Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0805/59692.html    Veröffentlicht: 15.05.2008 14:04    Kurz-URL: https://glm.io/59692

Spieletest: Legend - Angriff der abenteuerlichen Ladebalken

Unkompliziertes Browsergame auf Basis des PC-Rollenspiels

Das erste Browsergame auf Basis eines PC-Spiels - damit wirbt Legend Online. Anmeldung und ein paar erste Abenteuer sind noch kostenlos, aber rasch stoßen Mozilla- und Explorer-Ritter ohne den Einsatz von echtem Geld an spielerische Grenzen. Golem.de testet erstmals eines der Spiele, die einige Insider als Zukunft der Spielebranche ausgemacht haben.

Legend
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Rasch einen Namen ausgedacht, die E-Mail-Adresse hinterlegt und ein Passwort eingegeben - schon hat sich der Spieler für das Browsergame Legend angemeldet. Der Titel greift den Namen und einige Stilelemente des PC-Fantasy-Rollenspiels Legend - Hand of God auf. Betrieben wird die Online-Version von der Karlsruher Firma Gameforge, die mit einer Reihe ähnlicher Angebote zu den Größen des florierenden Browsergame-Marktes gehört.

Legend
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In Legend können Spieler vor allem drei Dinge tun. Erstens: Gold verdienen - etwa durch Quests. Zweitens: Gold ausgeben - beispielsweise, indem die Online-Helden sich einen neuen Säbel oder ein dickeres Wams zulegen. Drittens: Andere Spieler überfallen - um so an Gold sowie an Erfahrungspunkte zu kommen. Wer nun als erfahrener Zocker in seinem Browserfenster frohgemut auf "Abenteuer" klickt und eine spannende Quest erwartet, erlebt eine kleine Überraschung. Denn die Beschreibung der Aufgabe klingt durchaus spannend - "Schwertlieferung" oder "Ein versiegelter Umschlag" heißt es da. Wer die Mission dann annimmt, bekommt allerdings nur einen Ladebalken mit Countdown zu sehen, der langsam zehn Minuten oder mehr herunterzählt. Mehr passiert nicht - es gibt keine echten Kämpfe, keine Abenteuer, keine Höhlenerforschung. Das ganze Abenteuer erschöpft sich darin, einem dicken blauen Balken dabei zuzusehen, wie er sich füllt.

Legend
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Ähnlich verlaufen die Gefechte mit von Menschen "gesteuerten" Gegnern. Entweder greift der Spieler einen beliebigen, per Zufallsgenerator ausgesuchten, Opponenten an oder er gibt den Namen eines Bekannten ein. Wenige Augenblicke später steht das Ergebnis fest, ausgewürfelt vom System. Wer überfallen wird, bekommt eine E-Mail über Sieg oder Niederlage an seine Mailbox geschickt. Solcherart erworbene Goldmünzen lassen sich dann beim Händler in bessere Ausrüstung investieren.

Legend
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Spätestens beim Händler kommt dann das Element ins Spiel, für welches Gameforge sein Legend betreibt: Ohne sogenannte Blutsteine läuft nämlich wenig, von niedrigststufigen Gegenständen einmal abgesehen. Die mehr oder weniger einzige Möglichkeit, seinen rasch verbrauchten Anfangsbestand aufzustocken, liegt im Erwerb - gegen echte Euro, versteht sich. Beeindruckend: Das Menü mit den Bezahlmöglichkeiten. Zehn Varianten existieren, von PayPal über Kreditkarte bis hin zu exotischen Systemen wie der Wallie-Card - hier locken die wahren Abenteuer von Legend. Für 9,99 Euro bekommen Spieler 125 Blutsteine.

Grafisch bietet der Titel nur ein paar hübsch gepixelte Bilder ohne auffällige Animationen oder gar 3D-Elemente - das Programm wirkt wie das Menü eines ordentlichen Rollenspiels.

Fazit:
Auch kostenlose Spiele sollten Spaß machen, und da liefert Legend nur wenig. Echte Freude kommt höchstens auf, wenn man allmählich durchschaut, wie geschickt das gesamte "Spiel" mehr oder weniger unterschwellig darauf ausgelegt ist, dem User möglichst rasch echte Euro aus der Tasche zu ziehen. Abenteuer, Kämpfe und so ziemlich alles, was Spieler sonst wollen, sucht man jedenfalls vergebens. Die ersten paar Minuten wirkt Legend interessant - aber dann stellt sich so ein ganz seltsamer fader Geschmack ein...  (ps)


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Links zum Artikel:
Gameforge: http://www.gameforge.de/
Legend Online: http://www.legend.de

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