Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0808/62086.html    Veröffentlicht: 29.08.2008 12:04    Kurz-URL: https://glm.io/62086

Test: Eee-PC 1000H - 10-Zoll-Netbook mit großer Festplatte

Viel Nutzen, aber fast so schwer wie ein Subnotebook

Asus macht sein Angebot an Netbooks komplett und liefert ab dem 4. September das inzwischen schon fünfte Modell des Eee-PC aus. Die Version 1000H überzeugt durch helles Display und große Festplatte, ist aber für ein Netbook fast schon etwas zu schwer - und auch beinahe zu teuer.

Eee-PC 1000H
Eee-PC 1000H
Nachdem Medion Anfang Juli 2008 einen Überraschungserfolg mit einem von MSI gebauten, ersten Netbook mit 10,2-Zoll-Display landen konnte, zieht Asus nun gleich und bietet ein Netbook mit größerem Display als bisher an. Den "Eee PC 1000H" hatte der Erfinder der Kategorie der kleinen Billig-Notebooks allerdings bereits weit vor MSI und Medion angekündigt. Wie auch andere Hersteller - Dell beispielsweise bietet sein Netbook "Inspiron Mini" noch nicht an - muss sich Asus wegen der anhaltenden Knappheit von Bauteilen genau überlegen, welches Produkt wann auf den Markt kommt.

Eee-PC 1000H
Eee-PC 1000H
Zwar sind nach Aussage von Intel die anfangs raren Atom-Prozessoren inzwischen stetig und nicht mehr nur schubweise verfügbar, im Falle von Asus sind aber eher die Akkus das Problem. Der Eee PC 1000H wird mit demselben 6-Zellen-Akku geliefert wie der Eee PC 901. Die älteren Eee-PCs der Serien 700 und 900 stattete Asus mit einem 4-Zellen-Akku aus, bei gleichbleibender Liefermenge der Zellen bräuchte Asus also nun für jeden Eee PC 50 Prozent mehr von den begehrten Stromspeichern.

Eee-PC 1000H
Eee-PC 1000H
Auch wenn bisher die ersten Lieferungen jedes Netbooks innerhalb von Tagen ausverkauft wurden, ist der Markt inzwischen umkämpft und die Hersteller müssen sich mit Ausstattungsvarianten übertrumpfen. Das zeigt sich auch beim Eee PC 1000H: Zum Test schickte Asus ein Gerät mit einer 80-GByte-Festplatte, verkauft werden sollen die Geräte aber mit Festplatten von 160 GByte. Soviel Speicherplatz bietet bisher serienmäßig kein anderes Netbook, mit 429 Euro ist das neue Asus-Gerät aber auch das bisher teuerste Gerät dieser Kategorie. Noch bei den Ankündigungen des Netbooks war stets von einer 80-GByte-Festplatte die Rede, der verdoppelte Speicherplatz soll den Rechner jetzt attraktiver machen.

Alle früheren Eee PCs bleiben bis auf weiteres lieferbar, Asus hatte bereits Mitte August die Preise der älteren Modelle gesenkt. Wir testen ein von Asus gestelltes Gerät mit US-Tastatur.

Konstruktion

Eee-PC 1000H
Eee-PC 1000H
"Wie der Eee PC 901, nur größer" ist der erste Eindruck, den das Modell 1000H vermittelt, auch bei genauerem Hinsehen bestätigt sich das. Gegenüber den Serien 700 und 900 wurde das Design stark verändert, das neue Netbook wirkt nun bulliger und noch robuster. Auch wenn sich das Display kaum verwinden lässt, sollte man den 1000H aber nicht allzu grob behandeln, immerhin steckt eine Festplatte und keine SSD im Gehäuse. Der rotierende Massenspeicher ist zwar gut verbaut, sitzt aber nicht in einem eigens gedämpften Rahmen.

Eee-PC 1000H
Eee-PC 1000H
Die Tastatur bestimmt wie schon beim Medion/MSI-Netbook den Formfaktor, die einzelnen Tasten sind mit 16,6 Millimetern Breite jedoch geringfügig schmaler ausgefallen. 10-Finger-Schreiben ist damit jedoch ohne große Umstellung problemlos möglich.

Die Tasten haben einen spürbaren Druckpunkt, das gesamte Eingabefeld leider auch: Es lässt sich rund zwei Millimeter durchdrücken, was auch ohne allzu festen Anschlag beim Tippen von selbst passiert. Dabei bleibt die Tastatur auf der Abdeckung des Mainboards auch schon einmal kurz kleben und federt dann spontan zurück.

Eee-PC 1000H
Eee-PC 1000H
All das wird von Geräuschen begleitet, das Prädikat "klapprig" verdient die Tastatur aber nicht. Trotzdem ist das Schreibgefühl sehr ungewöhnlich, hier sollte Asus mit einer steiferen Unterseite der Tastatur nachbessern. Im direkten Vergleich tippt es sich auf dem Medion/MSI-Netbook angenehmer.

Das Material unseres Testgeräts ist in der inzwischen allgegenwärtigen Klavierlack-Optik ausgeführt - und zwar ausgerechnet an den Stellen, die man nach der Tastatur am häufigsten anfasst. Handballenauflage und Display-Rückseite lassen sich ausgezeichnet als Sensor für allzu staubige Umgebungen verwenden. Wer darauf verzichten kann, kauft den Rechner lieber in Weiß.

Helles Display, aber hohes Gewicht

Eee-PC 1000H
Eee-PC 1000H
Die breite Tastatur bedingt Seitenrahmen von 22,4 Millimetern am Display, theoretisch hätte im Deckel des 1000H sogar ein 12-Zoll-Display Platz. Der gegenwärtige Bildschirm des neuen Netbooks bietet die von anderen 10-Zoll-Geräten gewohnten 1.024 x 600 Pixel und ist laut Herstellerangabe mit 200 Candela pro Quadratmeter genauso hell wie bei den Geräten von Medion oder MSI.

Eee-PC 1000H
Eee-PC 1000H
Im direkten Vergleich ähneln sich die beiden Displays so stark, dass es sich wahrscheinlich um das gleiche Bauteil vom selben Zulieferer handelt. Die Helligkeit, gepaart mit der recht rauen Oberfläche qualifiziert den 1000H auch für den Einsatz im direkten Sonnenlicht. Das schaffen die meisten ausgewachsenen 15-Zoll-Notebooks für 400 Euro noch nicht.

Eee-PC 1000H
Eee-PC 1000H
Im Akkubetrieb ist die Helligkeit jedoch unweigerlich leicht gedrosselt, was sich auch nicht im BIOS abschalten lässt - schade. Doch auch mit den Werkseinstellungen ist der Eee PC 1000H ein Netbook, das sich auch draußen verwenden lässt. Das Gerät ist mit 23,8 x 18,9 x 3,9 Zentimetern noch recht kompakt, der starke Akku und die 2,5-Zoll-Festplatte treiben das Gewicht aber auf 1.435 Gramm - fast ein Pfund mehr als der erste Eee PC 701 und 300 Gramm mehr als das 10-Zoll-Netbook von Medion oder MSI.

Hardware-Ausstattung mit Übertaktungsmöglichkeit

Eee-PC 1000H
Eee-PC 1000H
In fast allen Geräten, die sich "Netbook" nennen, steckt Intels Atom-Prozessor N270 mit 1,6 GHz, so auch im Eee PC 1000H. Auch der Chipsatz 945GME mit integrierter Grafik und einem Kanal für DDR2-Speicher ist hier Standard und im Asus-Gerät verbaut.

Hinter einem Systray-Tool namns "SuperHybrid Engine" oder einer der silbernen Zusatztasten über der Tastatur versteckt sich aber eine serienmäßige Möglichkeit, aus dem Atom noch etwas mehr Leistung zu kitzeln. Asus übernimmt die Garantie dafür, den FSB statt mit physikalisch 133 MHz (FSB 533) auch mit 142,5 MHz laufen zu lassen (FSB 570). Neben diesem "SuperPerformance" getauften Modus - diese Nomenklatur verwendet Asus auch bei seinen anderen Mobilrechnern - gibt es auch noch einen eigenen Stromsparmodus, bei dem der Frontside-Bus auf 104,5 MHz gedrosselt wird (FSB 418).

Eee-PC 1000H
Eee-PC 1000H
Die sieben Prozent Übertaktung sind bei der Arbeit mit Windows-Anwendungen nicht spürbar, die Drosselung an der Laufzeit aber schon. Ohne derartige Eingriffe regelt der Atom-Prozessor seinen Takt von 800 MHz bis 1,6 GHz, im Modus "Power Saving" ist bei geringer Belastung beim Surfen, Mailen und Chatten rund eine halbe Stunde mehr Laufzeit bei mittlerer Display-Helligkeit machbar.

An der Unterseite des Netbooks befindet sich eine große Klappe, über welche die Festplatte, das WLAN-Modul und der Speicherriegel leicht zugänglich sind. Einen zweiten Steckplatz für SO-DIMMs gibt es nicht, sodass das serienmäßige 1-GByte-Modul beim Aufrüsten weichen muss.

Eee-PC 1000H
Eee-PC 1000H
Wie in dieser Geräteklasse üblich, ist das WLAN-Modul, obwohl es auch nach 802.11n und damit mit MIMO-Technik funken kann, nur mit zwei Antennenanschlüssen versehen. Das reduziert gegenüber teureren Lösungen mit drei Antennen Reichweite und Bandbreite in größeren Entfernungen.

Der Rest der Ausstattung entspricht bis auf das nicht überall zu findende Bluetooth der Klasse der Netbooks: Drei USB-2.0-Ports, VGA, Fast-Ethernet, Audio und ein Slot für SD-Karten. An der rechten Kante unseres Geräts prangt noch eine mit "Ant." beschriftete Buchse - vielleicht hat Asus hier für ein künftiges DVB-T-Modul vorgesorgt.

Leider noch nicht Standard bei Netbooks ist das Bluetooth-Modul in Version 2.0, das der neue Asus-Mini mitbringt. Dieses bietet aber auch der direkte Konkurrent MSI Wind, nicht aber dessen von Medion vertriebene Variante.

Benchmarks und Windows-Installation

Eee-PC 1000H
Eee-PC 1000H
Da im Eee PC 1000H dieselbe CPU und derselbe Chipsatz stecken wie in den meisten Netbooks, ist der Rechner ohne Übertaktung auch genauso schnell wie sein kleiner Bruder 901 oder die Netbooks von Medion oder MSI. Er erreicht 841 im Cinebench R10 bei Einsatz von HyperThreading und 1,6 GHz. Mit der Übertaktung auf 1,7 GHz sind es 911 Punkte. SuperPi mit einer Million Iterationen benötigt bei Standard-Taktung 1 Minute und 38 Sekunden.

Die USB-Schnittstellen, bei frühen Eee-PCs ein Schwachpunkt, sind beim Modell 1000H nun fast so schnell wie maximal möglich. Der Rechner erreicht maximale Leseraten von 31 MByte/s, von entsprechend schnellen SD-Karten sind es immer 18 statt der möglichen 20 MByte/s.

Eee-PC 1000H
Eee-PC 1000H
Ein Highlight des Geräts ist die Festplatte, zumindest bei unserem Testgerät - Asus will statt der hier beschrieben 80-GByte-Platte ein 160-GByte-Modell ausliefern, dessen Leistungsdaten noch nicht vorliegen. Das kleinere Laufwerk erreichte in den Außenbereichen eine Geschwindigkeit von 65 MByte/s beim Lesen, was auch in der Praxis spürbar ist. Windows startet nach der Ersteinrichtung vom Drücken des Einschaltknopfes bis zum Destop in 26 Sekunden.

Den stromzehrenden Standby-Modus muss mit dem Eee PC 1000H niemand mehr benutzen. Auch aus dem sparsameren Ruhezustand (ACPI S4, Save-to-Disk) wacht der Minirechner in fünf Sekunden auf.

Eee-PC 1000H
Eee-PC 1000H
Die schnelle Festplatte sorgt zudem dafür, dass kleinere Anwendungen rasant starten und der Rechner auch beim Auslagern nicht so träge wird, wie das bei manchen Netbooks mit einfachen SSDs der Fall ist. Asus hat in der Vorinstallation zudem die Systemwiederherstellung aktiviert, schaltet man sie bei Beachtung des Risikos aus, ist der 1000H noch mal etwas flotter.

Eee-PC 1000H
Eee-PC 1000H
Dass aber auch sämtliche Glättungen der Bildschirmschriften ausgeschaltet sind, wirkt übertrieben. Diese Effekte kosten zwar CPU-Zeit, sorgen aber auch bei einem hochauflösenden Display wie im neuen Eee PC für deutlich bessere Lesbarkeit.

Das Mininotebook ist bis auf Weiteres in Deutschland nur mit Windows XP zu haben. Die Vorstellung des Eee PC 900A mit Linux zeigt aber, dass Asus dem Wunsch der Open-Source-Fans nach Netbooks mit Atom-CPU und Linux bisweilen nachkommt. Ob und wann ein 1000er-Modell mit Linux für den deutschen Markt angeboten wird, steht aber noch nicht fest.

Akkulaufzeit und Fazit
Eee-PC 1000H
Eee-PC 1000H
Der Eee PC 1000H wird mit demselben Akku von 48,8 Wattstunden geliefert wie das Modell 900. Die beiden uns vorliegenden Akkus ließen sich zwischen den Geräten problemlos austauschen. Der kleinere Asus-Rechner kommt damit unter Volllast mit 3DMark 2001 bei maximaler Helligkeit auf über 3 Stunden Laufzeit. Das Modell 1000H mit seinem größeren und helleren Display und der sich in diesem Worst-Case-Szenario ständig drehenden Festplatte schaltet sich erst nach 2 Stunden und 52 Minuten ab. Das Display ist offenbar gut aufs Stromsparen getrimmt.

Eee-PC 1000H
Eee-PC 1000H
Auch im Praxisbetrieb ist der 1000H kaum weniger ausdauernd als der 901. Beim Surfen per WLAN - allerdings mit abgeschaltetem Bluetooth, da dieses WLANs stören kann - verabschiedete sich der Akku nach 4 Stunden und 48 Minuten. Der Eee PC 901 hält hier über 20 Minuten länger durch, was aber je nach Anwendung ohnehin schwankt.

Insgesamt kann man bei üblicher Verwendung eines kleinen Mobilrechners davon ausgehen, dass man mit dem 1000H vier Stunden Mobilität erhält. Das schaffen der 30 Euro günstigere E1210 von Medion oder sein Pendant MSI Wind U100 serienmäßig nicht, sondern nur mit einem optionalen Zusatzakku. Zudem bieten die beiden nur die Hälfte des Festplattenplatzes des 1000H.

Eee-PC 1000H
Eee-PC 1000H
Damit rechtfertigt sich auch der Preis von 429 Euro vollauf. Für diesen Betrag gibt es aber auch schon Notebooks mit 15,4-Zoll-Display und ebenfalls brauchbaren Tastaturen - nur eben keinen 1,4-Kilo-Rechner mit 4 bis 5 Stunden Laufzeit. Als ständiger Begleiter ist der Eee PC 1000H wegen seines Gewichts schon wieder an der Grenze dessen, was das Konzept der Netbooks sinnvoll erscheinen lässt.

Überarbeiten sollte Asus die seltsam biegsame Tastatur. Wer mit dem 1000H liebäugelt, wird in der Regel gerade das große Eingabegerät haben wollen, wer wenig tippt, wird auch mit den 8,9-Zoll-Netbooks glücklich. Und so ist neben den Geräten von MSI und Medion der Eee PC 901 der größte Konkurrent des Eee PC 1000H. Aber das ist für Asus eine recht komfortable Situation - jedenfalls solange, bis mit HP und Dell auch die ersten PC-Schwergewichte in Deutschland ihre Netbooks anbieten.  (nie)


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Links zum Artikel:
Asus: http://www.asus.de
Asus - Eee-PC (.com): http://eeepc.asus.com/global/

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