Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0808/62018.html    Veröffentlicht: 27.08.2008 21:21    Kurz-URL: https://glm.io/62018

Test: Internet Explorer 8 Beta 2 bringt Fortschritt

Neue Betaversion enthält alle Funktionen des fertigen Browsers

Microsoft hat ganz knapp das Versprechen eingehalten, die Beta 2 vom Internet Explorer 8 im August 2008 zu veröffentlichen. Sie bietet alle Funktionen, die für die Finalversion geplant sind: Dazu zählen gruppierte Tabs, eine intelligente Adressleiste, eine Schnellsuche sowie Visual Search Suggestions für die Suchbox in der Adressleiste.

Internet Explorer 8
Internet Explorer 8
Der Internet Explorer 8 besitzt eine sogenannte intelligente Adressleiste, über die sich besuchte Webseiten leichter finden lassen sollen. Vergleichbare Funktionen bieten Opera 9.5 sowie Firefox 3 bereits seit Juni 2008. Eingaben in die Adressleiste werden im neuen Internet Explorer mit einem Drop-Down-Bereich quittiert, in dem besuchte Webseiten, Lesezeichen und News-Feeds aufgelistet sind, auf die der besuchte Begriff passt. Bei besuchten Webseiten werden die URL und der Seitentitel berücksichtigt.

Während der Eingabe werden die Suchergebnisse im Drop-Down-Bereich ständig angepasst und alle Treffer werden farblich markiert, so dass der Nutzer schneller sieht, in welchem Bereich das Schlüsselwort gefunden wurde. Für eine bessere Übersicht wird der Browserverlauf von den Lesezeichen separiert und auch die News-Feeds landen in einem optisch abgetrennten Bereich. Als Besonderheit lassen sich Einträge aus den Suchergebnissen bequem löschen, indem das Kreuz betätigt wird, das bei jedem Eintrag erscheint, sobald der Mauspfeil darauf zeigt. Das ist hilfreich, wenn man sich bei der Adresseingabe vertippt hat und nicht will, dass die fehlerhaften Daten weiterhin gefunden und vorgeschlagen werden.

Internet Explorer 8
Internet Explorer 8
Deutlich erweitert wurden die Funktionen der Suchbox, die sich weiterhin in der Adressleiste befindet. Wie gehabt, kann man darüber gezielt Anfragen an einzelne Suchmaschinen richten und die Funktion lässt sich erweitern, indem andere Anbieter hinzugefügt werden. Das kann Wikipedia, Amazon, eBay oder auch eine News-Webseite sein. Als Neuerung hat Microsoft eine Funktion namens Visual Search Suggestions integriert, was aber von den Diensteanbietern entsprechend unterstützt werden muss.

Wenn dies der Fall ist, genügt etwa bei eBay oder Amazon bereits die Eingabe eines Begriffs und in einem Popup-Fenster erscheinen passende Treffer samt Bildern dazu. Ohne großen Aufwand kann man so beispielsweise den Preis für eine CD bei Amazon nachschlagen, für die man bei eBay bieten will, aber vorher prüfen möchte, was der Silberling neu kostet. Nach wie vor kann nur ein Anbieter abgefragt werden, eine gekoppelte Suche bei zwei Quellen ist nicht möglich. Unterhalb der Visual Search Suggestions integriert Microsoft dann noch den Browserverlauf aus der Adressleiste.

Internet Explorer 8
Internet Explorer 8
Auch bei den Tabfunktionen gibt es Verbesserungen. Ein leeres Browsertab gibt dem Nutzer nun verschiedene Optionen zur Wahl. So können kürzlich geschlossene Tabs geöffnet werden, die letzte Browser-Session wiederhergestellt, eine neue Schnellinfo integriert oder eine Webseite im Private-Browsing-Modus aufgerufen werden. Im Private-Browsing-Modus speichert der Internet Explorer keine Cookies oder Formulardaten und legt auch keine neuen Einträge im Browserverlauf an. Entscheidet sich der Nutzer für die letzte Browser-Session, dann werden alle Webseiten geladen, die beim letzten Beenden des Browsers aktiv waren.

Als weitere Besonderheit gruppiert Microsofts Browser zusammengehörige Tabs automatisch. Wenn von einer Webseite aus, weitere Tabs geöffnet werden, ergibt das eine neue Gruppe. Die verschiedenen Gruppen erhalten jeweils andere Farben, um sie besser unterscheiden zu können und leichter den Überblick zu behalten. Praktisch: Auch später dazukommende Tabs werden am Ende der Gruppe geöffnet, um die Gruppierung beizubehalten. Wird ein Tab einer Gruppe geschlossen, wechselt der Browser ganz bewusst zu einem anderen Tab der Gruppe, sofern es nicht das letzte Tab einer Gruppe war.

Internet Explorer 8
Internet Explorer 8
Über das Kontextmenü lässt sich eine Tabgruppe bequem schließen und die Gruppierung kann für einzelne Tabs aufgehoben werden. Zudem dupliziert man einzelne Tabs über das Kontextmenü und erreicht darüber geschlossene Webseiten, um diese wieder zu öffnen. Nicht möglich ist es, ein Tab nachträglich einer bestimmten Gruppe zuzuordnen oder die Gruppenfarbe selbst zu wählen. Auch können gruppierte Tabs nicht gesammelt als Lesezeichen abgelegt werden und der Inhalt einer Tabgruppe lässt sich nicht gezielt aktualisieren.

Für jede Tab-Gruppe legt der Browser eine neue Instanz an, die als einzelner Eintrag im Taskmanager erscheint. Bei zwei geöffneten Tab-Gruppen summiert es sich auf drei Internet-Explorer-Instanzen, weil der Browser ohne geöffnete Tabs bereits eine Instanz darstellt. Wem diese Funktion nicht gefällt, der kann diese in den Optionen abschalten, allerdings ist dazu ein Neustart des Browsers notwendig.

Lange Zeit haben Internet-Explorer-Nutzer darauf gewartet, dass Microsoft die Schnellsuchfunktion integriert, die in anderen Browsern seit langem üblich ist. Nun genügt ein Druck auf Strg-F und schon erscheint die sogenannte Find-on-page-Leiste, um Text innerhalb einer Webseite zu finden. Die Funktion markiert alle Treffer auf der Webseite, damit diese leicht zu finden sind. Ein erneuter Druck auf Strg-F schließt die Leiste allerdings nicht, wie es zu erwarten wäre. Die Leiste verschwindet erst wieder, wenn der Schließen-Knopf der Leiste bemüht oder die Escape-Taste betätigt wird.

Internet Explorer 8
Internet Explorer 8
Im Internet Explorer 7 hatte Microsoft standardmäßig die Link-Leiste deaktiviert und die Nutzer mussten diese erst einschalten, um darüber bequem an Lesezeichen zu gelangen. Diesen Schritt hat Microsoft als Fehler erkannt, weil dadurch die Link-Leiste von vielen Anwendern gar nicht benutzt wurde. Aus diesem Grunde ist die Link-Leiste nun standardmäßig wieder gleich nach der Installation eingeschaltet, heißt jetzt aber Favoriten-Leiste. Als Neuerung lassen sich darin neben Lesezeichen auch News-Feeds sowie Webslices ablegen und ein neuer Knopf erlaubt das Speichern der aktuellen Webseite als Lesezeichen mit nur einem Klick.

Von der Konkurrenz will sich Microsoft durch die Art der Integration der "Crash Recovery"-Funktion abheben. Andere Browser kennen die Funktion, um im Falle eines Absturzes die geöffneten Webseiten wieder nach einem Neustart des Browsers restaurieren zu können. Beim Internet Explorer 8 soll eine Abschottung der Tabs dafür sorgen, dass meist nur das betreffende Tab abstürzt, nicht aber der gesamte Browser. Somit ist dann kein Neustart des Browsers erforderlich und der Nutzer kann direkt weiterarbeiten. Zudem verspricht Microsoft, dass sogar Formulardaten wiederhergestellt werden, falls der Browser abstürzt, so dass etwa eine E-Mail in einem Webmailer nicht neu geschrieben werden muss.

Internet Explorer 8
Internet Explorer 8
Außerdem finden sich in der Beta 2 die bereits angekündigten neuen Sicherheitsfunktionen. Dazu zählt ein Malware-Filter sowie ein verbesserter Phishing-Schutz und der Internet Explorer 8 soll besser vor Cross-Site-Scripting-Attacken geschützt sein. Außerdem kennt der neue Browser einen Werbefilter, einen Private-Browsing-Modus und beim Löschen von Browserdaten wie Cookies können nun bestimmte Anbieter ausgenommen werden, um die betreffenden Daten zu behalten.

Krankte die Beta 1 des Internet Explorers 8 noch daran, dass viele Webseiten nicht ordentlich dargestellt wurden, hat Microsoft hier viel nachgeholt. Im Test fielen weniger Webseiten auf, die im Internet Explorer 8 Beta 2 nicht korrekt dargestellt wurden. Falls es doch einmal zu Problemen kommt, kann über das Tools-Menü der Menüpunkt "Compatibility View" ausgewählt werden. Dann arbeitet die Rendering Engine für die ausgewählte Webseite so wie beim Internet Explorer 7, hält sich dann aber deutlich weniger an Webstandards. Wer häufig mit Webseiten zu tun hat, die mit der verbesserten Rendering Engine des Internet Explorers 8 Probleme haben, kann festlegen, dass diese immer im Kompatibilitätsmodus ausgeführt werden.

Auch bei der Geschwindigkeit konnte die Beta 2 im Vergleich zur Beta 1 aufholen. Die neue Version agiert deutlich zügiger, aber auch hier ist wohl bis zum Erscheinen der Finalversion noch Potenzial drin, wenn überflüssiger Betacode aus dem Browser entfernt wird. Endlich verwendet der Internet Explorer nicht mehr den alten Editor von Windows, um den Quelltext einer Seite darzustellen, sondern ist mit einem speziellen Editor mit Syntax-Highlightning versehen.

Internet Explorer 8
Internet Explorer 8
Bei der Einhaltung von Webstandards hat sich zwar im Vergleich zum Internet Explorer 7 viel getan, aber im Vergleich zur Konkurrenz kann der Internet Explorer 8 nicht begeistern. Gerade einmal auf sehr schwache 12 Punkte kommt der Browser im Acid3-Test und beim Selektor-Test von css3.info sieht es auch nicht besser aus. Lediglich 19 Selektoren unterstützt der Microsoft-Browser vollständig. Drei weitere wurden als fehlerhaft eingestuft und 21 weitere werden gar nicht erst unterstützt. Zudem hat Microsoft an den neuen Funktionen gefeilt, die mit der Beta 1 des Internet Explorers 8 eingeführt wurden, dazu zählen Webslices und Activities.

Microsoft betont, dass die Beta 2 bereits alle Neuerungen des Internet Explorers 8 enthält. Neue Funktionen sind bis zum Erscheinen der fertigen Software nicht mehr zu erwarten. Allerdings können Änderungen an den Neuerungen noch vorgenommen werden oder einzelne Funktionen auch wieder bis zur Finalfassung aus der Software verschwinden. Auf diese Möglichkeit wies Microsoft jedenfalls ausdrücklich hin.

Der Internet Explorer 8 steht als Beta 2 für Windows XP und Vista unter anderem in deutscher Sprache zum Download bereit. Da es sich hierbei um eine Vorabversion handelt, ist noch mit Programmabstürzen zu rechnen. Ein Produktiveinsatz der Software wird von Microsoft nicht empfohlen. Im IE-Blog beschreibt Microsoft, auf was bei der Installation des Browsers zu achten ist und wie sich die Beta 2 auf die Deinstallation von Service Packs für Windows auswirkt. Einen Termin für die Final-Version des Internet Explorers 8 wollte Microsoft auch auf Nachfrage von Golem.de nicht nennen.

Fazit:
Internet Explorer 8
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Die Beta 2 des Internet Explorers 8 bringt nach langer Wartezeit erstmals wieder tatsächlichen Fortschritt und zeigt der Browserkonkurrenz, wo sie Nachholbedarf hat. Bislang hinkte der Internet Explorer der Konkurrenz eher hinterher. Die intelligente Adressleiste ist zwar in Grundzügen aus Opera und Firefox bekannt, aber Microsoft ergänzt sie um sinnvolle Funktionen, wie etwa die sortierte Darstellung oder die Möglichkeit, falsch getippte URLs bequem zu löschen.

Visual Search Suggestions macht die Browserbedienung effizienter, weil man schnell mal Dinge nachschlagen kann, ohne erst ein Tab öffnen zu müssen. Mit der Tab-Gruppierung verliert der Nutzer nicht so schnell die Übersicht über die geöffneten Webseiten und die Schnellsuche ist angehm in den Arbeitsfluss integriert. Auch die Sicherheitsverbesserungen machen den Browser insgesamt komfortabler.

Ein vollständiges Session-Management fehlt dem Browser weiterhin und auch an der Lesezeichenverwaltung gab es keine Verbesserungen. Diese wirkt weiterhin altbacken und ist nicht sonderlich komfortabel zu bedienen. Bei der Unterstützung der Webstandards schlägt Microsoft zwar den richtigen Weg ein, aber in dieser Disziplin bleiben noch eine ganze Menge Verbesserungsmöglichkeiten.

 (ip)


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