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Spieletest: King of Dragon Pass - Aufbaustrategie

King of Dragon Pass
King of Dragon Pass
Mit "King of Dragon Pass" bietet die kleine unabhängige US-Softwareschmiede A Sharp ein Spiel des seltenen und fast ausgestorbenen Genres der textbasierten Aufbaustrategiespiele, das auf der Fantasiewelt Glorantha beruht. Die Tatsache, dass es nur in englischer Sprache erhältlich ist, dürfte hier zu Lande auch nicht gerade zur weiteren Verbreitung beitragen.

Vor 200 Jahren tobte ein Kampf in Glorantha zwischen Menschen und Drachen, den die Menschen mit hohen Verlusten verloren. Seither wurde das Land namens Dragon Pass gemieden, aber Bürgerkrieg veranlaßte einige Clans nach neuen Ländereien zu suchen. Auf diese Weise wurde bekannt, dass Dragon Pass von den Drachen verlassen wurde und neu besiedelt werden kann. Unter den Siedlern sind natürlich befreundete und feindliche Clans, die im neuen Land um die Vorherrschaft kämpfen.

Die Aufgabe des Spielers ist nun, als Anführer eines Clans für dessen Überleben zu sorgen, aber das ist noch nicht alles. Mit einer guten Mischung aus militärischen Aktionen und Diplomatie müssen mehrere Clans zu einem Stamm zusammengeschlossen werden. Unter einer gerechten, aber harten Führung für mindestens 10 Jahre müssen verschiedene Heldentaten vollbracht werden, die unter anderem der Huldigung der obersten Gottheit dienen.

Die Jahre vergehen in 5 Spielzügen, die ähnlich unseren Jahreszeiten aufgebaut sind. Zur Zeit des Wassers werden die Felder bestellt, die Zeit des Feuers ist die beste Zeit für Reisen, zur Erde wird die Ernte eingebracht. Hier werden die Bauern auf den Feldern gebraucht, weswegen von Überfällen abgesehen werden sollte. In den winterlichen Jahreszeiten der Dunkelheit und des Sturms gilt es nur zu hoffen, dass die Nahrungsmittelvorräte reichen, denn an Karawanen, Expeditionen oder Raubzüge ist nicht zu denken. Zwischen den Jahren gibt es zwei Wochen der Heiligkeit, in denen über den Zustand des Clans informiert wird sowie Gebete für das kommende Jahr gesprochen werden.

Aber nicht allein die Götter entscheiden über die Zukunft des Clans. Bei Verhandlungen und Entscheidungen, die Zufallsereignisse betreffen, muß man als mittelalterlicher Monarch entscheiden, denn mit den Moralvorstellungen des 21. Jahrhunderts kommt man nicht weit. Entscheidet man, sich aus einer Liebschaft zweier Angehöriger unterschiedlicher Clans herauszuhalten, kann das in wenigen Monaten eine Heirat nach sich ziehen, was dann schon größere Auswirkungen auf auswärtige Beziehungen haben kann.

Alle Ereignisse werden durch statische, aber schön gezeichnete Illustrationen dargestellt. Allerdings ist die Auflösung auf 640x480 Bildpunkte beschränkt, was bei höheren Auflösungen einen unschönen schwarzen Rahmen hervorruft. Auch der Sound fällt mit wenigen Melodien, die sich immer wiederholen, recht spärlich aus. Das macht sich dafür an der geringen Hardwareanforderung (Pentium mit 16 MB RAM oder Power Mac ab System 7.5) bemerkbar.

Mittlerweile gibt es auch ein Update auf die aktuelle Version 1.3, das es jedoch erforderlich macht, die insgesamt 43 MB von der CD auf die Festplatte zu installieren. In Zeiten von Spielen, die für eine Minimalinstallation schon mehr als 40 MB benötigen, macht sich das jedoch kaum bemerkbar.

Fazit:
King of Dragon Pass ist nur etwas für Spieler mit einem Faible für mittelalterliche, keltische Riten oder Fans der Rollenspielwelt Glorantha . Unbedingt erforderlich sind gute Englischkenntnisse, denn bei jeder Entscheidung ein Wörterbuch zu Rate ziehen zu müssen, läßt den Spielspaß nur recht langsam aufkommen. In unserer modernen Spielwelt der Animationen mit 3D und Surround-Sound tanzt King of Dragon Pass völlig aus der Reihe und könnte selbst in deutscher Übersetzung nur schwerlich außerhalb der kleinen Fangruppe Akzeptanz finden.  (av)


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