Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0805/59823.html    Veröffentlicht: 20.05.2008 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/59823

Google-Gründer warnen vor sozialen Netzwerken

Privatsphäre der Nutzer bedroht

Die Google-Gründer Sergei Brin und Larry Page haben bei einer Konferenz in Großbritannien gewarnt, von sozialen Netzwerken gingen Gefahren für den Datenschutz aus.

Angesichts der weltweiten Kritik an Googles Praxis im Umgang mit sensiblen Daten gehen die Unternehmensgründer zum Angriff über. Auf einer Konferenz in Hertfordshire warnten Sergei Brin und Larry Page gestern laut Financial Times vor dem "aggressiven" Vorgehen der Betreiber sozialer Netzwerke, die sich einen Teil vom großen Werbemarkt sichern wollen. Sergei Brin warnte ausdrücklich vor den Langzeitfolgen des überaus offenen Umgangs mit persönlichen Informationen, wie er bei sozialen Netzwerken an der Tagesordnung ist. Fotos betrunkener Jugendlicher würden beispielsweise "Tage oder sogar noch Jahre später wieder auftauchen und Unheil anrichten", erklärte Brin das Problem.

Im Hinblick auf die Verwertung von Daten zu Such- und Surfgewohnheiten lenkte Brin die Aufmerksamkeit von Google weg: "Einige Unternehmen verfolgen aggressiv eine sehr kommerzielle Ausrichtung und das in einer beängstigenden Art und Weise. Dadurch wird die ganze Industrie in Mitleidenschaft gezogen." Google selbst sei gezwungen, im Interesse der Nutzer zu handeln: "Wir haben eine bei den Verbrauchern sehr bekannte Marke. Wir sind darauf angewiesen, dass Sie uns vertrauen. Andernfalls können wir kein Geschäft machen."

Google selbst speichert die IP-Adressen zu Suchanfragen und die mit Hilfe von Cookies gesammelten Informationen anderthalb Jahre lang. Nach Ablauf der Frist werden die Daten anonymisiert. Ursprünglich hatte Google für die Cookies eine Speicherfrist bis 2038 vorgesehen. Auf Druck von Datenschützern wurde die Speicherfrist Mitte des vergangenen Jahres dann auf anderthalb Jahre verkürzt.

Für die immer noch sehr lange Speicherdauer nicht anonymisierter Daten ist der Suchmaschinengigant besonders in Europa scharf kritisiert worden. Die "Artikel-29-Datenschutz-Arbeitsgruppe" der Europäischen Union kam in einem Anfang April veröffentlichten Bericht zum Datenschutz bei Suchmaschinen zu dem Schluss, es gebe in der EU "keine Basis für eine Speicherung über sechs Monate hinaus". [von Robert A. Gehring]  (ji)


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