Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0804/58839.html    Veröffentlicht: 07.04.2008 12:23    Kurz-URL: https://glm.io/58839

Intels Grafikkarten mit "Larrabee" weiterhin Geheimprojekt

Erste Prototypen sollen aber noch 2008 erscheinen

Wie schon beim Itanium ein Jahr zuvor kam auch auf dem in der vergangenen Woche in Schanghai abgehaltenen Intel Developer Forum (IDF) ein mit Spannung erwartetes Projekt nur auf einer Folie vor. Unter dem Codenamen "Larrabee" bereitet Intel als geheime Kommandosache seinen Wiedereinstieg in das Geschäft mit Grafikkarten vor. Immerhin steht schon fest, dass der Chip-Gigant den üblichen Weg der Zusammenarbeit mit Partnern beschreiten will.

Auf seiner Keynote-Ansprache zum Auftakt des "IDF Spring 2008" in Schanghai erwähnte Intel-Vize Pat Gelsinger das Projekt "Larrabee" nur auf einer einzigen Folie. Im Kontext dieses Vortrages diente Larrabee auch nur als Beispiel für die Skalierfähigkeiten der Intel-Architektur, ist der Chip doch Intels erster "Many-Core-Prozessor".

Pat Gelsinger auf dem IDF in Schanghai
Pat Gelsinger auf dem IDF in Schanghai
Auf Nachfragen hatte Gelsinger jedoch vor einem halben Jahr bereits bestätigt, was durch im Netz kursierende Entwicklerunterlagen ohnehin schon bekannt ist: Larrabee dient als Basis für PC-Grafikkarten, die mit OpenGL- und DirectX-Treibern angesteuert werden. Im Gespräch mit Journalisten während des IDF in Schanghai konkretisierte Pat Gelsinger diese Pläne nun.

So will Intel die Larrabee-Grafikkarten nicht selbst vertreiben oder unter eigenem Namen anbieten: "Welche Intel-Produkte gibt es denn im Handel mit unserem Namen auf der Schachtel? Prozessoren und Motherboards. Das war's." Vielmehr, so Intels Leiter der "Digital Enterprise Group", will man Partnern den Bau und Vertrieb der Grafikkarten überlassen.

Intel folgt hier dem Modell von AMD und Nvidia, mit einem wichtigen Unterschied: Die beiden Marktführer bei Grafiksteckkarten stellen die GPUs nicht selbst her, Intel mit seinen riesigen Produktionskapazitäten lässt sich das natürlich nicht nehmen. Zudem kann der größte Halbleiterhersteller der Welt seine Grafikprozessoren so nahezu zu beliebigem Preis anbieten.

Was eine Larrabee-Grafikkarte aber im Endeffekt kosten wird, gab Intel noch nicht preis. Die ersten Modelle sind aber laut Pat Gelsinger für "Workstations und High-End-Gaming" gedacht. Auf Nachfragen erklärte er noch, auch eine Beschleunigerlösung für technisch-wissenschaftliche Anwendungen, wie es beispielsweise Nvidia mit seinen Tesla-Produkten vormacht, sei für Larrabee denkbar.

Einzige Erwähnung von Larrabee in Schanghai
Einzige Erwähnung von Larrabee in Schanghai
Den Vorteil der IA32-Architektur in Larrabee mit seinen bisher nicht bestätigten 16 In-Order-Kernen - Parallelen zum Atom-Prozessor sind hier unübersehbar - sieht Pat Gelsinger nicht nur in den Entwicklungswerkzeugen, die Intel für Larrabee selbst herstellen will. Auch das Speichermodell und die Interrupt-Verwaltung entsprechen einem PC-Prozessor.

Eine Engine eines Spiels soll aber auch mit Larrabee funktionieren, wenn beispielsweise die Speicherverwaltung nicht auf die gleichförmigen Formate von Haupt- und Texturspeicher des PCs angepasst ist. Die Umsetzung übernimmt laut Gelsinger vorerst der Treiber. Ob sich durch eine lineare Lösung hier in der Zukunft Leistungsvorteile ergeben, wollte der Intel-Vize noch nicht beantworten.

Auch sonst gab sich Intel auf dem IDF in Schanghai zu Larrabee wie auch bisher recht verschlossen. In den Vorträgen für Entwickler, die abseits der großen Keynote-Ansprachen stattfinden, gab es keinen einzigen Programmpunkt zu Larrabee. Und auch Intel-Mitarbeiter, die aufgrund ihres Aufgabenbereiches zwangsläufig mit Larrabee zu tun haben müssen, verweigerten zu diesem Thema stets die Aussage.

Hinter vorgehaltener Hand war aber noch zu hören, dass sich Intel ob der inzwischen sehr hohen Erwartungshaltungen für Larrabee Sorgen um einen "Over-Hype" für das Produkt macht. Ebenso ist noch nicht geklärt, ob die Geheimhaltung weiterhin funktioniert, wenn die ersten taiwanischen Grafikkartenhersteller die Larrabee-Chips in Händen halten. Hier darf man insbesondere auf die im Juni 2008 stattfindende Messe Computex in Taipeh gespannt sein. Dort müssten sich hinter verschlossenen Türen eigentlich die ersten Larrabee-Karten befinden - laut Pat Gelsinger will Intel noch im Jahr 2008 erste Prototypen von Larrabee zeigen.  (nie)


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