Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0805/59485.html    Veröffentlicht: 06.05.2008 11:20    Kurz-URL: https://glm.io/59485

Scotland Yard: Videoüberwachung weitgehend erfolglos

"Wir brauchen bessere Überwachung!"

Laut Scotland Yard tragen die Millionen Videokameras, die in Großbritannien den öffentlichen Raum überwachen, weder zur Verbrechensvorbeugung noch zur Verbrechensbekämpfung in nennenswertem Umfang bei.

In Großbritannien sind mehr Überwachungskameras installiert als in fast jedem anderen Land der Welt. Allein in London sind mehr als 10.000 Videokameras im Einsatz, im ganzen Land mehrere Millionen. Milliardeninvestitionen in die Videoüberwachung sollten dazu beitragen, Verbrecher abzuschrecken und Verbrechen leichter aufzuklären. Die Rechnung geht jedoch nicht auf.

Bereits im vergangenen Jahr hatten Abgeordnete des Londoner Stadtparlaments die Polizeistatistiken auf den Nutzen der großflächigen Videoüberwachung hin überprüft und waren zu dem ernüchternden Ergebnis gekommen, es gebe keinen Beleg dafür, dass mehr Überwachungskameras eine höhere Aufklärungsquote bei Verbrechen nach sich ziehen.

Dieser Befund wurde jetzt durch Scotland Yard bestätigt. Detective-Chief-Inspector Mick Neville, verantwortlich für die Videoüberwachung, berichtete laut dem britischen Guardian auf einer Sicherheitskonferenz in London von den mageren Ergebnissen der teuren Überwachung: "Milliarden Pfund wurden dafür ausgegeben, aber kein Gedanke wurde darauf verschwendet, was die Polizei mit den Bildern anfangen wird, und wie sie vor Gericht verwendet würden. Das Ganze ist ein vollkommenes Fiasko: Nur 3 Prozent der Verbrechen wurden mit Hilfe von Videokameras aufgeklärt. Niemand hat Angst vor den Kameras. Warum haben die Leute keine Angst davor? [Sie denken], dass die Kameras nicht funktionieren."

Um die Erfolgsquote der Videoüberwachung zu steigern, sind laut Scotland Yard eine ganze Reihe von Maßnahmen nötig. So wird vorgeschlagen, eine neue Datenbank zur automatischen Identifizierung von Bildern Verdächtiger zu installieren, Bilder von mutmaßlichen Räubern und Vergewaltigern ab dem kommenden Monat im Internet zu veröffentlichen und eine weitere Videoüberwachungsdatenbank mit Bildern verurteilter Verbrecher und noch nicht identifizierten Verdächtigen einzurichten. Bei der Auswertung der gespeicherten Daten sollen Softwarelösungen zum Einsatz kommen, die beispielsweise Verdächtige anhand der Logos auf ihrer Kleidung erkennen können. Auch sollten die Polizisten in der Beschaffung und Auswertung von Bildmaterial aus Videokameras besser ausgebildet werden.

In London wurde bereits mit der Umsetzung der neuen Maßnahmen begonnen. In den betroffenen Gebieten helfe die Videoüberwachung inzwischen, 15 bis 20 Prozent der Straßenraubfälle aufzuklären. Mick Neville wies zugleich darauf hin, dass die verstärkte Videoüberwachung "mit Befürchtungen vor Big Brother" in ein Gleichgewicht gebracht werden müsse. Dazu seien entsprechende Vorkehrungen zu treffen. [von Robert A. Gehring]  (ji)


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