Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0803/58496.html    Veröffentlicht: 19.03.2008 11:54    Kurz-URL: https://glm.io/58496

Mobilfunk: EU findet Inlands-Roaming zu teuer

Terminierungsentgelte sollen auf wenige Cent pro Minute fallen

Viviane Reding, EU-Kommissarin für den Bereich Telekommunikation, fordert die nationalen Regulierungsbehörden auf, die Terminierungsentgelte zwischen den Netzbetreibern zu senken. Damit sollen Telefonate im Inland billiger werden.

Die Mobilfunkbetreiber sollen für die gegenseitige Nutzung ihrer Netze in Zukunft niedrigere Durchleitungsgebühren verlangen. Die EU-Kommissarin will die Gebühren von derzeit 9,67 Cent pro Minute langfristig auf 1 bis 1,5 Cent senken, wie sie in einem Gespräch mit der Financial Times bekanntgab. Zwar ist die Regulierung dieser Gebühren eine nationale Angelegenheit, dennoch droht Reding, selbst einzugreifen, falls der europäische Zusammenschluss der nationalen Regulierer (ERG) bis zu diesem Sommer keine brauchbare Lösung aushandelt.

Die Mobilfunkbetreiber kann dies empfindlich treffen: In Großbritannien zum Beispiel sollen die Terminierungsentgelte nach Angaben der Financial Times 15 Prozent der Erlöse ausmachen. Europaweit werden sehr unterschiedliche Terminierungsentgelte verlangt, gibt Reding Auskunft: In Zypern sollen es 1,9 Cent pro Minute sein, in Estland 22,4 Cent für jede Gesprächsminute. In Deutschland liege der Preis derzeit bei 8,8 Cent für E-Plus und O2 und bei 7,92 Cent für T-Mobile und Vodafone.

Weitere Regulierungen hat Reding bereits im November 2007 auch bei Datendiensten im Ausland gefordert: Die EU-Kommissarin sieht die Obergrenze bei 12 Cent pro SMS aus dem Ausland. Derzeit zahlt der Kunde im Schnitt 29 Cent pro Nachricht. Fürs mobile Surfen sollen die Netzbetreiber nicht mehr als 35 Cent pro MByte verlangen. Derzeit hofft Reding auf Selbstregulierung unter den Netzbetreibern. Und die Mobilfunkanbieter dürften die Drohungen ernst nehmen: Dank Viviane Reding mussten sie im Sommer 2007 bereits die Roaming-Preise für Telefonate im Ausland senken.

Erste Ankündigungen zu Preissenkungen im Datenverkehr gab es bereits Anfang Februar 2008: KPN in den Niederlanden, Base in Belgien und E-Plus in Deutschland sowie dem polnischen Betreiber Play und "3" in Großbritannien, Italien, Irland, Österreich, Schweden und Dänemark haben sich auf einen Großhandelspreis von 25 Cent pro MByte für mobiles Surfen im Ausland geeinigt. O2 und T-Mobile haben Preissenkungen für den Versand von SMS und MMS sowie die Nutzung von mobilen Datenverbindungen im EU-Ausland versprochen.  (yg)


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