Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0804/58670.html    Veröffentlicht: 02.04.2008 14:06    Kurz-URL: https://glm.io/58670

Spieletest: Turning Point - Kampf für die freie Welt

Ein rebellischer Arbeiter kämpft im Alleingang gegen die Wehrmacht und mit Bugs.

Was wäre, wenn Nazi-Deutschland eine großangelegte Invasion in Amerika gestartet hätte und die US-Armee chancenlos wäre? Dann müsste eben ein einfacher Bauarbeiter den fiesen Krauts in den Hintern treten und sie wieder aus dem Land werfen: Im Ego-Shooter "Turning Point" schlüpft der Spieler auf PlayStation 3, Xbox 360 und PC in die Rolle des mutigen Maurers.

Turning Point (Windows-PC, PS 3, Xbox 360)
Turning Point (Windows-PC, PS 3, Xbox 360)
Der Bauarbeiter Dan Carson steht friedlich in Manhatten auf dem Metallgerüst eines Wolkenkratzers, als die Hölle losbricht: Eine Invasionsarmee greift Amerika an! Flugzeuge heulen von der Atlantikküste in Richtung Landesinnere, Zeppeline fliegen hinterher und Fallschirmspringer segeln durch die Luft. Im Ego-Shooter Turning Point: Fall of Liberty - entwickelt vom kalifornischen Studio Spark und veröffentlicht von Codemasters - schlüpft der Spieler in die Rolle von Carson. Der kämpft mit dem Sturmgewehr in der Hand um die Freiheit der westlichen Welt - erst in New York, dann in Washington DC und schließlich in London.

Turning Point
Turning Point
In Turning Point tritt der Spieler in der Ich-Perspektive an, die Steuerung verwendet genreübliche Standards. Es gibt aber Besonderheiten: So zeigt kein Gesundheitsbalken, wie fit Dan Carson gerade ist. Nähert er sich dem virtuellen Exitus, flimmert stattdessen das Bild und Dan muss sich ein paar Augenblicke in einer ruhigen Ecke erholen; Medi-Kits oder Ähnliches kennt das Programm nicht. Gelegentlich sieht man den Protagonisten von außen, etwa wenn er sich an Seilen über einen Abgrund hangelt oder eine Leiter hochklettert. Und: Auch in der PC-Version kann der Spieler selbst keine Savegames anlegen oder laden - das erledigt das Programm für ihn. Im Todesfall oder beim Neustart beginnt man grundsätzlich nach dem zuletzt erreichten Speicherpunkt.

Turning Point
Turning Point
Die Levels sind linear aufgebaut und bieten wenig Freiheit, aber viel Abwechslung. Beispielsweise verteidigt der wackere Bauarbeiter zwischendurch mit dem stationären MG eine Befestigungslinie gegen heranstürmende Soldaten, Panzer und Luftschiffe. Oder er arbeitet sich durch die Kanalisation bis unter Panzer vor, befestigt dort eine Ladung Sprengstoff und muss dann noch den elektrischen Auslöser in einem - extrem einfachen - Mini-Puzzle korrekt verdrahten. Auch spannend gemacht: In einem Level schaltet Carson per Infrarot-Sichtgerät Scharfschützen aus, die er an deren wandernden Laser-Zielstrahlen erkennt.

Turning Point
Turning Point
Das Waffenarsenal enthält mit Maschinenpistolen, Sturmgewehr, Granaten und einem Raketenwerfer die typischen Schießprügel von Zweiter-Weltkrieg-Shootern. Carson trägt maximal zwei Waffen gleichzeitig, darf sie aber gegen herumliegende Schießeisen eintauschen. Per Rechtsklick zommt er das Visier heran und trifft besser, läuft aber schlechter. Wenn Feinde besonders nah sind, schaltet er sie munitionssparend durch gezielte Schläge mit dem Kolben aus. Mit etwas Geschick nimmt er Gegner in den Schwitzkasten und verwendet sie als Kugelfang - was spielerisch allerdings selten sinnvoll ist.



Turning Point
Turning Point
Das Programm basiert auf einer älteren Version der Unreal-Engine und macht optisch wenig her. Seltsam: Auf dem PC lässt sich die maximale Auflösung per Menü lediglich auf 1.024 mal 768 Pixel stellen, mehr geht nur mit Tricks; Codemasters arbeitet an einem Patch. Die Texturen wirken matschig, die Umgebungen sind klein und kantig - was allerdings trotzdem ausreicht, die zerbombten, oft brennenden Straßenschluchten, U-Bahn-Tunnel oder Häuser halbwegs glaubwürdig darzustellen. Für die letztlich doch gelungene Atmosphäre sorgt weniger die Grafik, sondern eine Vielzahl an Engine-Scripts: Immer wieder mal tauchen Panzer auf, Zivilisten stürmen panisch über Straßen, Zeppeline lassen Soldaten an Seilen herab oder Deutsche exekutieren vor Carsons Augen einen Trupp Rebellen.

Turning Point
Turning Point
Im Test hatten wir noch mit einer Vielzahl von Bugs zu kämpfen. So bleibt Dan Caron leicht an Gegenständen oder Ecken hängen - dann hilft nur noch ein Neustart. Auch längere Aussetzer mitten im Kampf und komplette Abstürze unserer PC-Version kamen vor. Beenden konnten wir das Spiel nicht: An einer Stelle hätte sich Carson entlang eines eindeutig gekennzeichneten Fenstersims über einen Abgrund hangeln müssen - das tat er aber einfach nicht und ein Workaround ist nicht verfügbar.

Turning Point ist für PlayStation 3, Xbox 360 und Windows-PCs erhältlich und kostet für die Konsolen rund 60,- Euro, für den PC etwa 50,- Euro. Als minimale PC-Hardware wird ein Rechner mit Windows XP/Vista, 1 GByte RAM sowie einem Prozessor mit 2,8 GHz angegeben. Zudem sollten 6 GByte auf der Festplatte frei sein und eine Shader-3-kompatible Grafikkarte im Rechner stecken.

Fazit:
Turning Point ist so etwas wie die Spielevariante von Fastfood-Restaurants oder Boulevard-Zeitungen: Inhaltlich ist es irgendwie billig - aber kurzzeitig dann doch ganz unterhaltsam. Wer unkomplizierte, arkadeartige Action mag, hat trotz der veralteten Grafik und der linearen Levels erstaunlich viel Spaß. Vor allem, weil einerseits die Abwechslung stimmt, und weil andererseits die große, böse Mega-Bedrohung glaubwürdig rüberkommt - was ganz schön motiviert. Deswegen wäre Turning Point akzeptabel als schneller, actiongeladener Snack für Zwischendurch - wenn die Bugs nicht wären. Alle halbe Stunde hatten wir mit kleinen Problem oder mit minutenlangen Aussetzern zu kämpfen, und irgendwann ging es dann gar nicht mehr weiter. Wer Turning Point spielen möchte, sollte also unbedingt warten, bis Codemasters einen entsprechenden Patch liefert.  (ps)


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Links zum Artikel:
Codemasters (.com): http://www.codemasters.com
Spark (.com): http://www.sparkunlimited.com/

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