Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0807/61053.html    Veröffentlicht: 15.07.2008 09:25    Kurz-URL: https://glm.io/61053

EU will Preis für SMS-Roaming auf unter 15 Cent senken

Bisher zahlen Verbraucher das bis zu 25fache einer Inlandskurznachricht

EU-Kommissarin Viviane Reding will die Tarife für SMS-Roaming innerhalb der EU senken. "Der genaue Betrag steht noch nicht fest, aber er wird zwischen 11 und 15 Cent liegen."

Reding hatte den Mobilfunkbetreibern eine Frist bis zum 1. Juli 2008 gesetzt, um die Preise für das Verschicken von Kurznachrichten und für mobiles Internet im Ausland zu senken. Laut Angaben der EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien zahlen EU-Verbraucher beim Roaming im Durchschnitt 28 Cent pro SMS. Die mobile Internetnutzung im Ausland kostet in einigen EU-Staaten 11 Euro pro MByte. Die tatsächlichen Kosten lägen aber bei unter 1 Euro, so Reding.

Am heutigen Dienstag, dem 15. Juli 2008, will sie einen entsprechenden Änderungsantrag zur Roamingverordnung vorschlagen. "Der genaue Betrag steht noch nicht fest", sagte Reding der Süddeutschen Zeitung, "aber er wird zwischen 11 und 15 Cent liegen". Pro Jahr würden in der EU rund 200 Milliarden SMS geschrieben, davon 2,5 Milliarden über nationale Grenzen hinweg. Bisher koste die Auslands-SMS das bis zu 25fache einer Inlandskurzmitteilung.

Die neuen Vorschläge der EU-Kommissarin werden noch vom EU-Parlament und Ministerrat beraten. Reding erwartet, dass die neue Verordnung, die auch Preisobergrenzen für mobiles Internet im Ausland vorsehen soll, noch vor der Europawahl im Juni 2009 wirksam wird.

Die GSM Association, ein internationaler Wirtschaftsverband der Mobilfunkbranche, wehrt sich dagegen gegen die neue Preisobergrenze für SMS- und Internetroaming in der EU. Investitionen für neue Netzwerke und Dienste würden reduziert, weil die zunehmende Regulierung der EU die Rentabilität der Unternehmen bedrohe. Europäische Mobilfunkbetreiber könnten im Durchschnitt nur ihre gewichteten Kapitalkosten decken und einige arbeiteten sogar mit Verlust. Auch habe die EU-Regulierung beim Sprachroaming nichts gebracht: Das Volumen der Roaminganrufe sei bis Juli 2008 gegenüber dem Vorjahr lediglich um 11 Prozent gestiegen, während die Betreiber bei den Roamingeinnahmen einen Rückgang von 26 Prozent verzeichneten.

Hier muss die Mobilfunkbranche wohl mehr Ausdauer zeigen. Viele Verbraucher denken bei Telefonaten mit dem Handy im Ausland vor allem an sehr hohe Kosten. Wenn die Netzbetreiber nicht noch mehr und besser informieren, werden viele Handynutzer diese Möglichkeiten weiterhin meiden - aus Angst vor explodierenden Kosten.  (asa)


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Links zum Artikel:
Europäische Kommission: http://europa.eu.int/comm/index_de.htm
GSM Association (GSMA) (.com): http://www.gsmworld.com

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