Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0805/60046.html    Veröffentlicht: 29.05.2008 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/60046

VIAs "Isaiah" heißt jetzt "Nano" und taktet bis 1,8 GHz

Marktstart für neue Stromspar-CPU aus Taiwan

Gleich mit fünf Modellen von 1,0 bis 1,8 GHz startet VIA mit seinem bisher unter dem Codenamen "Isaiah" bekannten neuen Prozessor. Die Single-Core-CPU ist 64-bit-fähig und soll für günstige Desktops und Notebooks besonders stromsparend sein.

Der Nano-Prozessor, dessen Name eine offene Anspielung auf Intels Atom-CPU ist, wird von VIA bereits seit 2004 entwickelt und sollte ursprünglich in der ersten Hälfte des Jahres 2006 auf den Markt kommen. Ziel war stets die doppelte Rechenleistung pro Takt im Vergleich zum bisher aktuellen Design C7, das derzeit vor allem in Mini-Notebooks zum Einsatz kommt. Der Nano ist der erste VIA-Prozessor, der nicht mehr mit einem "C" für das 1999 von VIA eingekaufte Designteam von Centaur versehen ist. CPU-Veteran Glenn Henry, Centaur-Gründer, steckt aber auch hinter dem neuen VIA Nano.

Blockdiagramm VIA Nano
Blockdiagramm VIA Nano
Während VIA die grundlegende Architektur bereits im Januar 2008 vorgestellt hatte, gibt das Unternehmen nun kurz vor dem Start der taiwanischen Messe Computex die letzten Details sowie die bisher geplanten Modelle bekannt. Wie bereits berichtet, ist der Nano ein Out-of-Order-Prozessor mit 64-Bit-Registern und somit kompatibel zu AMD64 und Intel64. Als wesentliche Besonderheit gegenüber anderen x86-Designs bietet er eine "Padlock Engine" genannte Verschlüsselungseinheit, die nach AES arbeitet, sowie einen Zufallszahlengenerator. Das Padlock soll mit den Algorithmen SHA-1 und SHA-256 bis zu 5 Gigabit pro Sekunde verschlüsseln können.

Chipgehäuse von 21 mm Kantenlänge
Chipgehäuse von 21 mm Kantenlänge
Gefertigt wird der Nano bei TSMC in einem von Fujitsu entwickelten Prozess mit 65 Nanometern Strukturbreite. Sein Die ist mit 63,3 Quadratmillimetern für eine x86-CPU recht klein, aber im Vergleich mit dem In-Order-Prozessor Atom von Intel mit seinen 25 Quadratmillimetern immer noch riesig. Der Atom wird jedoch schon in 45 Nanometern Strukturbreite hergestellt und ist zudem sehr viel einfacher gestrickt.

Mehr Rechenleistung pro Watt als Celeron
Mehr Rechenleistung pro Watt als Celeron
Welcher der beiden in der Praxis schneller ist, müssen erst Benchmarks an real existierenden Produkten zeigen. Mit derzeit minimal 5 Watt ist der Nano aber deutlich stromhungriger als der maximal 2,4 Watt aufnehmende Atom. Sein Gebiet dürfen vorerst also Desktops und vollwertige Notebooks bleiben. Hier passt er in bestehende Designs, da er pinkompatibel zum C7 ist.

Doppelt so schnell wie der C7
Doppelt so schnell wie der C7
Zumindest laut eigenen Benchmarks von VIA ist der Nano knapp doppelt so schnell wie sein Vorgänger C7. VIA verwendet dafür aber eher selten eingesetzte Tests wie den OfficeBench 2007 und den PC WorldBench 6, immerhin anwendungsnahe Benchmarks. Vor allem beim Umgang mit digitalen Medien ist der Nano viel fixer als der C7 bei gleichem Takt. Hier spielt die CPU ihre neue Gleitkommaeinheit aus.

In derzeit fünf Varianten bietet VIA den Nano an. Sie sind - wie bei Intels Namensschema - in die Serien "L" für "Low Voltage" und "U" für "Ultra Low Voltage" unterteilt. Zwar gibt VIA bisher die Spannungen der Prozessoren nicht an, die typische Leistungsaufnahme (TDP) reicht jedoch von 5 Watt bei 1,0 GHz bis zu ganzen 25 Watt bei 1,8 GHz. Das spricht für einen recht weiten Spannungsbereich. Bis zu 1,6 GHz soll der Prozessor, wenn er gerade nichts zu tun hat, eine "Idle Power" von nur 0,1 Watt erreichen. Das würde bei entsprechend optimierten Prozessortreibern für das Betriebssystem bei mobilen Geräten eine lange Akkulaufzeit versprechen.



Bei Taktfrequenzen oberhalb von 1,5 GHz liegt der Nano aber schon bei 17 Watt TDP, in der Spitze sind es bei 1,8 GHz sogar 25 Watt. In diesen Regionen spielen aber auch schon Intels Core-2-Duo-Prozessoren mit, die deutlich mehr Rechenleistung bieten. VIA scheut in seinen Whitepapers zum Nano auch den Vergleich mit diesen Oberklasseprozessoren und lässt seine neue CPU nur gegen den eigenen C7 und Intels Celeron-M antreten. Ob man mit dieser Einschätzung aber PC-Spiele wie Crysis spielen kann, wie VIAs Pressemitteilung zum Nano verspricht, darf bezweifelt werden.

VIA will die fünf Nano-Modelle ab sofort ausliefern und rechnet damit, dass erste PCs damit im dritten Quartal 2008 auf den Markt kommen. Angaben zu den 1.000er-Preisen der Prozessoren wie AMD und Intel macht VIA nicht.  (nie)


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