Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0807/60867.html    Veröffentlicht: 04.07.2008 15:41    Kurz-URL: https://glm.io/60867

Intelligente Kleidung erkennt Stress

Sensoren in Westen ermitteln Stress aus Muskelspannung

Europäische Forscher haben ein Kleidungsstück entwickelt, das Stress erkennen soll. In den Stoff der Weste eingewebte Sensoren erkennen an der Muskelspannung, ob der Träger unter Stress steht.

Jacken mit integriertem Kopfhörer oder MP3-Player, eine Brille mit Computer - künftig schützt Kleidung nicht nur vor Kälte und Regen, sondern trägt zur Unterhaltung bei oder weiß über den Gesundheitszustand Bescheid.

Sensor zur Messung der Muskelspannung (Foto: Fraunhofer IZM)
Sensor zur Messung der Muskelspannung (Foto: Fraunhofer IZM)
So wie die von europäischen Forschern im Rahmen des EU-Projektes Context entwickelte Weste, die erkennt, ob ihr Träger unter Stress steht. Dazu sind in den Stoff der Weste Sensoren eingewebt, die den Stresszustand an der elektrischen Spannung der Muskeln erkennen: Wenn ein Mensch unter Stress steht, reagieren die Muskeln darauf mit kaum wahrnehmbaren Zitterbewegungen. Die Sensoren registrieren diese Veränderungen und übertragen die Informationen über leitfähige Fasern, die ebenfalls in den Stoff eingewoben sind, an eine Auswertungseinheit.

Eine wichtige Eigenschaft der tragbaren Elektronik sei Strapazierfähigkeit, berichtet Torsten Linz vom Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) in Berlin. Der in das Kleidungsstück integrierten Elektronik dürfen Regen und Schweiß ebenso wenig etwas anhaben wie die Waschmaschine. Die Aufgabe der Forscher vom IZM war es deshalb, stabile metallische Fasern und wasserdichte Anschlüsse zu entwickeln, die diesen Belastungen standhalten. Die nächste Aufgabe der Berliner ist, auch die Auswertungselektronik in der Weste unterzubringen.

Die Idee, eine solche Stresserkennungssweste zu entwickeln, stammt von Wissenschaftlern der Katholischen Universität im belgischen Löwen. Bei Studien stellten sie fest, dass das Anbringen von Sensoren auf der Brust bei Probanden bereits Stress verursachte. So konnten sie keine brauchbaren Messergebnisse über Stresszustände erzielen und suchten nach einer Möglichkeit, die Sensoren weniger auffällig unterzubringen. So entstand das Konzept für die in ein Kleidungsstück integrierte Messeinrichtung.

Neben der Stressforschung sehen die Forscher noch weitere Anwendungen für das intelligente Kleidungsstück. So könnte es in der Arbeitswelt beispielsweise davor warnen, zu schwere Lasten zu heben. Beim Leistungssport kann es dem Trainer Aufschluss darüber geben, ob ein Sportler noch über Reserven verfügt oder bereits an seiner Leistungsgrenze angelangt ist. Selbst Computerspieler könnten die Weste nutzen und durch Anspannen der Muskeln ihre Spielfigur steuern.

Im Jahr 2007 haben australische Wissenschaftler ein T-Shirt vorgestellt, das Herzfrequenzen misst. Nach dem Tragen wird das Kleidungsstück in einen Schrank gehängt, an den ein Computer angeschlossen ist, der die medizinischen Daten ausliest.  (wp)


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