Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0804/59089.html    Veröffentlicht: 17.04.2008 13:34    Kurz-URL: https://glm.io/59089

IBMs Forschungsabteilung testet Migration zum Mac (Update)

Könnte die Mac-Nutzung bei IBM zum Normalfall werden?

Der kalifornische Technikberater Daniel Eran Dilger schreibt in seinem Blog "RoughlyDrafted" über ein internes IBM-Forschungsprogramm, bei dem Apples MacBook Pro als Alternative zu den Windows-basierten ThinkPads genutzt wird. Nach dem Abschluss der im Januar 2008 beendeten ersten Testphase sollen ein Großteil der 24 Teilnehmer gebeten haben, das Apple-Notebook dauerhaft nutzen zu können.

Laut Dilger, dem die Auswertung des Projekts vorliege, geht es IBM beim Mac-Pilotprogramm um mehrere Dinge: Zum einen soll eine Alternative zu Windows gefunden werden, zum anderen die Sicherheit erhöht werden. Gleichzeitig würden in der akademischen Welt MacBook Pros sehr verbreitet sein - und viele neue Bewerber sollen sich auf dem Mac heimischer fühlen als auf Windows-Systemen und würden nach den Apple-Rechnern fragen. Dazu komme noch, dass die Mac-Gemeinde in der Forschung und innerhalb von IBM die Entwicklungsumgebung auf dem Mac angenehmer finden würden. Zudem gebe es allgemein eine steigende Akzeptanz des Macs als Client-Plattform für Endkunden und den geschäftlichen Einsatz.

IBMs Research Information Services (IS) untersuchten deshalb die Möglichkeit, große Zahlen von Angestellten auf die Mac-Plattform übersiedeln zu lassen. Das würde dem Dokument zufolge auch zu IBMs externer Strategie hin zu einem echten "Open Client" passen, der Windows, Linux oder MacOS X sei. Research IS konzentriere sich laut dem Dokument darauf, eine IBM-Anwendungssammlung für verschiedene Betriebssysteme anzubieten, anstatt auf eines davon festgelegt zu sein.

Die erste Phase des Pilotprogramms soll vom Oktober 2007 bis zum Januar 2008 mit 24 IBM-Angestellten verschiedener IBM-Research-Abteilungen gelaufen sein. Den Teilnehmern wurden MacBook Pros zur Verfügung gestellt - mit der Auflage, ihre sonst bei IBM üblichen ThinkPads höchstens im Notfall zu nutzen, für Anwendungen, die noch nicht auf dem Mac laufen würden.

Nach der viermonatigen Testphase wurden die 24 Teilnehmer befragt, 22 davon antworteten. Von denen waren 18 Personen der Meinung, der Mac biete ihnen eine "bessere" oder die "beste" Erfahrung im Vergleich mit ihrem existierenden Computer. Einer habe Dilger zufolge beide Systeme für "gleichwertig oder gut" befunden und drei hätten eine "schlechtere Erfahrung" gemacht. Sieben der Probanden gaben an, zuvor keine nennenswerten Erfahrungen mit dem Mac gesammelt zu haben, während 15 moderate Erfahrung oder Expertenwissen über den Mac nannten. 19 der 22 Teilnehmer wollten nach der ersten Testphase das MacBook Pro behalten und Windows-Anwendungen mittels VMWare Fusion laufen lassen. Nur drei Personen hätten angegeben, wieder das ThinkPad nutzen zu wollen.

Nicht alle Erfahrungen waren jedoch positiv, so Dilger. Festgestellt wurde, dass es zwar einfach gewesen sei, IBMs interne Software auf den Macs zu installieren, noch würden aber etwa IBMs eigene DB2-Datenbank, der Websphere-Application-Server nebst WebSphere Integration Developer SOA Entwicklungs-Tool, die Rational Application Developer IDE für J2EE-Anwendungen, Unterstützung für IBMs InfoPrint-Arbeitsgruppen-Laserdrucker, Microsoft Visio und NetMeeting fehlen. Support-Probleme habe es zudem mit IBMs Instant Messenger Lotus Sametime gegeben - und auch PowerPoint-Dokumente machten Schwierigkeiten, was auch für Tools galt, die nur im Internet Explorer funktionieren.

Im ersten Halbjahr 2008 soll das Programm nun mit 50 Nutzern fortgeführt werden - und im zweiten Halbjahr auf weitere 50 bis 100 Nutzer wachsen. Gleichzeitig enthält die Auswertung Angaben dazu, wie IBMs Angebot an Mac-Software und die Support-Infrastruktur für Mac-Anwender verbessert werden soll. Auch IBMs interne Sicherheitsbestimmungen müssen durch die Macs noch sichergestellt werden. IBMs interne "Mac@IBM"-Website - wo die Studie laut RoughlyDrafted-Blog verlinkt sei - soll bereits über 930 Mitglieder aus 26 Ländern zählen und schnell wachsen.

IBM Deutschland hat den Bericht auf Nachfrage vom Golem.de bisher weder dementieren noch bestätigen können, versucht aber, mehr in Erfahrung zu bringen.

Nachtrag vom 17. April 2008, um 16:36 Uhr:
Gegenüber Golem.de bestätigte Michael Kiess vom IBM-Forschungslabor in Böblingen, dass es den "kleinen Versuch" gibt - von einem großen Wechsel könne aber nicht geredet werden, es sei also "keine große Sache", anders als es Dilger vermute. Mittlerweile seien 100 Forscher von weltweit insgesamt 3.000 dabei, das Arbeiten am Mac auszuprobieren, also nur ein verhältnismäßig kleiner Teil. "Es gibt nicht mehr die [eine] Computerplattform", so Kiess, vielmehr gehe es darum, den Mitarbeitern die Möglichkeit zur Auswahl zu geben. Auch mit Linux arbeiten viele bereits - wer für Linux entwickle, der arbeite auch damit. Gleiches gelte für den Mac.  (ck)


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Links zum Artikel:
IBM Research (.com): http://www.research.ibm.com
RoughlyDrafted - IBM Launches Pilot Program for Migrating to Macs (.com): http://www.roughlydrafted.com/2008/04/16/ibm-launches-pilot-program-for-migrating-to-macs/

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