Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0808/61490.html    Veröffentlicht: 04.08.2008 08:29    Kurz-URL: https://glm.io/61490

Computersucht gefährdet Jugendliche mehr als Alkohol

Psychologe warnt vor Suchtfolgen

Der Psychologe Klaus Wölfing ist besorgt über die zunehmende Computerspielebegeisterung von Jugendlichen und warnt vor Suchtgefahren. Seiner Meinung nach ist die Gefahr, in eine Abhängigkeit zu geraten, größer als die bei Alkohol.

"Jugendliche sind eher gefährdet, abhängig von Onlinespielen zu werden, als von Alkohol oder Haschisch", sagte der Leiter von Deutschlands erstem Therapiezentrum für Computerspielsüchtige am Mainzer Universitätsklinikum gegenüber dem Focus.

Das ambulante Therapiezentrum der Mainzer Uni wurde Anfang März 2008 eröffnet. Man erhalte täglich Anrufe von besorgten Eltern. Deren Kinder spielten sich "um Kopf und Kragen", so Wölfing. Kinder, die ein Suchtverhalten aufweisen, spielten häufig sechs bis acht Stunden täglich. Doch nicht nur das: Sie leiden auch unter Schlafmangel, Fehlernährung und "einer vollkommenen Isolation von der Außenwelt".

Nur die Spielsucht bzw. genauer gesagt das "Pathologische (Glücks-)Spielen" wurde bisher in die Klassifikationssysteme psychischer Störungen (DSM-IV und ICD-10) aufgenommen. Andere Verhaltenssüchte können hingegen nur in Anlehnung daran als Störung der Impulskontrolle, nicht andernorts klassifiziert diagnostiziert werden.

Ein eigenständiges Störungsbild gibt es also noch nicht - im Gesundheitssystem sorgt das für Probleme, da bei Therapien die Kostenübernahme nicht gesichert ist.  (ad)


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Uniklinik Mainz: http://www-klinik.uni-mainz.de/

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