Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0806/60680.html    Veröffentlicht: 27.06.2008 11:26    Kurz-URL: https://glm.io/60680

Yahoo will durch Reorganisation überlebensfähig bleiben

Sue Decker verspricht Umsatzwachstum und schnellere Produktentwicklung

Das Internetunternehmen Yahoo reorganisiert seine Produktentwicklung. Der Umsatz soll durch Zentralisierung wachsen. Nach dem gescheiterten Übernahmeversuch durch Microsoft waren Zweifel aufgekommen, ob Yahoo allein überlebensfähig ist. Großanleger protestierten, und eine Reihe von Topmanagern verließ das Unternehmen.

Yahoo-Präsidentin Sue Decker, die bereits als Nachfolgerin von Firmenchef Jerry Yang gehandelt wurde, will durch den Umbau neue Produkte weltweit schneller marktfähig machen. Bisher mussten vor einem Produktstart verschiedene Spartenchefs zustimmen. Entscheidungen wurden dadurch weiter verkompliziert, so Decker, dass globale Neueinführungen von US-Finanztöpfen abhingen.

Zwei hochrangige Yahoo-Manager erhalten nun mehr Macht: Ash Patel (Platforms & Infrastructure), der die Öffnung zu externen Entwicklern vorangetrieben hat, wird globaler Produktstratege. Hilary Schneider (Global Partner Solutions), die bereits das Auslandsgeschäft führt, kontrolliert künftig auch die US-Produktentwicklung. Beide führen Teams an und berichten direkt an Decker. Die dritte Gruppe, das Insights-Strategy-Team, das sich mit Zentralisierung und Analyse der Daten im Konzern beschäftigt, ist noch führungslos.

Neue Stellenstreichungen soll es nicht geben. Ende Januar 2008 hatte Yang bereits 1.000 Arbeitsplätze im Unternehmen abgebaut. Der Internetkonzern beschäftigt circa 13.300 Personen.

Die Yahoo-Führung will mit dem Umbau Befürchtungen entkräften, Yahoo sei allein nicht überlebensfähig. Yang schlug im Mai 2008 ein Microsoft-Angebot in Höhe von 47,5 Milliarden US-Dollar aus. Nun muss die Firmenleitung beweisen, dass Yahoo allein mehr Wert ist. Auch Folgeverhandlungen mit Microsoft über einen Verkauf der Yahoo-Suchmaschinesparte für 1 Milliarde und ein Aktienkauf in Höhe von 8 Milliarden US-Dollar scheiterten an Yangs Widerstand. Einer der Hauptkritiker seiner Strategie, der Yahoo-Großinvestor Carl Icahn, will auf der Aktionärsversammlung am 1. August 2008 die Aufsichtsräte austauschen, Yang abwählen und die Firma an Microsoft verkaufen. Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, machen Yahoo-Eigner weiter bei Microsoft Druck, um eine Erhöhung des Angebots für die Yahoo-Suche zu erreichen.

Viele Topkräfte haben US-Medienberichten zufolge in den vergangenen Wochen die Firma verlassen: darunter Jeff Weiner, der die Netzwerksparte leitete, Vish Makhijani, der für die Suche zuständig war, Qi Lu, verantwortlich für die Such- und Anzeigentechnik, Usama Fayyad und die Flickr-Mitbegründer Stewart Butterfield und Caterina Fake. Ob die Zentralisierung, als deren Architektin Decker gilt, ein Erfolg wird oder eine neue Abwanderungswelle auslöst, steht noch nicht fest.  (asa)


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