Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0803/58072.html    Veröffentlicht: 07.03.2008 14:02    Kurz-URL: https://glm.io/58072

Spieletest: Turok - Dinosaurier sind nicht totzukriegen

Populäre Action-Reihe wird neu belebt

In den neunziger Jahren genoss die Turok-Reihe einen hervorragenden Ruf im Action-Segment. Vor allem auf Nintendos N64 setzte Acclaim mit interessanter Story und beeindruckenden Dinosauriern neue Maßstäbe. Das N64 ist lange Geschichte, der Publisher Acclaim existiert auch schon seit Jahren nicht mehr, die Marke Turok feiert jetzt aber ihre Wiederauferstehung - in einem Spiel, das nicht nur Fans der Serie durchaus Bauchschmerzen verursachen könnte.

Turok (PS3, Xbox 360)
Turok (PS3, Xbox 360)
Der Name ist zwar der altbekannte, Dinosaurier gibt es auch immer noch, die grundsätzliche Story ist allerdings eine komplett andere - wer auf eine inhaltliche Fortsetzung gehofft hatte, wird somit enttäuscht. Die Hauptrolle übernimmt ein gewisser Joseph Turok - ehemals Mitglied der Kommandotruppe Wolf Pack und jetzt zusammen mit den neuen Kollegen der Special Forces auf dem Weg zu einem geheimnisvollen Planeten, auf dem er einen Kriegsverbrecher festnehmen soll. Was dann passiert, ist die typische 08/15-Action-Formel: Das Raumschiff stürzt ab, der Planet ist ein Hort mysteriöser Genexperimente - und ehe man sich versieht, darf durch den Dschungel marschiert und abwechselnd mit feindlichen Soldaten oder Riesenechsen gekämpft werden.

Turok
Turok
Joseph Turok stehen dafür die typischen Schießprügel eines Ego-Shooters zur Verfügung, allerdings darf auch zu Pfeil und Bogen oder zum Messer gegriffen werden. Und während Letzteres in Actionspielen meist nur eine Notlösung auf Grund fehlender Munition ist, bietet es sich hier fast als optimales Vorgehen an - den Dinosauriern die Kehle durchzuschneiden ist oft die effektivste Methode, um sie sich vom Hals zu schaffen.

Leider hat man sich im Entwicklerteam allerdings recht wenige Gedanken darüber gemacht, wie nach dem optisch durchaus spektakulären Auftritt der ersten Riesenechsen der Spannungsfaden aufrechtgehalten werden könnte; Turok wirkt stellenweise ähnlich plump und ideenlos wie der neue Rambo-Film. Ist die eine Dinohorde erledigt, folgt sofort die nächste, wurde der erste Soldatentrupp niedergemäht, kann man sich sicher sein, den folgenden schon in wenigen Sekunden auf den linearen Wegen vor sich zu haben. Das zehrt umso mehr an der Motivation, da die Speicherpunkte alles andere als fair verteilt wurden; wer die monotonen, minutenlangen Hordenkämpfe mehrfach durchleben muss, wird sich irgendwann nicht mehr wirklich um das Schicksal von Joseph Turok scheren.

Turok
Turok
Auch die Story-Fetzen und die nicht gerade durch Intelligenz glänzenden Kollegen sind kaum dazu angetan, die Motivation zu fördern - im Grunde geht es nur darum, auf dem Planeten zu landen, alles plattzumachen und dann wieder zu gehen. Die verwendete Unreal3-Engine verschießt zudem recht schnell ihr Pulver: Mögen die Außenareale und Höhlen zu Beginn noch recht vielversprechend aussehen, wiederholt sich alles viel zu schnell. Auch fürs Auge wird einem bald nichts mehr geboten.

Turok
Turok
Der Multiplayer-Modus wartet zwar auch nur mit den typischen Optionen wie Capture The Flag oder Deathmatch auf, immerhin bringen die prähistorischen Tierchen hier aber ein bisschen Abwechslung ein. Ein plötzlich auftauchender Dino mitten im Feuergefecht ist dann doch eine eher ungewöhnliche Angelegenheit. Ansonsten sind auch hier die Möglichkeiten aber arg beschränkt: Von der taktischen Tiefe, die im Vorfeld angekündigt wurde, ist kaum etwas zu spüren.

Turok ist für PlayStation 3 und Xbox 360 im Handel und kostet etwa 60,- Euro. Das Spiel hat von der USK keine Jugendfreigabe erhalten.

Fazit:
Großer Name, nicht viel dahinter: Das neue Turok kann die Faszination der Reihe kaum wiederbeleben. Was einem hier geboten wird, ist recht stereotype Action. Unterhaltsam für eine kurze Zeit, im Grunde aber nur simples und alles andere als bemerkenswertes Konsolen-Fast-Food, das dem einstigen Glanz der Reihe nicht gerecht wird.  (tw)


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Links zum Artikel:
Turok (.com): http://www.turok.com/

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