Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0803/58376.html    Veröffentlicht: 13.03.2008 12:05    Kurz-URL: https://glm.io/58376

Microsofts Offenheit passt nicht zur GPL

Software Freedom Law Center untersucht Microsofts Versprechen

Das Software Freedom Law Center (SFLC) hat Microsofts "Open Specification Promise" näher untersucht, um herauszufinden, ob dieses Versprechen auch GPL-lizenzierter Software zugute kommt. Microsoft veröffentlicht im Rahmen dieses Programms verschiedene Spezifikation und gibt diese inklusive eventuell zutreffender Patente zur Nutzung frei. Für Entwickler freier Software ist es nach Ansicht des SFLC dennoch keine Hilfe.

Das Open Specification Promise (OSP) nutzt Microsoft, um verschiedene seiner Techniken zur Nutzung freizugeben. Jeder soll diese dann implementieren können. Dabei stellte sich jedoch schon früh die Frage, ob die von Microsoft so veröffentlichten Spezifikationen auch in GPL-lizenzierter Software umgesetzt werden dürfen. Nach einer Untersuchung meint das SFLC nun, dies gehe nicht.

Zuvor sieht das SFLC aber zwei andere Regelungen des Versprechens als problematisch an: zum einen die Tatsache, dass sich Microsofts Versprechen nur explizit auf die veröffentlichte Version einer Spezifikation bezieht. Zwar sagt Microsoft, das Versprechen sei unwiderruflich, allerdings fallen neue Versionen einer Technik nicht automatisch darunter. Das SFLC sieht dies als Möglichkeit für Microsoft, um sein Versprechen auf eine andere Art doch zu widerrufen.

Hinzu komme, dass das OSP nur für die Spezifikationen und nicht für Quelltexte gelte. Code, mit dem eine Spezifikation umgesetzt wird, kann aber auch andere Aufgaben haben und das OSP beziehe sich dann nur auf einige Einsatzzwecke des Codes, nicht aber auf den Quelltext selbst. Würde die Umsetzung einer Spezifikation aber in ein Programm übernommen, das mehr erledigt, als nur diese Spezifikation umzusetzen, so gilt das OSP laut SFLC nicht mehr. Damit würden freie Implementierungen nicht erlaubt, da bei freier Software häufig Quelltext von anderen übernommen, modifiziert und weiterverarbeitet wird.

Doch für die Inkompatibilität zu der GPL seien nicht die Bestimmungen verantwortlich, aber das Versprechen gewähre nicht die Freiheit, die die GPL verlange. Dies spiegle sich unter anderem in der Tatsache wider, dass der geschriebene Code nur in einem sehr begrenzten und von Microsoft abgesteckten Rahmen verwendet werden darf. Auf Basis der Spezifikationen geschriebene Implementierungen seien nicht mehr vor Angriffen von Microsoft sicher, wenn sie aktuellere Versionen umsetzen, die nicht vom OSP gedeckt werden. Zudem dürften diese Implementierungen nicht einfach für jeden Zweck weitergeben werden, so wie es die GPL verlangt. Das SFLC rät daher Entwicklern von GPL-Software, sich nicht auf Microsofts OSP zu verlassen.  (js)


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Links zum Artikel:
SFLC - Software Freedom Law Center (.org): http://www.softwarefreedom.org/

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