Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0806/60336.html    Veröffentlicht: 12.06.2008 12:18    Kurz-URL: https://glm.io/60336

60 Minuten: Metal Gear Solid 4

Die ersten Meter mit Solid Snake geschlichen

Alt und schön: Das erste Metal Gear Solid für die Playstation 3 ist da und schickt die Hauptfigur Solid Snake als rüstigen, aber grafisch spektakulär in Szene gesetzten 3D-Senioren in eine Mission zur Rettung von - was eigentlich? Golem.de hat sich in der Verkaufsversion für eine Stunde auf den Kampf mit Robotern, Soldaten und den eigenen Genen eingelassen.

Metal Gear Solid 4 (Playstation 3): 2 Blu-ray-Disc, Handbuch 60 Seiten.
Metal Gear Solid 4 (Playstation 3): 2 Blu-ray-Disc, Handbuch 60 Seiten.
Gut dreieinhalb Zigaretten schafft Old Snake. Der grauhaarige Elitekämpfer ist kettenrauchend in Großaufnahme während der rund acht Minuten zu sehen, in denen sich Metal Gear Solid 4 auf der Playstation 3 installiert. Erst dann startet der jüngste Streich des inzwischen legendären Spieldesigners Hideo Kojima. Und zwar ganz anders als erwartet: Statt Spiel oder Intro läuft erst mal eine richtige Filmaufnahme, in der sich ein gewisser David Hayter - mit Hightech-Augenklappe - in einer Art futuristischer Talkshow über seine Träume und Ziele im Leben ausfragen lässt. Hier offenbart sich gleich das Spiel mit echter Wirklichkeit, Spielewelt und doppelten Böden, für das die Serie bekannt ist. Denn Hayter ist der Schauspieler, der Solid Snake schon länger seine tiefe, raue Stimme leiht. Auch hierzulande erscheint Metal Gear Solid 4 nur mit der Sprachausgabe der US-Version, auf Wunsch allerdings mit gut übersetzten deutschen Untertiteln.

Nach dem mysteriösen, gut drei Minuten langen Video geht es so los, wie wir das eigentlich erwartet haben: mit einem langen, aufwendigen Intro. Solid wird verkleidet als Rebell auf der Pritsche eines Lastwagens durch den Nahen Osten gekarrt. Bald kommt es zur Konfrontation, und modern bewaffnete und gut ausgerüstete Soldaten liefern sich mit mutmaßlichen Umstürzlern einen heißen Häuserkampf. Mittendrin: Solid Snake, der aber die Ruhe bewahrt und sich im Getümmel erst mal seiner Kippe entledigt. Anfangs dürfen wir ihn nur in kurzen interaktiven Sequenzen steuern, etwa indem wir ihn zwischendurch mal ein paar Meter über den staubigen Boden krabbeln lassen, dann geht das Introvideo weiter.

Metal Gear Solid 4
Metal Gear Solid 4
Wenig später eskaliert die Situation: Gewaltige, zweibeinige Irving-Kampfroboter springen mitten ins Geschehen, reißen Mauern nieder und feuern aus allen Rohren auf die Kombattanten. Nur mit etwas Geschick kann Snake in einer weiteren, wieder recht kurzen interaktiven Spielesequenz entkommen. Dann geht das Video weiter - bis wir endlich das erste Savegame anlegen können.

Metal Gear Solid 4
Metal Gear Solid 4
Das nächste Video startet, diesmal befindet sich Solid Snake drei Tage vor dem nahöstlichen Ausflug auf einem Friedhof, wie ihn nur japanische Spieldesigner entwerfen: graue Farben, viel Ruhe, ein Meer von Blumen und ganz viel Melancholie. Dazwischen der Held, der Andeutungen über eine (echte) Alterungskrankheit namens Werner-Syndrom macht und erfährt, dass sein genetischer Bruder Liquid Snake, Gegner aus früheren Serienteilen, im Nahen Osten weilt. Und schon folgt das nächste, diesmal extrem mysteriöse Video - aber da verraten wir nicht, was zu sehen ist.

Metal Gear Solid 4
Metal Gear Solid 4
Nach gut einer halben Stunde beginnt dann endlich die erste richtige Mission mit dem Titel "Liquid Sun". Wir befinden uns in einer zerstörten Siedlung und müssen uns im Auftrag des alten Kumpels O. zu einem bestimmten Ort ein paar Meter weiter fortbewegen. Aber zuerst probieren wir mal unsere Chamäleon-Uniform aus: Sobald sich Snake an eine Wand lehnt oder auf den Boden legt, passt sich sein Anzug in wenigen Augenblicken dem Hinter- oder Untergrund an. Das Ganze ist schick animiert und funktioniert prächtig, allerdings sieht es teilweise ganz schön schräg aus, wenn sich Snake etwa an eine Tapete mit Karomustern anlehnt und anschließend wie ein französisches Designer-Handtäschchen rüberkommt. Egal - auf die Tarnung kommt es an. Wie gut Snake für Feinde sichtbar ist, zeigt im rechten oberen Bildschirmeck eine Prozentzahl an. Wenn wir etwa auf dem Boden und im Schatten liegen, uns nicht bewegen und an den Untergrund angepasst haben, klettert der Wert bis auf 85 Prozent und ein Gegner muss schon sehr aufmerksam sein und neben uns stehen, um uns zu bemerken. Sobald wir uns bewegen, fällt der Wert aber schnell auf eine Zahl um die 50.

Metal Gear Solid 4
Metal Gear Solid 4
In der heruntergekommenen Siedlung zeigt kurz nach Missionsstart eine Zwischensequenz an, wie ein Panzer mit feindlichen Einheiten eintrifft. Also ab auf den Boden, und dann robben wir uns an den Soldaten heran. Und weil wir mutig sind, nehmen wir gleich einen ins Visier mit unserer MP und schalten ihn aus - was keine gute Idee ist. Sofort wechseln alle Gegner in den Alarmmodus, Verstärkung trifft ein. Die Opponenten stürmen allerdings nicht direkt in unsere Richtung, denn ganz genau wissen sie nicht, wo wir stecken. Stattdessen gehen sie einigermaßen geschickt in der Nähe in Deckung und suchen vorsichtig die Umgebung ab. Ein paar weitere Feinde schalten wir noch aus, dann wird uns das Ganze zu nervenaufreibend, und wir warten ab, bis sich die höchste Alarmstufe über mehrere Zwischenstufen allmählich wieder ausschaltet.

Metal Gear Solid 4
Metal Gear Solid 4
Langsam folgen wir dann der Markierung auf der Karte zum Ziel. Der Einfachheit halber robben wir die gesamte Zeit und kommen gut voran. Der erste Level ist nicht sonderlich schwierig, weil die Soldaten so geskriptet sind, dass sie sich zuverlässig kurz nach unserem Auftauchen auf einen anderen Wachposten begeben oder Patrouille in einer anderen Straße gehen. Außerdem gibt es immer wieder mal enge Schächte, durch die Snake ganz ohne Risiko gelangt. Wenig später ist dann das Ziel erreicht, und das bietet durchaus eine nette Überraschung - aber das behalten wir ebenfalls für uns.

Metal Gear Solid 4
Metal Gear Solid 4
Grafisch macht Metal Gear Solid 4 bis zu diesem Augenblick eine sehr gute Figur. Der Level wirkt zwar etwas farbarm, aber das passt gut zum Szenario. Beeindruckend ist dafür der Detailgrad von Charakteren, Waffen und Gegenständen im Level - allein schon das Haar von Snake dürfte einiges an Animationsschweiß gekostet haben. Nicht ganz optimal gelöst finden wir das umfangreiche Menü, in dem die Waffen verwaltet werden. Mag sein, dass wir uns rasch daran gewöhnen, aber der Austausch eines Messers durch eine MP kommt uns übertrieben kompliziert vor. Trotzdem sind wir gespannt, welche Abenteuer uns als Snake noch erwarten.

In der Rubrik "60 Minuten" nehmen wir aktuelle Titel direkt nach der Veröffentlichung in der offiziellen Verkaufsversion für eine Stunde unter die Lupe - Auspacken und Installieren nicht eingerechnet. Einen Test kann dieser erste Eindruck nicht ersetzen, er gibt aber Aufschluss darüber, was die Spieler nach dem Start erwartet.

 (ps)


Verwandte Artikel:
Metal Gear Solid 4 kommt auch im PS3-Bundle   
(06.05.2008, https://glm.io/59509 )
Interview: Nintendo hat Branche einen Bärendienst erwiesen   
(27.05.2008, https://glm.io/59895 )
Grand Theft Auto 4 im Paket mit der PlayStation 3 (Update)   
(23.04.2008, https://glm.io/59234 )
Metal Gear Survive im Test: Himmelfahrtskommando ohne Solid Snake   
(23.02.2018, https://glm.io/132956 )
Konami: Metal Gear Survive und Bildraten für Überlebenskünstler   
(19.02.2018, https://glm.io/132845 )

Links zum Artikel:
Konami (.com): http://www.konami-europe.com
Metal Gear Solid (.com): http://www.metalgearsolid.com

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/