Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0806/60514.html    Veröffentlicht: 19.06.2008 16:27    Kurz-URL: https://glm.io/60514

Kinobetreiber: "Nicht so schnell mit dem Broadcast-Flag!"

US-Kinobetreiber stellen sich gegen Hollywood

Der nationale Verband der US-Kinobetreiber (National Association of Theater Owners, kurz NATO) hat sich im Streit um die Zulassung eines digitalen Broadcast-Flags gegen die Hollywood-Studios gestellt. Die Kinobetreiber sehen ihre Existenz gefährdet.

Anfang Juni hatte der Verband der US-Filmindustrie, die Motion Picture Association of America (MPAA), bei der US-Aufsichtsbehörde für Funk und Fernsehen (Federal Communication Commission, FCC) beantragt, ein digitales Broadcast-Flag namens "wählbare Ausgabekontrolle" ("selectable output control", SOC) einführen zu dürfen. Bei digital übertragenen Fernsehsendungen, die mit SOC markiert sind, würden sich dann digitale Set-Top-Boxen und Videorekorder weigern, eine Aufzeichnung der Sendung zu ermöglichen.

Die von den Hollywood-Studios dominierte MPAA begründete ihren Antrag mit dem Wunsch, in Zukunft aktuelle Kinofilme über Kabelnetze anzubieten, noch bevor diese auf DVD oder Blu-ray-Disc in den Handel kommen. Die MPAA befürchtet jedoch, dass "es ein inakzeptabel großes Risiko darstellen würde, den Kunden zu gestatten, wertvolle, erst kurz zuvor veröffentlichte Filme über ungeschützte Ausgänge anzuschauen." Mit anderen Worten: Die MPAA hat Angst, die Kunden könnten die Filme in hoher Qualität aufzeichnen und unerlaubt weiterverbreiten. Das wäre dem Geschäft mit DVD und Blu-ray-Disc abträglich.

Aus Sicht der Kinobetreiber sind die Pläne der Hollywood-Studios jedoch Existenz bedrohend. Die NATO befürchtet, die Pläne der MPAA könnten, sollten sie in die Praxis umgesetzt werden, zu einem "Zusammenbruch der Auswertungsfenster" führen. Die Kinobetreiber sehen die Gefahr, dass die Verbraucher sich die neuen Filme lieber daheim anschauen würden, als ins Kino zu gehen, sollten die Filme schon kurz nach ihrer Kinopremiere via Kabel verfügbar gemacht werden. Die Kinos würden also aus der Verwertungskette verdrängt.

Das von der MPAA gewünschte Geschäftsmodell "könnte einen verheerenden Effekt für unsere Mitglieder und die Verbraucher haben", schrieb der NATO-Vorsitzende G. Kendrick Macdowell deshalb vorgestern an die FCC. Kendrick bat zugleich um eine Verlängerung der Einspruchsfrist, um den NATO-Mitgliedern eine ausführliche "Diskussion des vorgeschlagenen Modells und seiner Implikationen" zu ermöglichen. Die MPAA hätte sich laut Macdowell "auf eine Anfrage [der NATO] geweigert, mehr Zeit für Diskussionen einzuräumen." In ihrem Antrag an die FCC hatte die MPAA sogar darauf gedrängt, den Zeitraum für Kommentare deutlich zu verkürzen, "damit die Antragsteller... schnell vorwärts kommen".  (rag)


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Links zum Artikel:
NATO - National Association of Theater Owners (.org): http://www.natoonline.org/

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