Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0806/60452.html    Veröffentlicht: 17.06.2008 20:30    Kurz-URL: https://glm.io/60452

Firefox 3 ist da

Neue Hauptversion des Mozilla-Browsers bringt zahlreiche Verbesserungen

Anderthalb Jahre hat es gedauert, jetzt steht die 3er-Version von Firefox als Download bereit - mit kleiner Verzögerung. Die neue Browserversion hat einen deutlich verbesserten Lesezeichenmanager, über den auch der Browserverlauf verwaltet wird. Das beschert neue Komfortfunktionen, die die Arbeit im Web vereinfachen.

Eigentlich sollte Firefox 3 pünktlich am 17. Juni 2008 ab 19:00 Uhr deutscher Zeit als Download bereitstehen. Serverprobleme machten die Mozilla-Homepage stattdessen für rund eine Stunde unerreichbar. Nun können die Firefoxfans die neue Hauptversion endlich ganz offiziell herunterladen.

Firefox 3
Firefox 3
Die Daten des neuen Lesezeichen- und Verlaufsmanagers Bibliothek (vormals Places) lassen sich nun besser durchsuchen, denn als Basis kommt eine SQLite-Datenbank zum Einsatz. Gibt man einen Suchbegriff in die Adressleiste ein, wird überprüft, ob dieser in den Tags, im Titel oder im Link eines Lesezeichen sowie im Titel oder Link einer besuchten Webseite auftaucht und Firefox unterbreitet entsprechende Vorschläge in Form eines Drop-Down-Menüs. Eine vergleichbare Funktion bietet auch Opera 9.5 zum Aufspüren von Webseiten im Verlauf. Außerdem wurde das Hinzufügen von Lesezeichen vereinfacht: Nun genügt ein Klick auf das Sternsymbol in der Adressleiste und die geöffnete Webseite ist als Lesezeichen gespeichert. Ein nochmaliger Klick auf das Sternsymbol öffnet die Lesezeicheneigenschaften, in denen weitere Einstellungen vorgenommen werden können. Gleich neben dem Stern befindet sich das altbekannte Feed-Icon zum Abonnement von Newsfeeds und neuerdings auch von Audio- und Videofeeds.

Firefox 3
Firefox 3
Den Lesezeichen können über die Eigenschaften Schlüsselwörter hinzugefügt werden, so dass sie anhand dieser Begriffe zu finden und zu verwalten sind. Denn die Lesezeichen lassen sich nach Schlüsselwörtern gruppieren. So können zum Beispiel alle Lesezeichen mit dem Schlüsselwort "news" gesammelt angezeigt werden. Mit dem Update auf Firefox 3.1 ist vorgesehen, diese Schlüsselwörter automatisch einzutragen, so dass dem Anwender weniger Tipparbeit aufgebürdet wird. Als weitere Hilfe zur Verwaltung der Lesezeichen lassen sich Suchanfragen speichern. Das Besondere daran: Die Suche wird ständig aktualisiert, also auch mit neu aufgerufenen Webseiten gefüttert. Speichert man zum Beispiel eine Suche nach dem Begriff "Euro 08", so landen darin alle neu aufgerufenen Webseiten, in denen dieser Begriff vorkommt.

Firefox 3
Firefox 3
Die Lesezeichenverwaltung sowie die Ansicht der gesamten Chronik wurde in einem Dialog zusammengefasst, so dass die Lesezeichen- und Verlaufsfunktionen über eine Oberfläche erreichbar sind. Diese Verschmelzung gilt aber nicht, wenn Chronik und Lesezeichen in der Sidebar von Firefox geöffnet werden. Der Verlauf zeigt generell nun auch Favicons, um sich in den besuchten Webseiten leichter zurechtzufinden. Der Downloadverlauf wurde in Places noch nicht integriert, dies ist erst für Firefox 3.1 geplant.

Beim Beenden von Firefox fragt der Browser neuerdings, ob die geöffneten Browsertabs gespeichert werden sollen und öffnet diese dann beim Browserneustart wieder. Das Scrollen zwischen vielen geöffneten Tabs arbeitet nun flüssiger, was dem Nutzer den Überblick erleichtert. Befindet sich der Mauspfeil in der Tableiste, bewegt man sich durch die Tabs mit dem Dreh am Mausrad, vorausgesetzt, es sind genügend Tabs geöffnet. Außerdem lassen sich Tabs auf Windowsystemen duplizieren, indem diese bei niedergedrückter Strg-Taste mit der Maus verschoben werden. Dabei wird der Verlauf des Tabfenstes beibehalten. Auf anderen Systemen funktioniert das nicht. Auf allen Systemen kann ein Tab hingegen mit der Maus in ein anderes Firefox-Fenster verschoben werden.

Firefox 3
Firefox 3
In Firefox 3 können sich Webseiten selbst als Anwendung für ein bestimmtes Protokoll registrieren. Dadurch lässt sich festlegen, dass ein bestimmter Webmailer beim Klick auf einen "mailto:"-Link gestartet wird. Derzeit wird nur Yahoo Mail unterstützt, andere Webmailer müssen manuell konfiguriert werden. Wie sich Google Mail integrieren lässt, beschreibt ein entsprechender Blog-Artikel. Für die Protokolle webcal, tel sowie fax können ebenfalls Webseiten für den Aufruf zugeordnet werden.

Die Zoomfunktion wurde verbessert und skaliert endlich auch Bilder. Bislang wurde nur der Text auf einer Webseite vergrößert oder verkleinert. Damit zieht Firefox mit Opera gleich, der diese Funktion schon seit langem bietet und auch der Internet Explorer skaliert mittlerweile so. Die Bilderskalierung in Firefox 3 kann auch umgeschaltet werden, so dass wie gehabt nur der Text vergrößert oder verkleinert wird.

Firefox 3
Firefox 3
Der optimierte Downloadmanager kann Downloads pausieren und diese zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen. Außerdem lässt sich der Downloadverlauf nun durchsuchen und bei Bedarf mit einem Klick löschen. Über das Kontextmenü eines Eintrags kann außerdem das Downloadverzeichnis auf dem Rechner geöffnet und die Webseite aufgerufen werden, von der die Datei geladen wurde.



Firefox 3
Firefox 3
Der überarbeitete Kennwortmanager zeigt keine Dialogbox mehr bei der Eingabe neuer Anmeldedaten, sondern eine Informationsleiste im Browser. Darüber kann der Nutzer dann entscheiden, ob die Zugangsdaten für die betreffende Webseite dauerhaft, einmalig oder nicht gespeichert werden. Die Entscheidung über das Speichern von Zugangsdaten erfolgt erst nach der Anmeldung. Dadurch läuft man nicht mehr Gefahr, dass sich der Browser falsche Kennwörter merkt. Zudem stört die Informationsleiste den Arbeitsfluss nicht mehr und verschwindet automatisch, sobald der Nutzer die betreffende Webseite wieder schließt. Als weitere Neuerung lassen sich die gespeicherten Kennwortdaten durchsuchen, was hilfreich ist, wenn viele Kennwörter gespeichert sind.

Die Verwaltung von Erweiterungen (Add-ons), Plug-ins sowie Themes wurde erweitert und vor allem der Bezug von Erweiterungen ist für den Nutzer nun einfacher. Direkt aus der Add-On-Verwaltung heraus erreicht der Anwender eine Übersicht empfohlener Erweiterungen, mit denen der Browser weitere Funktionen erhält. Über den Add-on-Manager verwaltet man nun auch Plug-ins, die übersichtlich gruppiert angeordnet sind und dem Nutzer die Möglichkeit geben, einzelne Plug-ins ein- und auszuschalten oder ganz zu löschen. In allen drei Bereichen des Add-on-Managers können die Nutzer über das Kontextmenü die Homepage einer Erweiterung, eines Themes oder eines Plug-ins bequem öffnen. Für eine verbesserte Sicherheit versprechen die Firefox-Entwickler, dass Plug-ins automatisch deaktiviert werden, wenn ein Sicherheitsleck darin gefunden wurde.

Firefox 3
Firefox 3
Zur Verbesserung der Sicherheit haben die Entwickler eine Seitenidentifaktionsfunktion in Firefox integriert. Der vordere Bereich in der Adressleiste zeigt mittels Farbkodierung, wie vertrauenswürdig eine Webseite ist. Vorerst hilft diese Funktion aber wenig, weil nur wenige Webseiten diese Funktion unterstützen. Der Bereich ist daher derzeit meistens grau hinterlegt, was bedeutet, dass keine Informationen vorliegen. Die Markierung blau signalisiert, dass die Seitenidentifikation teilweise erfüllt ist. Wenn der vordere Bereich des Adressleiste grün hinterlegt ist, liegen alle Identifikationsdaten vor.

Ein Klick auf den Bereich der Seitenidentifikation öffnet ein Fensterchen, über das mit einem weiteren Klick mehr Details zu einer Webseite erscheinen. Darüber zeigt Firefox auch, wie oft eine Webseite bereits besucht wurde. Das soll dem Nutzer ein Gefühl dafür vermitteln, ob er der Webseite vertrauen kann. Zudem zeigt der Dialog, ob die Webseite Cookie-Daten anlegt und ob dafür Anmeldedaten in Firefox gespeichert sind. Auf beide Daten kann der Nutzer von hier aus direkt zugreifen.

Firefox 3
Firefox 3
Mittels White- und Blacklisten wurde in Firefox 3 außerdem ein Schutz vor Schadsoftware integriert, um Angriffe aus dem Internet frühzeitig abzuwehren. Noch vor dem Laden einer Webseite wird eine Warnung ausgegeben, falls sich hinter der Adresse eine Website mit potenzieller Schadsoftware befindet. Damit soll erreicht werden, dass entsprechende Software nicht erst auf den Rechner gelangt. Firefox nutzt dafür die Funktion Safe Browsing von Google. Zudem wurde der Phishingfilter überarbeitet, der bei verdächtigen Webseiten ebenfalls warnt, bevor diese geladen werden. Firefox 2 lädt eine verdächtige Webseite zunächst, bevor es eine Warnung gibt. Die weitere Neuerung in den Sicherheitsfunktionen betrifft die Windows-Ausführung von Firefox, die nun die Kinderschutzfunktionen von Windows Vista unterstützt.

Firefox 3
Firefox 3
Auf allen Plattformen bindet sich Firefox vom Erscheinungsbild her besser in die jeweiligen Betriebssysteme ein. Dazu werden auch verschiedene Sonderfunktionen unterstützt und HTML-Formulare erscheinen unter MacOS X und Linux im passenden Design. Unter MacOS X verwendet Firefox die Cocoa-API statt der auslaufenden Carbon-API und bereitet den Weg zu einer 64-Bit-Version von Firefox für Apples Betriebssystem vor.

Eher unauffällig, aber sehr nützlich ist die neue Funktion, aus verteilten Textpassagen eine zusammenhängende Auswahl zu machen. Bislang ließ sich in Firefox nur ein Textbereich selektieren. Hält der Nutzer bei Firefox 3 hingegen die Strg-Taste gedrückt, kann er zu einer Selektion einen weiteren Textbereich mit der Maus oder der Tastatur auswählen und hinzufügen, um diesen Bereich in einem Stück in die Zwischenablage abzulegen und weiter zu bearbeiten.

Firefox 3
Firefox 3
Bei der Darstellung von HTML und CSS hat sich bei Firefox mit der Version 3 auf den ersten Blick und gerade im Vergleich zu den Aktivitäten von Opera und Webkit nicht viel getan. Firefox 3 bleibt mit der neuen Rendering-Engine Gecko 1.9 auf dem hohen Niveau des Vorgängers. Der Internet Explorer stellt für Firefox zumindest im Bereich der Webtechnologien keine Konkurrenz dar. Zu weit abgeschlagen ist selbst die Betaversion des kommenden Internet Explorer 8.

Nimmt man den Selektor-Test von css3.info als Grundlage, hat sich bei Firefox zwar weniger als bei der Konkurrenz getan, aber die Unterschiede zum Vorgänger sind doch beachtlich. Firefox 3 unterstützt nun 36 von 43 Selektoren. Die restlichen Selektoren wurden noch ausreichend genug umgesetzt. Allerdings ist CSS3 noch weit von einer Verabschiedung als Standard entfernt, so dass sich das Team von Firefox Zeit lassen kann. Firefox 2 unterstützt nur 26 Selektoren vollständig. Zehn weitere wurden als fehlerhaft eingestuft. Bei den Einzelergebnissen legt Firefox 3 von 357 auf 373 bestandene Einzeltests zu. Insgesamt besteht der CSS3-Test aus 578 Einzeldisziplinen.

Zu den Verbesserungen gehören auch Teile der CSS-2.0- und 2.1-Spezifikation. So soll Firefox jetzt korrekt mit den Werten inline-table beziehungsweise inline-block der Eigenschaft Display umgehen. Wer sich für die CSS-Verbesserungen im Detail interessiert, sollte sich die Seiten CSS Improvements in Firefox 3 und New CSS features genauer ansehen. Mit der kommenden Version 3.1 von Firefox soll die Unterstützung von Webstandards weiter ausgebaut werden.

Firefox 3
Firefox 3
An dem Wettrennen rund um den Acid3-Test wollte und konnte die Mozilla-Gemeinde nicht teilnehmen. Nicht zuletzt, weil der Entwicklungszweig für Firefox 3 schon vor der Fertigstellung des Acid3-Tests erstellt wurde. Die Entwickler legten mehr Wert auf andere Qualitäten des Browsers.

Dennoch braucht sich Firefox 3 vor der Browserkonkurrenz nicht zu verstecken. So schafft es Firefox 3 jetzt bis zur 71er-Marke, bevor der Acid3-Test stoppt. Firefox 2 erreichte nur 52 Punkte der maximal erreichbaren 100 Punkte des Acid3-Tests, der selbst noch aus zahlreichen kleineren Tests besteht, die durch den Punktestand nur bedingt repräsentiert werden. Safari erreicht derzeit 75 Punkte und Opera 9.5 liegt mit 83 Punkten in Führung. Die bezogen auf den Acid3-Test beste Version des Internet Explorers (IE5.5) erreicht 14 Punkte.

Firefox 3
Firefox 3
Zu den weiteren Neuerungen gehört der Einsatz von Offline-Webapplikationen gemäß der WHATWG-Spezifikation 1.0, so dass Entwickler Angebote bereitstellen können, die in Firefox 3 auch ohne aktive Internetverbindung funktionieren. Dazu werden alle relevanten Daten auf dem lokalen Rechner zwischengespeichert, bis der Nutzer wieder mit dem Internet verbunden ist, um die Daten dann an die Webapplikation zu übertragen. Mit Firefox 3.1 soll dann auch XHR (Cross-Site XMLHttpRequests) unterstützt werden, um HTTP-Anfragen an andere Webserver leiten zu können, was aus Sicherheitsgründen noch nicht möglich ist.

Auch das Textrendering wurde verbessert, so dass Webseiten ansprechender als bei Firefox 2 aussehen. Zudem unterstützt Firefox 3 nun Farbprofile, um Grafiken und Bilder in natürlicheren Farben darzustellen. In der Adressleiste verarbeitet der Browser auch URLs im UTF-8-Format. Besonders stolz sind die Firefox-Macher darauf, dass die neue Version wesentlich sparsamer im Speicherverbrauch geworden ist und insgesamt eine höhere Geschwindigkeit bringt.

Firefox 3 steht ab sofort unter anderem in deutscher Sprache für Windows, Linux und MacOS X zum Download bereit. Mit der Verfügbarkeit von Firefox 3 haben die Macher einen sogenannten Download Day ausgerufen. Innerhalb von 24 Stunden nach dem Erscheinen der neuen Browserversion soll ein neuer Downloadrekord aufgestellt und der Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft werden. Den aktuellen Stand gibt es unter downloadcounter.sj.mozilla.com. Das große Interesse an Firefox 3 - auch durch den Download Day kann dafür sorgen, dass der Download in den ersten Stunden noch langsam ist oder aber kurzzeitig nicht funktioniert. [von Ingo Pakalski und Andreas Sebayang]

 (ip)


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Mozilla - Firefox (.com): http://www.mozilla.com/firefox/
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