Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0803/58534.html    Veröffentlicht: 20.03.2008 16:53    Kurz-URL: https://glm.io/58534

FBI ködert Kinderporno-Kunden

Links zu Kinderporno-Seiten führten zu FBI-Servern

Die amerikanische Bundespolizei FBI jagt auf zweifelhafte Weise nach Kinderporno-Kunden: Das FBI hat Links zu Websites mit entsprechendem Material verbreitet. Wer klickte, musste damit rechnen, verhaftet zu werden, da bereits der Versuch strafbar ist, sich solches Material zu verschaffen.

Den Köder legte ein FBI-Agent, indem er in einem Diskussionsforum Links veröffentlichte. Diese sollten auf eine Website mit kinderpornografischem Material verweisen. Statt auf einem Server mit Kinderpornografie landeten die Nutzer direkt auf einem geheimen Server der Behörde. Die vermeintlichen Videos entpuppten sich als harmlos.

Weniger harmlos war jedoch, was auf den Abruf folgte: Die Beamten ermittelten die IP-Adressen, von denen die Site aus aufgerufen wurde, und verhafteten die Verdächtigen. Dabei beschlagnahmten sie auch Computer- und Videoausrüstung, Briefe, Bankunterlagen und Kreditkartenabrechnungen.

So wurde etwa ein Doktorand einer Universität in Philadelphia im Februar 2007 verhaftet und wegen des Versuches, sich kinderpornografisches Material zu verschaffen, im November 2007 für schuldig befunden. Ihm drohen nun drei bis vier Jahre Gefängnis. Am 22. April 2008 soll das Strafmaß verkündet werden.

Die Anwältin des angeklagten Doktoranden hält die FBI-Methode für nicht angemessen. Das Beweismaterial reiche nicht aus, um nachzuweisen, dass ihr Mandant "ausdrücklich beabsichtigte, Kinderpornografie herunterzuladen". Dieser Nachweis sei jedoch notwendig, um den Versuch zu begründen, schrieb sie in einer Eingabe an das Gericht.

Nach Angaben des US-Branchendienstes CNet haben mehrere Richter das Vorgehen des FBI gebilligt und Haftbefehle für diejenigen ausgestellt, die dem Link gefolgt sind.  (wp)


Verwandte Artikel:
Fast 8.000 Fälle: FBI kann jedes zweite Gerät nicht mehr knacken   
(11.01.2018, https://glm.io/132106 )
Europäische Mobilfunker wollen Kinderpornografie filtern   
(11.02.2008, https://glm.io/57622 )
Kriminalität: Mann droht Firma mit Hack, um Job zu bekommen   
(02.01.2018, https://glm.io/131915 )
Mirai-Botnetz: Drei US-Studenten bekennen sich schuldig   
(14.12.2017, https://glm.io/131665 )
IT-Sicherheit: Für das FBI Botnetze ausschalten   
(06.10.2017, https://glm.io/130455 )

Links zum Artikel:
FBI (.gov): http://www.fbi.gov

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/