Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0805/60058.html    Veröffentlicht: 29.05.2008 17:05    Kurz-URL: https://glm.io/60058

Telekom-Skandal: Büro von René Obermann durchsucht

Ermittlungen gegen Zumwinkel und Ricke

Bei einer Durchsuchung in der Zentrale der Deutschen Telekom in Bonn hat die Staatsanwaltschaft auch das Büro von Konzernchef René Obermann unter die Lupe genommen. Das berichtet die Rheinische Post unter Berufung auf einen Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft. "Insgesamt sind deutschlandweit 80 Beamte des BKA und der Polizei im Einsatz", sagte der Sprecher der Zeitung.

Alle Büros sind zugänglich gemacht worden. Im Auftrag des Unternehmens sollen Journalisten und Aufsichtsräte ausgespäht worden sein. Nach Informationen der Zeitung wird auch gegen den Geschäftsführer des Berliner Recherchedienstes Network Deutschland, Ralph Kühn, ermittelt, der für die Telekom die illegal beschafften Verbindungsdaten ausgewertet haben soll.

Zugleich hat die Bonner Staatsanwaltschaft Verfahren gegen acht Beschuldigte eingeleitet, darunter auch gegen den früheren Vorstandschef Kai-Uwe Ricke und den Ex-Aufsichtsratsboss Klaus Zumwinkel. Der Vorwurf lautet auf Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses sowie des Datenschutzgesetzes, so die Süddeutsche Zeitung. Gegen Zumwinkel wird bereits seit Februar 2008 von der Bochumer Staatsanwaltschaft wegen Verdacht auf Steuerhinterziehung ermittelt.

Ricke sagte dem Blatt, er habe von den illegalen Aktionen nichts gewusst. "Ich habe zu keinem Zeitpunkt einen Abgleich von Telefondaten in Auftrag gegeben." Ihm seien auch zu keinem Zeitpunkt Ergebnisse einer solchen Aktion mitgeteilt worden.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat die Einleitung des Ermittlungsverfahrens begrüßt. "Es ist gut und richtig, dass die Staatsanwälte den Vorwürfen auf den Grund gehen, die Telekom habe die Verbindungsdaten von Journalisten ausspioniert", erklärte der DJV-Vorsitzende Michael Konken. Es komme darauf an, dass die Vorgänge in vollem Umfang aufgeklärt würden.  (asa)


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