Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0808/62037.html    Veröffentlicht: 28.08.2008 09:02    Kurz-URL: https://glm.io/62037

Nvision: Nvidia bietet SLI-Lizenz für Intel-Mainboards an

Kostenpflichtige Zertifizierung für jeden Mainboard-Hersteller möglich

Überraschend hat Nvidia in San Jose nach dem Ende seiner Hausmesse "Nvision 08" einen Strategiewechsel bekanntgegeben: Ab sofort kann jeder Hersteller von Mainboards mit Intels neuem Chipsatz X58 für Core-i7-CPUs eine SLI-Lizenz erhalten. Diese Lizenzen sind zwar kostenpflichtig, aber nicht mehr an Nvidia-Hardware gebunden.

Intel-Mainboard DX58SO
Intel-Mainboard DX58SO
Bisher musste Intel, um seine Mainboards der "Extreme"-Serie mit Nvidias Koppelung von Grafikkarten ausstatten zu können, stets auch einen Nvidia-Chip verbauen - auch wenn dieser nicht in allen Konfigurationen notwendig wäre. Dieser Chip, aktuell der PCIe-Switch "nForce 200", wurde von bösen Zungen auch schon als "Dongle" für SLI bezeichnet.

Auf Intels ersten Mustern des Mainboards "DX58SO" (Codename: Smackover), die auf dem IDF gezeigt wurden, war der nForce 200 nicht zu finden. Alle Demo-Systeme der Veranstaltung waren mit ATI-Grafikkarten bestückt. Das hat offenbar auch Nvidia mitbekommen und nun eingelenkt, um beim Start von Intels neuer CPU-Generation unbedingt auch vertreten sein zu können.

Nvidia vergibt SLI-Lizenzen
Nvidia vergibt SLI-Lizenzen
Das Unternehmen lud zwei Stunden nach der Abschluss-Veranstaltung der Nvision 08 alle noch anwesenden Journalisten der Fachpresse zu einer spontanen Pressekonferenz. Dann erklärte der Chiphersteller, dass die Hersteller von Mainboards mit Intels X58-Chipsatz für den Core i7 (Nehalem) in Zukunft auch eine SLI-Lizenz erhalten können, wenn der nForce 200 nicht verbaut wird.

Dazu muss ein Mainboard-Hersteller, zu denen bekanntlich ja auch Intel gehört, aber ein Exemplar des Boards in den Labors von Nvidia in Santa Clara testen lassen. Wenn SLI über die PCI-Express-Lanes des Chipsatzes zuverlässig funktioniert, bekommt der Mainboard-Hersteller einen von Nvidia "Cookie" genannten Schlüssel zur Verfügung gestellt. Dieser muss ins BIOS integriert werden, die Treiber von Nvidia-Grafikkarten schalten dann SLI frei, wenn das Cookie gefunden wird.

Da diese Lösung rein auf Software basiert, rechnet auch Nvidia damit, dass der Code schnell geknackt wird. Da die neue Hardware-freie SLI-Lizenz aber ohnehin nur für teure X58-Boards vergeben wird, soll der Kreis der Nutzer von SLI ohne Nvidias Segen klein bleiben. Nvidia betonte, dass die neue Lizenz nicht nur ein Marketing-Schachzug sei: Der X58-Chipsatz bringt nicht nur genügend Lanes mit, sondern beherrscht auch "Peer Writes", bei denen eine Lane über den Chipsatz direkt auf eine andere zugreifen kann, ohne den zeitraubenden Umweg über den Hauptspeicher zu machen.

Nvidia vergibt SLI-Lizenzen
Nvidia vergibt SLI-Lizenzen
Intels X58-Chipsatz (Tylersburg) bietet auch ohne den nForce-200-Chip 32 PCIe-Lanes für Grafikarten. Die häufigste Lösung mit zwei Grafikkarten kann also mit voller Geschwindigkeit von zwei x16-Slots betrieben werden. Möglich sind aber auch Kombinationen von zwei Grafikkarten mit x8 und einer mit x16 oder sogar vier Nvidia-Karten mit je x8-Slots.

Da PCI Express 2.0 doppelt so schnell ist wie die erste Version der Schnittstelle, bremsen auch x8-Lösungen nur in sehr seltenen Anwendungsszenarien die Grafik aus. Anders ausgedrückt: Ein x8-Slot mit PCIe 2.0 ist so schnell wie ein x16-Slot nach PCIe 1.0. Vier Grafikkarten mit x16-Slots auszustatten ist mit dem X58 nur möglich, wenn dann doch der nForce-200 zum Einsatz kommt.

Nvidia vergibt SLI-Lizenzen
Nvidia vergibt SLI-Lizenzen
Da es sich bei dem neuen Angebot um eine Lizenz, nicht um eine kostenlose Freigabe handelt, muss jeder Mainboard-Hersteller die Tests bei Nvidia bezahlen. Dabei wird im Übrigen der Übertakter-Speicher mit SLI-Logo und "EPP-Profilen" nicht mitgeprüft, diese Funktion bleibt den nForce-Chipsätzen vorbehalten. Auch bei erfolgreicher Prüfung verlangt Nvidia weiterhin Lizenzkosten von den Mainboard-Herstellern.

Die Zahlungsmodalitäten sind jedoch flexibel: Die Lizenz kann pauschal bezahlt werden oder aber auch pro Mainboard. Ob diese Produkte damit billiger werden, ist noch nicht abzusehen. Bisher waren ja für jedes Mainboard mit Intel-Chipsatz und SLI-Fähigkeit schon Lizenzkosten fällig, dazu kam noch der vom Board-Hersteller bei Nvidia gekaufte Chip.

Nvidia vergibt SLI-Lizenzen
Nvidia vergibt SLI-Lizenzen
Die spannendste Frage ist aber, ob auch Intel bereits zum Marktstart von X58 und der Core-i7-CPU gleich SLI-Mainboards anbietet. Wie Nvidia in San Jose erklärte, wurden auch die Mainboard-Hersteller erst kurz nach der Nvision über das neue Angebot informiert, die Ankündigungen entsprechender Produkte dürfte also noch etwas auf sich warten lassen.

Für Hardware-Tester hat Nvidias Einlenken im Streit um SLI im Übrigen noch einen sehr angenehmen Vorteil: ATIs CrossFire und Nvidias SLI lassen sich nun mit vollem Segen der Hersteller auf ein und denselben Mainboards testen.  (nie)


Verwandte Artikel:
Acer Predator Orion 9000: 18 Kerne und vier RX-Vega-64-Karten reichen für Crysis   
(30.08.2017, https://glm.io/129763 )
Keine SLI-Lizenz für Intel   
(25.09.2007, https://glm.io/54973 )
Nvidia will angeblich aus dem Chipsatzgeschäft aussteigen   
(01.08.2008, https://glm.io/61476 )
Kopplung von verschiedenen Grafikkarten mit jedem Chipsatz   
(16.07.2008, https://glm.io/61091 )
Zur CeBIT: Neue Subnotebooks und mobiles SLI von Asus   
(16.01.2008, https://glm.io/57069 )

Links zum Artikel:
Nvidia (.com): http://www.nvidia.com

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/