Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0804/59123.html    Veröffentlicht: 18.04.2008 12:10    Kurz-URL: https://glm.io/59123

Zeuge im Pirate-Bay-Verfahren heuert in der Filmindustrie an

Musikindustrie benannte falschen Zeugen

Die in Schweden gegen die Betreiber des BitTorrent-Trackers The Pirate Bay angestrengten Verfahren werden von Skandalen erschüttert. Film- und Musikindustrie untergraben ihre Glaubwürdigkeit.

The Pirate Bay sorgt weiterhin für Schlagzeilen. Jetzt wurde bekannt, dass ein an den Ermittlungen gegen die Pirate-Bay-Betreiber beteiligter Polizist einen Job beim Filmstudio Warner Brothers bekommen hat. Wie die schwedische Tageszeitung The Local berichtet, soll der ehemalige Polizeioffizier Jim Keyzer als Zeuge im Verfahren gegen die Pirate-Bay-Betreiber aussagen. Verteidiger Peter Althin hat angekündigt, die Angelegenheit gründlich überprüfen zu wollen: "Die Frage ist, wie lange das schon geplant war. Sollte sich herausstellen, dass es schon geplant wurde, während die Ermittlungen noch andauerten, wäre das ein Skandal." Für Peter Sunde von The Pirate Bay liegt ein klarer Fall von Interessenkonflikt vor.

Aber auch die Musikindustrie produziert ihren Pirate-Bay-Skandal. So wurde der schwedische Rapper Tom Piha mit Künstlername Max Peezay als Zeuge gegen The Pirate Bay benannt. Dessen Album Discokommittén befand sich unter den 25 ausgewählten Alben, deren Rechte die IFPI durch The Pirate Bay verletzt sah. Peezay war damit allerdings keinesweg einverstanden. Gegenüber der Tageszeitung Svenska Dagbladet erklärte er: "Filesharing für den privaten Gebrauch, ohne Profitabsicht, ist in meinen Augen völlig in Ordnung. Das ist kein Diebstahl, sondern einfach eine Kopie eines Produkts, die weiterverbreitet wird." Peezay verdient sein Geld überwiegend mit Konzerten und nicht mit Tonaufnahmen und sieht die Kopien in Tauschbörsen als willkommene Werbung, berichtet The Local.

Besonders peinlich für die IFPI ist die Tatsache, dass Peezay die Rechte an dem von der IFPI benannten Album selbst hält und sie nicht etwa bei einer Plattenfirma liegen. Lars Gustafsson, Vorsitzender der schwedischen Abteilung der IFPI, gab gegenüber Svenska Dagbladet zu, dass "eine gründlichere Prüfung [der Rechte] hätte stattfinden müssen". Er schloss zugleich aus, dass der Vorfall einen wesentlichen Einfluss auf den Verlauf des Verfahrens haben würde. [von Robert A. Gehring]  (ji)


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