Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0806/60473.html    Veröffentlicht: 18.06.2008 12:26    Kurz-URL: https://glm.io/60473

Intels Technikchef: Wir wurden vom Eee-PC überrascht

Justin Rattner über Mini-Notebooks und Embedded-Geräte mit Atom-CPU

Als Asus mit einem Mini-Notebook für unter 300 Euro aufwartete, überraschte der taiwanische Hersteller damit nicht nur die Konkurrenz. Auch den Chiphersteller Intel traf der Eee-PC-Erfolg unvorbereitet, gab Intels Technikchef Justin Rattner im Gespräch mit Golem.de zu.

Intel-CTO Justin Rattner
Intel-CTO Justin Rattner
Im Rahmen eines Interviews am Berliner Flughafen Tegel hat Golem.de Intels Chief Technology Officer (CTO) Justin Rattner getroffen. Obwohl es hauptsächlich um Supercomputer ging, kamen auch Low-End-Systeme mit Atom-CPU zur Sprache. Eigentlich ist Intel sonst eher für neue PC-Konzepte bekannt, die gemeinsam mit Partnern auf hauseigenen Entwicklerkonferenzen präsentiert werden. Mit seinem Mini-Notebook Eee-PC hat Asus hingegen im Alleingang eine neue Gerätekategorie aus der Taufe gehoben.

Gegenüber Golem.de bestätigte Intel-CTO Justin Rattner, dass Intel auf den Eee-PC nicht vorbereitet war: "Ja, wir waren überrascht. Wir haben zwar alle die Chance erkannt, aber es war - bei fehlendem Silizium - sehr schwer abzuschätzen, wie heftig die Reaktion ausfallen würde. Wir freuen uns natürlich und fragen uns nun, warum wir das nicht früher gemacht haben. Ich debattiere das ab und an mit Kollegen."

Statt High-End fanden sich im ersten Linux-basierten Eee-PC ein einfacher Celeron-Prozessor, ein mit 7 Zoll winziges LCD und ein Flash-Speicher statt Festplatte, auf ein optisches Laufwerk musste verzichtet werden. Die zweite Eee-PC-Generation mit größerem Display und Windows kommt in Kürze auch in Deutschland auf den Markt, die dritte Generation mit Atom-CPU wurde bereits angekündigt. Aufgrund der hohen Nachfrage muss Asus nun mittlerweile aus China zusätzlich Billigakkus beziehen, da die bisherigen Lieferanten nicht hinterherkommen.

Auch die Konkurrenz schläft nicht, die meisten großen Hersteller sind auf den Eee-PC-Zug aufgesprungen und wollen Asus den Markt für Mini-Notebooks nicht überlassen. Die Geräte taugen schließlich nicht nur für Kinder als leichte Begleiter, sondern auch als Zweitgeräte für diejenigen, die nicht ständig ein normales Notebook mit sich herumschleppen wollen, aber kein Geld für ein teures Subnotebook ausgeben können oder wollen.

Intel hat demnach Asus zwar hinterherentwickeln müssen, ließ jedoch nicht lange mit der Ankündigung der besonders stromsparenden x86-CPU Atom auf sich warten. Den Atom entwickelte allerdings auch Intel nicht über Nacht, bereits 2003/2004 habe Intel untersucht, wie sich die komplette Intel-Architektur aus CPU und Chipsatz in einem Chip unterbringen lasse, der nur 1 Watt verbraucht.

Sobald man davon überzeugt gewesen sei, dass sich das realisieren lasse, bestand die Aufgabe laut Rattner nur noch darin, das Design auf Produktionsstandards zu bringen und damit marktreif zu machen. Noch kann Intel aber nur wenig Atom-CPUs liefern - erst mit diesen Low-End-Prozessoren versprechen die günstigen Mini-Notebooks auch längere Akkulaufzeiten.

Die Entwicklung der neuen hochintegrierten Stromspar-CPU erwähnte Intel bereits 2006 - stellte den Prozessor aber erst im März 2008 offiziell unter dem Namen Atom vor. Passenderweise gemeinsam mit neuen "Netbooks" und "Nettops", wie die Mini-Notebooks und Mini-PCs von Intel klassifiziert werden. Rattner: "Die Stärke von Atom beschränkt sich nicht auf Netbooks oder Nettops, auch wenn es hier offensichtlich ein großes Interesse gibt. Wir erleben auch ein außerordentliches Interesse aus dem Embedded-Bereich. Der Grund dafür ist offenkundig, dass mehr und mehr Embedded-Anwendungen eine sehr stabile Internet-/Webunterstützung als Teil des Gesamtpakets erfordern. Die Kosten für diese Unterstützung sind auf einer Nicht-x86-Architektur, einem Nicht-IA-Gerät sehr hoch. Es kommen plötzlich aus buchstäblich allen Ecken neue Kunden."

Im neuen Eee-PC 900 von Asus findet sich zwar noch keine Atom-CPU, das Gerät muss sich aber dennoch nicht verstecken und macht, nicht nur wegen seines größeren Displays, vieles besser als sein Vorgänger Eee-PC 701. Mehr zum Eee-PC 900 findet sich im Testbericht auf Golem.de.  (ck)


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