Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0807/60757.html    Veröffentlicht: 01.07.2008 12:39    Kurz-URL: https://glm.io/60757

Blizzard Invitational: Höllenfürst-Fest und Gamemaster-Gulag

Eine Bilanz des Blizzard Worldwide Invitational - mit Video

Dass Blizzard auf der Pariser Hausmesse Worldwide Invitational das Actionrollenspiel Diablo 3 angekündigt hat, hat sich herumgesprochen - es gab aber noch mehr Neuigkeiten. Golem.de war dabei und berichtet, was in Sachen Entwickler, Besucherandrang, Starcraft 2 und Wrath of the Lich King los war.

Blizzard Worldwide Invitational
Blizzard Worldwide Invitational
Nach der Leipziger Games Convention war es die größte Veranstaltung rund ums Computerspiel, die 2008 in Europa stattfindet: die Blizzard Worldwide Invitational. Die Hausmesse der Starcraft-, Warcraft- und Diablo-Macher hat am Wochenende des 28. und 29. Juni trotz Eintrittspreisen von 70 Euro mehr als 8.000 zahlende Besucher nach Paris gelockt. Dazu kamen mehrere hundert Journalisten und jede Menge Blizzard-Mitarbeiter, so dass sich mehr als 10.000 Menschen durch Halle 5 des Messezentrums an der Porte de Versailles wälzten. Die Warteschlangen konnten es jedenfalls mit denen der bisherigen Games Conventions aufnehmen: Eineinhalb Stunden nach Eröffnung am Samstagvormittag wand sich eine deutlich über einen Kilometer lange Schlange am Gelände entlang.

Jay Wilson (Lead Designer Diablo 3) und Frank Pearce (Ececutive Vice President Product Development) von Blizzard
Jay Wilson (Lead Designer Diablo 3) und Frank Pearce (Ececutive Vice President Product Development) von Blizzard
Die Bosse von Blizzard mussten nicht Schlange stehen. Und obwohl es angesichts des absehbar gigantischen Medienechos über die Ankündigung von Diablo 3 ein guter Tag für sie wurde, wirkten insbesondere die Gründer Mike Morhaime und Frank Pearce nicht richtig glücklich. Morhaime musste die Hauptrede halten und las den Text mit dem Elan eines Verwaltungsbeamten vom Teleprompter ab. Pearce fühlte sich wenig später in der Diablo-3-Pressekonferenz ebenfalls sichtlich unwohl und sagte dann auch offen, er möge derartige Veranstaltungen nicht besonders, er entwickle lieber Spiele.

Trotzdem lief die Eventmaschine wie am Schnürchen. Fast auf die Minute genau betrat am Samstag um 11:45 Uhr ein Moderatorenduo die gewaltige Bühne und lieferte eine perfekt inszenierte Show. Erst durfte der Blizzard-Europaboss ein paar Worte sagen, kurz darauf folgte ein Auftritt von E-Sportlern aus allen Ländern, die besonders erfolgreich in einem der Blizzard-Titel sind. Die jungen Männer schlappten gemächlich auf die Bühne, obwohl die Moderatorin verzweifelt versuchte, für Tempo zu sorgen. Prompt brach nach einigen Minuten Ungeduld im Publikum aus, das schließlich auf Diablo 3 hoffte. Nur einmal gab es so etwas wie Begeisterung: Als koreanische Profispieler die Bühne betraten, bewegte das einige ihrer Landsleute zu hysterischen Reaktionen, den Rest des Publikums allerdings zu ratlosem Schulterzucken.

Blizzard Worldwide Invitational
Blizzard Worldwide Invitational
Dann endlich kam Morhaime auf die Bühne, sprach kurz über sein Unternehmen, den Zusammenschluss mit Activision und das Vorjahresevent in Korea. Dann steuerte er das Thema an, auf das die Besucher warteten. "Ich weiß, dass ihr euch alle fragt, ob wir hier bei diesem Event eine große Neuigkeit für euch haben", sprach Morhaime ins Publikum - "ja, haben wir". Die Showmaschine sprang wieder an, ein Gitarrenspieler stimmte live ein paar Akkorde aus dem Diablo-Soundtrack an. Und endlich flimmerten die ersten Bilder des Diablo-3-Trailers über die riesigen Leinwände - der Höllenfürst war entfesselt.

Starcraft 2
Starcraft 2
Blizzard sprach noch viel über den dritten Teil des Actionrollenspiels, zeigte ein Video direkt aus dem Spiel und veranstalte Pressekonferenzen. Der Fokus war so sehr auf Diablo 3 gerichtet, dass die beiden anderen aktuellen Titel fast nebensächlich erschienen. Bei Starcraft 2 war eine Version zu sehen, die Blizzard vor zwei bis drei Monaten gebaut hatte - was unter anderem Hardcorefans, etwa die Betreiber von dedizierten "Star 2"-Fanseiten, einige Sorgen bereitete, weil neuere Informationen teils im Widerspruch zur lokal spielbaren Version standen. Das betraf allerdings nur Details, etwa die Stärke oder Reichweite von Einheiten, die besonders für den Multiplayermodus wichtig sind, den Blizzard wohl noch konsequenter in Richtung E-Sport-Tauglichkeit trimmt als den Vorgänger. Derzeit arbeiten die Entwickler am Balancing und an der Singleplayer-Kampagne, die laut Entwicklerchef Rob Pardo zu rund einem Drittel fertig sein soll. Sein Team konzentriere sich gerade auf die Handlung und die Zwischensequenzen. Pardo rechnet nicht damit, dass der Titel noch 2008 erscheint.

WoW - Wrath of the Lich King
WoW - Wrath of the Lich King
Von Wrath of the Lich King, der Erweiterung zu World of Warcraft, war etwas mehr zu sehen. So war die neue Highlevel-Klasse der Todesritter spielbar, und zwar im schneebedeckten Add-on-Gebiet Nordend. Der Todesritter spielte sich zumindest in der Version auf dem Worldwide Invitational wie eine aufgebohrte, mehr auf das Austeilen von Nahkampfschaden ausgerichtete Version von Krieger oder Paladin. Er kann ordentlich zuschlagen, verfügt aber auch über Sonderfähigkeiten. Er verwandelt sich kurzzeitig in einen Untoten und widersteht dann zuverlässig "Furcht"-Magie. Ebenfalls mächtig Schaden kann der Todesritter mit seinem "Raise-Dead"-Zauber anrichten: Damit erweckt er erledigte Gegner oder Mitstreiter zu neuem Leben und schickt sie als Zombie auf seiner Seite in den Kampf.

WoW - Wrath of the Lich King
WoW - Wrath of the Lich King
Der Todesritter verfügt über spezielle Runen, mit denen er eine Gewichtung über drei Fertigkeitenbereiche - die seinen Talentlinien entsprechen - vornimmt. Im Angebot sind "Blut", das die Angriffskraft verstärkt, sowie "Frost" mit Auswirkungen etwa auf die Fähigkeit, Feinde auf Distanz zu halten, und "Unheilig", das beispielsweise Gegner mit Krankheiten überzieht. Um einen Todesritter zu erstellen, benötigt der Spieler einen beliebigen Charakter auf mindestens Stufe 55, den er per Kopfdruck zur neuen Klasse umwandelt. Übrigens funktioniert das mit allen Klassen, so dass es auch niedlich aussehende Gnomen-Todesritter gibt.

Blizzard Worldwide Invitational
Blizzard Worldwide Invitational
Abgesehen von den neuen Spielen gab es auf der Blizzard Worldwide Invitational noch eine Menge mehr zu sehen. Weitere Warteschlangen etwa - vor dem Shop, der Fanartikel wie T-Shirts, Actionfiguren und den Blizzard Authenticator anbot. Und einen zwar riesigen, aber längst nicht ausreichend großen Rechnerpark, in dem die Besucher Starcraft 2 und Wrath oft the Lich King anspielen durften. Und einen Stand, an dem Blizzard-Entwickler dazu verdonnert waren, im Akkord Autogramme zu schreiben. Außerdem gab es Fotostände mit Kostümelfen, -Orks und sonstigen Fantasywesen, mehrere groß angelegte E-Sport-Turniere sowie Podiumsdiskussionen mit Entwicklern, auch über das frisch angekündigte Diablo 3.

Blizzard Worldwide Invitational
Blizzard Worldwide Invitational
Für Saalordnertätigkeiten hatte Blizzard übrigens einige der rund 600 Mitarbeiter abgestellt, die sonst in Frankreich als Gamemaster für World of Warcraft tätig sind. Erstaunlich: Diese jungen Männer entsprachen in vielen Fällen dem Nerd-Klischee und trugen zu viel Körpermasse und gern Bikerbärte und -frisuren. Erschreckenderweise hatten zumindest einige von ihnen arg viel Freude an eigentlich traurigen Witzchen über ihren Job als "Spielesklave" im "Blizzard-Gulag" und stiegen auf entsprechende Vorlagen allzu begierig mit weiteren Blödeleien ein.

Für die Worldwide Invitational 2009 - der Ort ist noch unbekannt - hat Blizzard vielleicht auch eine Überraschung in petto. Entwicklerchef Rob Pardo verriet gegen Ende der Pariser Messe, dass eines seiner Teams an einem Geheimprojekt arbeitet.

 (ps)


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Links zum Artikel:
Blizzard (.com): http://www.blizzard.com

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