Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0806/60542.html    Veröffentlicht: 20.06.2008 15:12    Kurz-URL: https://glm.io/60542

Spieletest: Civilization Revolution - das Gamepad als Zepter

Das erste speziell für Konsolen entwickelte Civilization unter der Lupe

"Seit die Azteken Hollywood haben, bekommen sie wirklich jede Metropole. Und das ohne jeden Kriegselefanten oder Panzer." So klingt es aktuell im Sprachchat der Onlineschlachten von Civilization Revolution. Bekommen Konsolenspieler endlich ihr eigenes Weltherrschaft-El-Dorado? Golem.de hat es sich angesehen.

Civilization Revolution (Playstation 3, Xbox 360)
Civilization Revolution (Playstation 3, Xbox 360)
Nahezu perfekt, lautete an vielen Stellen das Fazit zu Sid Meier's Civilization 4. Spätestens mit dem Addon Beyond the Sword ist der rundenbasierte Klassiker auf dem PC konkurrenzlos auf seinem Gebiet. Die Fans sind zufrieden. Kein Wunder also, dass sich Entwickler Firaxis zur Abwechslung mal darauf konzentriert, die Zielgruppe zu erweitern. Der Name des Projekts: Civilization Revolution. "Wir wollen Spielern, die bisher mit Civ nicht so recht warm geworden sind, die Serie näher bringen," sagte Sid Meier in etlichen Interviews. Und das gelingt natürlich nur durch Einsteigerfreundlichkeit.

Zugänglichkeit ist Trumpf in Civilization Revolution. Im Vergleich zu Civilization 4 wurden viele Ressourcen, Diplomatieoptionen, Religionsformen und Siegesstrategien gestrichen oder zusammengekürzt. Beispielsweise werden die Weltmeere nur noch von Fischen und Walen besiedelt. Krabben, die am PC die Gesundheit der Städte fördern, sind nicht dabei, da Umweltverschmutzung in Civilization Revolution sowieso keine Rolle spielt. So ist der Spielumfang übersichtlicher und eine Partie von der Steinzeit bis in die Moderne dauert nur knappe drei Stunden. Eine Länge, die auch abendfüllende Onlinescharmützel attraktiv macht.

Civilization Revolution
Civilization Revolution
Am eigentlichen Spielablauf ändert auch das Konsolen-Civ nichts. Der Spieler fängt mit einem Siedler an und vergrößert Runde für Runde sein Weltreich. Städte werden mit Gebäuden und Weltwundern ausgebaut und auf Produktion, Wirtschaft, Kultur oder Wissenschaft getrimmt, während produzierte Einheiten den Globus auskundschaften. Dabei trifft man schnell auf Barbaren und später auf die anderen Zivilisationen, denen entweder Friedensvertrag oder Keule angeboten werden. Diplomatische Handlungen sind auf den Austausch von Technologien, Städten und Persönlichkeiten beschränkt. Im Kriegsfall treten repräsentative Militäreinheiten aus der jeweiligen Ära gegeneinander an.

Civilization Revolution
Civilization Revolution
Civilization Revolution bietet dabei vom Bogenschützen über den Samurai bis hin zum klassischen Panzer wenige, aber gut ausbalancierte Einheiten, die sich auf Wunsch auch im Dreierpack zusammenschließen, um ihre Kampfstärke zu erhöhen. Nach jeder dritten erfolgreichen Schlacht bekommen Einheiten zudem nützliche Verbesserungen, die ihre Kampfwerte noch einmal drastisch heben und sie für Stadtangriffe, Verteidigung oder Mobilität spezialisieren.

Civilization Revolution
Civilization Revolution
Obwohl sich jeder Spieler gekonnt verteidigen und somit Militär produzieren muss, ist er nicht gezwungen, aktiv in den Krieg zu ziehen. Um in Civilization Revolution Sieger zu sein, gibt es neben dem Herrschaftssieg nämlich noch drei weitere attraktive Möglichkeiten. Ein Kultursieg wird durch 20 erschaffene große Persönlichkeiten oder bekehrte Städte errungen. Beim Wirtschaftssieg macht man Dagobert Duck alle Ehre und füllt seinen Geldspeicher mit 20.000 Goldmünzen, um einen Technologiesieg zu erringen, muss man als Erster das Space Shuttle nach Alpha Centauri bauen.

Civilization Revolution
Civilization Revolution
Warum das Spiel gelegentlich ruckelt und für das Laden des Technolgiebaums nervig lange braucht, können wir uns nicht erklären. Grafisch ist Civilization Revolution zwar stimmig und durch die Comic-Optik nett anzusehen, aber nicht besonders opulent. Die Animationen der anderen Völker und der Kampfeinheiten sind ebensowenig abschaltbar wie das automatische Umschalten auf die nächste aktive Einheit auf der Karte. Letzteres nervt im späteren Spielablauf mit verwirrenden Kameraschwenks quer um den Globus. Ansonsten hat der Spieler mit dem Xbox-360- und Playstation-3-Gamepad alles gut im Griff. Selbst die Städteverwaltung geht flink von der Hand.

Civilization Revolution ist für Xbox 360 und Playstation 3 erschienen und kostet circa 60 Euro. Je nach Spracheinstellung der Konsole ist das Spiel lokalisiert. Die USK hat eine Alterseinstufung ab sechs Jahren erteilt.

Fazit:
Gelungen - abgespeckt - portiert. Jetzt kann man auch im Wohnzimmer à la Sid Meier die Welt beherrschen. Das Vorhaben, eine neue Zielgruppe mit dem Civ-Virus zu infizieren, wurde mit Civilization Revolution gekonnt umgesetzt. Serienveteranen haben sich zwar schnell sattgesehen, werden aber ebenfalls für 15 Stunden amüsant unterhalten. Technisch ist CivRev nicht über alle Zweifel erhaben, dafür hat sich der Entwickler bei der Steuerung sehr viel Mühe gegeben. Die geht schnell ins Blut über und setzt einen neuen Maßstab für Rundenstrategie an der Konsole.

 (mw)


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