Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0805/60082.html    Veröffentlicht: 30.05.2008 12:32    Kurz-URL: https://glm.io/60082

Glide OS - ein Desktop auf allen Geräten

Arbeiten mit verschiedenen Betriebssystemen und mobilen Geräten

Im Rahmen der Konferenz All Things Digital (D6) hat Transmedia mit Glide OS 3.0 seinen Versuch vorgestellt, auf vielen Plattformen eine einheitliche Umgebung zur Verfügung zu stellen. So soll der Anwender seine Dateien direkt im Glide OS ablegen und damit auf verschiedenen Betriebssystemen und mobilen Geräten nutzen können. Der Umgang mit Glide OS gestaltet sich jedoch schwierig.

GlideOS
GlideOS
Transmedias Glide OS 3.0 soll Schluss machen mit den unterschiedlichen Desktops. Gerade Anwender, die mit mehreren Betriebssystemen arbeiten und mobil im Internet unterwegs sind, sollen mit Glide OS eine einheitliche Plattform bekommen. Dazu soll Glide OS 75 mobile Geräte unterstützen und unter Linux, MacOS X, Windows und Solaris lauffähig sein. Außerdem können auch mehrere Nutzer Glide OS nutzen. Eine Kombination aus C++-, HTML-, DHTML-, AJAX- und Flash-Anwendungen ist die Grundlage für das plattformunabhängige Arbeiten.

Um Dateien überhaupt in den Glide-OS-Desktop zu bekommen, müssen diese zunächst synchronisiert werden. Im kostenlosen Zugang stehen dafür bis zu 5 GByte zur Verfügung. Wer mehr Speicherplatz braucht, muss sich für ein Abonnement entscheiden. Dies kostet jährlich rund 50 US-Dollar und bietet 15 GByte Speicherplatz sowie die Möglichkeit, 24 Nutzer anzulegen.

Glide OS
Glide OS
Für die Synchronisierung kann entweder der Browser benutzt werden oder es wird im Betriebssystem eine eigene Anwendung installiert, die das übernimmt. Mehr als 250 Dateiformate soll Glide OS unterstützen und entsprechende Vorschauen anbieten. Der Nutzer von Glide OS muss sich jedoch auf einige Wartezeit einstellen. Die Dateien sind in der Regel sofort verfügbar. Im Hintergrund werden etwa Videos erst konvertiert, damit diese auf dem Glide OS-Desktop abspielbar sind.

In einem kurzen Test funktionierte die Maus mit der Windows-Anwendung Glide nur, wenn die Anwendung nach der Eingabe der Nutzerdaten neu gestartet wurde. Den Versuch, Dateien via Drag & Drop in das Synchronisationsprogramm zu verschieben, quittierte die Anwendung wiederholt mit einem Absturz.

Für die Nutzung von Glide OS muss sich der Nutzer noch an weitere Eigenarten gewöhnen. So gibt es etwa zum Teil keine Kontextmenüs oder Drag & Drop auf dem Desktop und der Zurück-Knopf des Browsers sollte lieber nicht genutzt werden.

GlideOS
GlideOS
Aufgrund der recht inkonsistenten Bedienung macht der Umgang mit dem sogenannten Glide OS schon am Anfang kaum Spaß. Dazu hapert es an zu vielen Stellen: Wenn der Nutzer etwa per Kontextmenü einen Text kopieren möchte, empfiehlt die Writer-Applikation dem Anwender, lieber die Tastenkombination STRG+C zu benutzen. Dies gilt für Firefox, Apples Safari hat hingegen keine Probleme mit dem Kontextmenü.

GlideOS
GlideOS
In einigen Fällen öffnet das Kontextmenü von Glide OS zudem ein spezielles Fenster, in welchem dann das Kontextmenü des darunterliegenden Browsers funktioniert. Auch die gewählte Fenstergröße kann darüber entscheiden, ob ein Teil des Glide-OS-Desktops überhaupt vollständig funktioniert. Mit ein wenig Pech verstecken sich Elemente des sogenannten Webbetriebssystems außerhalb des Fensters.

Am Ende hat der Anwender eine Mischung aus nativen Anwendungen, Browserfenstern mit Flash, DHTML und AJAX sowie ein Synchronisationsprogramm auf seinem Desktop.

Ohne Umdenken ist Glide OS kaum nutzbar. Es handelt sich schlicht um eine neue Oberfläche mit betriebssystemartigem Verhalten. Anders als der Name des Produkts suggeriert, bleibt der Windows-PC oder das Betriebssystem des iPhone trotzdem unterhalb von Glide OS äußerst aktiv und notwendig. Auch wer mit mehreren Betriebsystemen und Geräten hantiert und den Wechsel zwischen verschiedenen Bedienkonzepten gewöhnt ist, dürfte mit Glide OS so seine Schwierigkeiten haben, da selbst innerhalb von Glide OS kein einheitliches Konzept erkennbar ist.  (ase)


Verwandte Artikel:
Dragonfly: Erste Alpha von Operas Webentwicklertools   
(07.05.2008, https://glm.io/59525 )
Google öffnet sein Visualisierungs-API   
(30.05.2008, https://glm.io/60076 )
SDSL-Internet-Standleitung ab 99,- DM   
(22.05.2000, https://glm.io/7805 )
Facebook-API wird angeblich Open Source   
(28.05.2008, https://glm.io/60013 )
BrowserPlus - Yahoo verschmilzt Web und Desktop   
(28.05.2008, https://glm.io/60012 )

Links zum Artikel:
GlideOS (.com): http://www.glideos.com/

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/