Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0806/60309.html    Veröffentlicht: 11.06.2008 10:40    Kurz-URL: https://glm.io/60309

Hollywood will digitales "Broadcast-Flag" durchsetzen

Filme sollen schneller via Kabel und Satellit vermarktet werden

Der Verband der US-Filmindustrie, die Motion Picture Association of America (MPAA), hat einen neuen Anlauf unternommen, das sogenannte "Broadcast-Flag" durchzusetzen, das die Aufnahme von Fernsehsendungen mittels Videorekordern verhindert.

In der vergangenen Woche haben die großen Hollywoodstudios über ihren Verband MPAA eine Petition bei der US-Aufsichtsbehörde für Funk und Fernsehen (Federal Communication Commission, FCC) eingereicht. Darin beantragen sie eine Aufhebung des Verbots der Einführung eines Broadcast-Flags für digital übertragene Fernsehsendungen: "Konkret wünscht sich die MPAA, dass die Kommission ihr Verbot der Nutzung einer wählbaren Ausgabekontrolle für Set-Top-Boxen aufhebt, um eine Partnerschaft zwischen den Unterzeichnern und Mehrkanal-Videoanbietern zu ermöglichen, in deren Rahmen kopiergeschützte, hochauflösende Spielfilme direkt Verbrauchern angeboten werden können, noch bevor die Filme auf Medien in den Handel kommen."

In den Augen der MPAA "wird das neue Angebot den Verbrauchern nützen, weil sie aktuelle Filme früher und in besserer Qualität zu Hause sehen können werden". Außerdem "würde der Umstieg auf die digitale Technik unterstützt, indem Anreize dafür geschaffen werden, neue HD-Fernseher zu kaufen."

Hinter der "wählbaren Ausgabekontrolle" ("selectable output control", SOC) verbirgt sich eine Art digitales Broadcast-Flag. Es handelt sich um ein Signal, das zusammen mit dem Film übertragen wird, und das das Empfangsgerät dazu veranlasst, Videoausgänge, über die der Film an ein (digitales) Aufzeichnungsgerät übertragen werden könnte, abzuschalten. Nur Fernsehgeräte und Projektoren, die über eine kopiergeschützte HDMI-Verbindung verfügen, würden ein Bildsignal erhalten.

Der Grund für den Wunsch der Hollywoodstudios: "Die MPAA stellt die Behauptung auf, dass es ein inakzeptabel großes Risiko darstellen würde, den Kunden zu gestatten, wertvolle, erst kurz zuvor veröffentlichte Filme über ungeschützte Ausgänge anzuschauen." Sollte die FCC der MPAA ihren Wunsch nach einem digitalen Broadcast-Flag abschlagen, werde das neue Filmangebot nicht eingerichtet, macht die MPAA klar. [von Robert A. Gehring]  (ji)


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