Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0806/60607.html    Veröffentlicht: 30.06.2008 12:33    Kurz-URL: https://glm.io/60607

Angetestet: Asus M930 fordert Nokias Communicator E90 heraus

Smartphone mit Windows Mobile 6, WLAN und 2-Megapixel-Kamera

Asus bringt mit dem M930 ein Windows-Mobile-Smartphone in den Handel, das auf den ersten Blick an Nokias Communicator E90 erinnert. Auch das Asus-Modell kann aufgeklappt werden und der Nutzer erhält Zugriff auf eine QWERTZ-Tastatur, über die sich Texte bequem eingeben lassen sollen. Ob der Asus-Neuling an Nokias Communicator heranreicht, klärt ein Kurztest.

Asus M930
Asus M930
Legt man das Asus M930 und das Nokia E90 nebeneinander, nimmt das Asus-Smartphone weniger Platz ein. Immerhin ist er 19 mm kürzer, fast 2 mm dünner und 52 Gramm leichter als das Nokiagerät. Dennoch dürfte das 113 x 54 x 18,7 mm messende und 158 Gramm schwere Smartphone Hemdtaschen ordentlich ausbeulen. Aufgeklappt erhält man Zugriff auf Tastatur und Hauptdisplay.

Dabei ist der Klappmechanismus so gestaltet, dass die QWERTZ-Tastatur schräg nach vorne gekippt ist. Ob damit das Tippen vereinfacht wird, hängt von den persönlichen Vorlieben ab. Auf jeden Fall kann der Nutzer das Display beim Tippen gut einsehen, wenn das Gerät auf dem Tisch liegt. Allerdings sollte er nicht zu kräftig tippen, denn Eingaben lassen das Gerät leicht über den Tisch rutschen, weil Gumminoppen an der Unterseite fehlen. Allerdings wird man wohl meist Eingaben mit dem Daumen tätigen und das Gerät dabei in beiden Händen halten. Das funktioniert sehr gut, weil alle Tasten mit beiden Daumen sehr bequem erreichbar sind.

Asus M930
Asus M930
Während das Außendisplay eine 2-Zoll-Diagonale mit einer Auflösung von 240 x 320 Pixeln bietet, schaut der Anwender im Innern auf ein 2,6-Zoll-Display mit einer Auflösung von gerade mal 400 x 240 Pixeln. Der erste Eindruck enttäuscht sofort: Das Hauptdisplay ist nur rund halb so breit wie das gesamte Gehäuse. Es bleibt die Frage, warum Asus den zur Verfügung stehenden Platz nicht genutzt hat. Gerade bei der Bearbeitung größerer Dokumente oder längerer Texte ist ein großes Display von Vorteil. In diesem Punkt unterliegt Asus dem E90 von Nokia, dessen Display die Gerätebreite ausnutzt und so auf eine Auflösung von 800 x 352 Pixeln kommt. Auch bei der Farbtiefe bleibt Asus hinter Nokia zurück: 65.536 Farben stellt das M930 dar, 16 Millionen Farben der Communicator E90.

Erfreulich ist hingegen, dass es nicht zwei unterschiedliche Bedienmodi gibt. Der Nutzer kann über das Außendisplay und die darunter befindliche Handyklaviatur auf alle Daten zugreifen. Wenn das Mobiltelefon dann aufgeklappt wird, stehen auch gerade bearbeitete Daten im Hauptdisplay zur Verfügung. Das Schreiben einer SMS etwa kann man über die Handyklaviatur beginnen und über die QWERTZ-Tastatur fortsetzen oder beenden.

Asus M930
Asus M930
Weniger erfreulich ist, dass sich Asus beim Hauptdisplay für eine spiegelnde Variante entschieden hat. Zwar lassen sich die Inhalte auch bei hellem Sonnenlicht recht gut ablesen, aber die Oberfläche erschwert es, die Informationen ganz ohne Verrenkungen aufzunehmen. Je nach Anforderung kann der Einblickwinkel des Displays problematisch sein: Das Display ist von allen Seiten sehr gut einsehbar, so dass zum Beispiel Fremde in öffentlichen Verkehrsmitteln die dargestellten Informationen mitlesen können. Das außen liegenden Zweitdisplay kann von der Seite weniger gut eingesehen werden.

Die Tasten auf der QWERTZ-Tastatur bei dem asiatischen Smartphone sind nicht zu klein und reagieren gut - allerdings muss der Anwender ein wenig mehr Kraft aufwenden als bei der Nokia-Tastatur. Das Steuerquadrat am rechten Rand reagiert ebenfalls gut. Viel zu klein geraten sind die beiden Steuertasten direkt unterhalb des Displays, über die wichtige Funktionen aufgerufen werden. Erschwerend hinzu kommt, dass die Steuerknöpfe tiefer liegen und von anderen Tasten umgeben sind. So werden leicht versehentlich andere Tasten im Umfeld der kleinen Steuertasten betätigt. Während die Nokia-Konkurrenz Schnellzugriffstasten oberhalb der Tastatur für den Aufruf verschiedener Funktionen bietet, muss man beim Asus-Gerät darauf verzichten. Das ist weniger komfortabel.

Nokia E90
Nokia E90
Gut zugänglich ist beim M930 der Speicherkartensteckplatz für Micro-SD-Karten am Gehäuserand, über den der interne Speicher von 64 MByte aufgestockt werden kann. Im Lieferumfang ist jedoch keine Speicherkarte enthalten, sie muss separat gekauft werden.

Als Betriebssystem setzt Asus auf Windows Mobile 6 in der Standardausführung, Nokia schwört auf Symbian S60. Beide Geräte unterstützen damit keine Touchscreens und lassen sich nicht über den Bildschirm bedienen. Anders als Konkurrent HTC hat Asus seinem Gerät auch keine eigene Bedienoberfläche gegeben, so dass nur die normale Windows-Mobile-Bedienung zur Verfügung steht, die wenig intuitiv ist. Auch bei der mobilen Internetnutzung verlässt sich Asus ganz auf Microsoft und liefert den Internet Explorer Mobile mit, statt einen anwendungsfreundlicheren Browser beizulegen. Office-Dateien lassen sich nur betrachten, Software zum Bearbeiten solcher Dokumente muss dazugekauft werden und ist nicht im Lieferumfang enthalten - ein weiterer Nachteil.

Wie üblich bei Windows-Mobile-Geräten spielt der mitgelieferte Windows Media Player die Musikformate MP3, WMA, AAC sowie AAC+ und die Videoformate MPEG4 sowie H.263. Der Klang über den Kopfhörer ist allerdings extrem leise, obwohl der Nutzer die Lautstärke selbst regeln kann und der Hersteller bis zu 105 Dezibel verspricht.

Asus M930
Asus M930
Im Innern des Asus-Smartphones arbeitet ein OMAP-Prozessor von Texas Instruments mit einer Taktrate von 450 MHz, was offenbar zu wenig ist. Denn beim Starten von Applikationen reagiert das Mobiltelefon ein wenig träge. Innerhalb der Programme reagiert das Gerät hingegen zügig. Für Foto- und Videoschnappschüsse steht eine 2-Megapixel-Kamera bereit. Auf einen Autofokus muss der Nutzer allerdings verzichten. Dadurch werden Bilder leicht unscharf. Die Aufnahmen wirken zudem flau und wenig farbintensiv, so dass sich die Kamera nicht für wichtige Aufnahmen eignet.

Das Asus M930 wie auch Nokias Communicator lassen sich über Sprachbefehle steuern. Doch während das E90 mit Deutsch gut klarkommt, verhört sich das M930 häufig und verrät statt der Uhrzeit gern alle noch nicht gelesenen SMS. Diese gibt das Smartphone übrigens Wort für Wort wieder, allerdings ist die Aussprache oft unverständlich. Der Nutzwert dieser Funktion ist also gering.

Asus M930
Asus M930
Das Windows-Mobile-Smartphone beherrscht HSDPA mit bis zu 3,6 MBit/s sowie natürlich UMTS und funkt auf den drei GSM-Frequenzen 900, 1.800 sowie 1.900 MHz. Zudem sind Datenverbindungen via EDGE sowie GPRS möglich und alternativ kommt man mittels WLAN 802.11b/g ins Internet. Als weitere Drahtlostechnik ist Bluetooth 2.0 vorhanden, um entsprechendes Zubehör mit dem Mobiltelefon zu verbinden oder darüber Daten zu übertragen. Im Sprachtest klangen die Stimmen laut und gut verständlich, auch die Freisprechfunktion leistet gute Dienste und kann im Notfall als Ersatz für ein vergessenes Headset fungieren.

Bei der Akkulaufzeit verriet Asus nur die Angaben für den GSM-Betrieb. Demnach kann im GSM-Netz mit einer Akkuladung bis zu 5 Stunden telefoniert werden. Die Bereitschaftsdauer beziffert der Hersteller auf 8 Tage. Im UMTS-Betrieb wird vor allem die Gesprächsdauer deutlich kürzer ausfallen. Angaben zur Akkulaufzeit im UMTS-Betrieb wollte Asus auf Nachfrage nicht mitteilen. Generell verringern sich die Akkulaufzeiten bei intensiver WLAN-Nutzung.

Nach Asus-Angaben ist das Windows-Mobile-Smartphone M930 bereits im Handel erhältlich und kostet 449 Euro ohne Vertrag.

Fazit:
Das ungewöhnlich schmale Hauptdisplay des M930 und fehlende Applikationen zum Editieren von Office-Dokumenten begrenzen den Einsatzbereich des Windows-Mobile-Smartphones erheblich, obwohl das Gerätekonzept mehr verspricht. Zudem mindern das spiegelnde Display und die schlecht erreichbaren Steuerknöpfe das Vergnügen mit dem Smartphone. Das ist schade, denn die gute Tastatur und das Gerätedesign sind an sich gelungen. Enttäuschend ist auch die Qualität der eingebauten Digitalkamera und auf einen bereits vorinstallierten guten Internetbrowser muss der Nutzer ebenso verzichten wie auf integriertes GPS. [von Ingo Pakalski und Yvonne Göpfert]  (yg)


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