlich über die Pläne zum Verkauf der eigenen Fertigung des Chipherstellers gesprochen. "Wir trennen uns im CPU-Geschäft vom Modell der Fertigung in Fabriken für den eigenen Bedarf, und gehen mehr hin zu einem Modell ohne eigene Fabriken", so Meyer. Gesucht wird offenbar ein Partner, der die investitionsintensiven Chipfabriken kauft, oder sich daran beteiligt.

Der frischgebackene AMD-Chef hat gegenüber dem Magazin Fortune einige Aspekte der radikalen Pläne zum Konzernumbau umrissen. Nach Verkündung der schwachen Zahlen für das zweite Quartal 2008 am 1. Juli 2008 hatte Meyer-Vorgänger Hector Ruiz seinen Rücktritt erklärt. Alpha- und Athlon-Prozessorentwickler Meyer war zuletzt als Chief Operating Officer (COO) für AMDs Tagesgeschäft zuständig gewesen.

Nach einer Kette von Schwierigkeiten in den letzten zwei Jahren ist der Aktienkurs AMDs am Boden. Aus der Übernahme des Grafikchipherstellers ATI drücken Schulden in Höhe von 5 Milliarden US-Dollar und der Cashflow kränkelt. Der letzte Quartalsumsatz lag mit 1,35 Milliarden US-Dollar um 100 Millionen unter den Erwartungen der Analysten. Und der Abfluss der Marktanteile an den finanzstarken Erzkonkurrenten Intel geht weiter.

Nun soll eine Trennung von der eigenen Fertigung und eine Konzentration aufs Kerngeschäft AMD retten. Die Strategie des Umbaus zum Chipentwickler läuft unter der Bezeichnung "Asset Smart". "Längerfristig befreit uns das von der finanziellen Bürde für diese gigantischen Fabriken", sagt Meyer. "Es wird mehr auf ein Modell der Nutzung von Produktionskapazitäten gegen Bezahlung hinauslaufen, weniger auf den traditionellen Halbleiterhersteller mit eigenen Fabriken." Wie das Magazin weiter berichtet, soll die Ausgliederung der Chipherstellung bis Jahresende erfolgt sein.

Kürzlich hatte AMD angekündigt, seine Sparte für digitale TV-Elektronik für 192,8 Millionen US-Dollar an Broadcom abzugeben. Auch das Handheld-Geschäft soll zum Verkauf stehen. Der Ausverkauf gebe AMD die "Möglichkeit, etwas Bargeld in die Firma zu holen, die Bilanz zu verbessern und die Schuldenlast zu senken", gab Meyer unumwunden zu.  (asa)


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