Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0809/62211.html    Veröffentlicht: 04.09.2008 12:28    Kurz-URL: https://glm.io/62211

60 Minuten: Spore

Fertige Evolutionssimulation von Will Wright ausführlich gespielt

Genial gut oder groß gescheitert? Rund vier Jahre lang hat Will Wright am Nachfolgeprojekt zum Millionenhit "Die Sims 2" gearbeitet. Jetzt ist Spore fertig und Computerspieler können ihre ganz persönliche Evolution auf PC und Mac lostreten. Am Tag der Veröffentlichung hat Golem.de für eine Stunde die Verkaufsversion angespielt.

Spore (Windows-PC, Mac): 1 DVD, 80 Seiten Handbuch
Spore (Windows-PC, Mac): 1 DVD, 80 Seiten Handbuch
Der Anbeginn allen Lebens ist ein kleiner, grüner Einzeller mit niedlichen Glubschaugen - jedenfalls in Spore. In der Einzelspielerkampagne steuert der Spieler entweder einen Pflanzen- oder einen Fleischfresser durch die Ursuppe. Wir haben uns für Letzteres entschieden und schwimmen jetzt auf der Suche nach DNA in halbwegs heimelig aussehendem Schleim. Mit der Tastatur oder der Maus bestimmen wir die Richtung, und sobald rosarote DNA-Krümel in unserer Nähe sind, beißt unsere kleine Kreatur begeistert zu. Ziel: so viel fressen, dass sich der Statusbalken am unteren Bildschirmrand füllt. Kann das wirklich sein - das neue Werk von Design-Guru Will Wright fängt an wie ein simples Geschicklichkeitsspielchen aus der Anfangszeit der Spielegeschichte?

Allmählich gesellen sich weitere Einzeller hinzu, und es beginnt so etwas wie eine natürliche Selektion: Wenn wir direkt auf die DNA-Häppchen zusteuern, fressen wir sie und die Konkurrenz schaut in die Röhre. Langsam wachsen wir, der Hintergrund ändert sich - grafisch sehr schön umgesetzt - allmählich, im Hintergrund sind verschwommen andere größere Zellmonster zu erkennen. Jetzt kommt ein größerer Einschnitt: Das Programm sagt uns, dass wir uns vermehren können. Auf Knopfdruck zirpt unser Alter Ego, ganz in der Nähe sind kleine Herzchen zu sehen - mehr zeigt Spore nicht in Sachen Geschlechtsverkehr. Immerhin landen wir dann im schon vorab veröffentlichten Kreatureneditor. Hier sind momentan nur ein paar wenige Gegenstände verfügbar, mit denen wir unseren Ursuppenbewohner tunen können: Stacheln für verbesserte Angriffs- und Verteidigungswerte, oder Flossen für mehr Tempo.

Spore
Spore
Unsere Kreatur verputzt allmählich auch größere Gegner, wächst kräftig heran, weicht ab und zu mal richtig großen und gefährlichen Geschöpfen aus. Im Hintergrund dudelt eine leicht psychedelische Weise. Es gibt immer wieder mal was Lustiges im Hintergrund zu sehen, ab und an bekommt der Einzeller ein Upgrade: So simpel der Start von Spore gestrickt ist - die Spielegeschichte kennt langweiligere Einstiege. Nach gut 15 Minuten ist der Balken gefüllt, das Programm blendet ein sehr kleines Gehirn ein und gratuliert uns: "Glückwunsch! Du bist auf dem besten Wege, ein Bewusstsein zu entwickeln!"

Spore
Spore
Jetzt stürmt unser Wesen, mit einem Paar Beine versehen, an Land, und zwar in einem kleinen Rudel. In der Nähe des Strandes beziehen wir ein Nest, dann erkunden wir die Umgebung. Gesteuert wird mit der gewohnten WASD-Tastatur und der Maus. Die Grafik wirkt zeitgemäß: In der Nähe stehen ein paar außerirdisch anmutende Pflanzen, es gibt kleine Hügel und ähnliche Landschaftsdetails. Sichtbar ist aber auch jetzt schon, dass ein großer Teil der Grafikressourcen für die Kreaturen verbraucht wird. Die wirken sehr detailreich, verfügen über stimmige Texturen und viele unterschiedliche Animationen.

Spore
Spore
Auf der Übersichtskarte sehen wir kleine Fragezeichen. Neugierig laufen wir zu einem und stoßen auf ein anderes Nest mit seltsamen blauen, runden Monstern - die uns aber ganz freundlich angrinsen. Jetzt erklärt uns das Programm: Wir haben grundsätzlich zwei Möglichkeiten, auf fremde Arten zuzugehen. Wenn wir am Bildschirmrand auf einen grünen Knopf drücken, sind wir erst mal zutraulich, durch einen roten aggressiv. Wir entscheiden uns für eine nette Annäherung und klicken auf das blaue Biest. Das stößt einen seltsamen Ton aus, tanzt ein bisschen herum, und wir machen das mit ein paar Mausklicks ebenfalls. In der Bildschirmmitte füllen sich zwei Balken und treffen sich: Geschafft, wir sind Freunde! Jetzt noch zwei weitere Wesen seiner Spezies überzeugt, dann bekommen wir Zugriffsrechte auf ein paar seiner Körperteile.

Spore
Spore
Wenige Sandhügel weiter wartet die nächste Art - der es weniger gut ergeht: Wir greifen an, was in Spore ähnlich wie in World of Warcraft funktioniert. Ein Icon am Bildschirmrand wählt den Angriff aus, also einen Rempler, einen Schlag oder einen Elektroschock. Ein Mausklick löst die Attacke aus - den Rest bestimmen weitgehend die Werte hinter den Kulissen. Wir töten drei der feindlichen Wesen und löschen damit sogar gleich die ganze Art aus - die Evolution ist kein Vergnügungsdampfer. Als Belohnung bekommen wir ebenfalls ein paar neue Körperteile, die wir über den schon bekannten Vermehrungsknopf und den immer besser gefüllten Kreatureneditor in die nächste Version unserer selbst einbauen. Außerdem achten wir wieder der Balken am Bildschirmrand: Ziel ist es erneut, ihn zu füllen und so in den nächsten Abschnitt zu gelangen; die Stufen sind in Spore übrigens auch direkt anwählbar.

Spore
Spore
Wir fressen weiter und schließen ein paar neue Freundschaften. Und dann passieren Dinge, die wir nicht erwartet haben: Wir sind etwa gerade dabei, mit einer rosaroten Flügelkreatur zu tanzen - als uns sein Artgenosse plötzlich frontal rammt, den Kampf eröffnet und uns ziemlich schnell in Stücke reißt. Kein Problem, wir starten nur wenige Meter neu in unserem Nest und können weitermachen. Also gehen wir ein bisschen frustriert zu einigen alten Verbündeten. Aber die mögen uns auch nicht mehr, sondern nehmen entsetzt Reißaus - kein Wunder, wir sind gewachsen und haben uns mit Körperteile-Updates allzusehr verbessert.

Spore
Spore
Nach gut einer halben Stunde sagt uns das Programm, dass das Nest verlegt wurde. Offenbar, um uns dazu zu bringen, die Gegend weiter zu erkunden. Wir folgen einer Linie auf der Mini-Karte, laufen dann mal neugierig auf ein grünes Fragezeichen am Wegesrand zu - und erleben den bislang seltsamsten Augenblick in Spore: Wir stehen mitten in einem Rudel von großen, langen Wesen, die uns aus neugierigen Augen anblicken. Dann kommt eine der Kreaturen ein paar Schritte auf uns zu - und fängt an zu singen und zu tanzen, seine Familie im Hintergrund fällt ein. Rasch klicken wir auch die entsprechenden Knöpfe, aber wir sind nicht gut genug, und nach wenigen Augenblicken schüttelt das Gegenüber enttäuscht den Kopf...

Spätestens jetzt stellt sich heraus, dass Spore tatsächlich mehr taktische Tiefe besitzt, als es auf den ersten Blick offenbart. Um weiterzukommen und mitsingen und -tanzen zu können, müssen wir die Fähigkeiten unserer Kreatur genauso ausbauen wie für die zunehmend stärkeren feindlichen Angriffe. Also müssen wir uns entscheiden, welche Körperteile wir verwenden. Die verfügen über unterschiedliche Punktzahlen für Werte wie Schleichen, Giftangriff, Tanzen oder Singen. Wir können einen dick gepanzerten Supersänger bauen, einen freundlichen Tänzer oder ein aggressives Supermonster voller Stacheln, das nur im Kampf eine Chance hat. Die 60 Minuten sind jetzt um - vor uns liegt noch ein sehr langer Weg. Nämlich der Rest der Evolution.

Wir haben für unsere "60 Minuten" die PC-Version auf zwei Rechnern gespielt. Die grafischen Details lassen sich sehr stark dem System anpassen, sodass auch auf dem langsameren Rechner kein Ruckeln auftritt. Laut EA braucht Spore ein System mit mindestens einer 2,0-GHz-CPU und 768 MByte RAM unter Windows Vista. Im Spiel konnten wir keine Bugs feststellen, im Optionenmenü schmierte einer der Rechner allerdings zweimal ab. Die Mac-Version - die sich auf der gleichen DVD befindet - haben wir noch nicht getestet.

In der Rubrik "60 Minuten" nehmen wir aktuelle Titel direkt nach der Veröffentlichung in der offiziellen Verkaufsversion für eine Stunde unter die Lupe - Auspacken und Installieren nicht eingerechnet. Einen Test kann dieser erste Eindruck nicht ersetzen, er gibt aber Aufschluss darüber, was die Spieler nach dem Start erwartet.

 (ps)


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Links zum Artikel:
EA - Spore (.com): http://spore.ea.com/
Electronic Arts: http://www.electronicarts.de/

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