Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0801/57199.html    Veröffentlicht: 23.01.2008 12:33    Kurz-URL: https://glm.io/57199

W3C legt ersten Entwurf von HTML 5 vor

Neue Elemente und abgeworfene Altlasten in HTML 5

Gut zehn Jahre nach der letzten HTML-Fassung liegt jetzt der erste Entwurf von HTML 5 vor. Die offene und lizenzfreie Spezifikation soll das bestehende HTML um "Rich Web Content" erweitern. Neue Schnittstellen, um zweidimensionale Grafiken zu zeichnen, die bessere Einbettung von Video- und Audioinhalten sowie zahlreiche neue Elemente zur besseren Auszeichnung in HTML-Seiten sind die Besonderheiten von HTML 5.

Derzeit geraten Webtechnologien wieder etwas in Bewegung: Erst kündigt Microsoft eine bessere Unterstützung von Standards mit dem Internet Explorer 8 an und soll sogar den Acid2-Test bestehen, die Macher des Acid2-Tests arbeiten seit kurzem an einem Nachfolgetest, Microsoft erwägt, gemeinsam mit dem Web Standards Project ein Metatag einzuführen, das den Internet Explorer nur auf Wunsch den neuen Standardmodus nutzen lässt und schließlich veröffentlicht das World Wide Web Consortium (W3C) den lange erwarteten Nachfolger von HTML 4, der jedoch nicht XHTML heißt.

Der Entwurf zum kommenden HTML-5-Standard ist in großen Teilen dem Vorschlag der WHATWG (Web Hypertext Application Technology Working Group) entnommen. Derzeit liegen zwei Dokumente vor: zum einen der eigentliche HTML-5-Arbeitsentwurf (Working Draft) und zum anderen ein Dokument, das die Unterschiede zwischen HTML 4 und 5 näher erläutert.

HTML 5 führt zahlreiche neue Elemente in die Auszeichnungssprache ein, die vor allem die Bedeutung von Teilen einer HTML-Seite stärker in den Vordergrund rücken lassen. Webentwickler können dank der neuen Elemente etwas CSS-Code durch nicht notwendige Klassen und IDs sparen und Suchmaschinen könnten die Bedeutung einzelner Teile der Webseite besser verstehen oder etwa die obligatorische Navigation auf einer Webseite aus dem Suchergebnis ausschließen, welche in HTML durch das Element gekennzeichnet werden soll.

Zu den neuen Elementen gehören auch , , , und , die allesamt den HTML-Code übersichtlicher machen und die so genannte "Div-Suppe" vermeiden helfen. In HTML 5 könnte eine Seite etwa wie folgt aussehen (vereinfachte Darstellung):



Verglichen mit der Auszeichnung in HTML 4 wird hier einiges an Code gespart:



In beiden Fällen lässt sich die Benutzung von zu vielen Klassen und IDs durch geschickte Nutzung von Vererbung oder Selektoren in CSS vermeiden, das geht jedoch meist auf Kosten der Übersichtlichkeit im CSS-Code.

Weitere Übersicht schaffen andere neue Elemente: Für die Kennzeichnung von Dialogen, wie etwa Interviews, soll in Zukunft das Element in Verbindung mit den Elementen und genutzt werden, für Audio und Video sind die Elemente bzw. vorgesehen. Insgesamt haben es mehr als 20 neue Elemente in den Arbeitsentwurf geschafft, die unter anderem auch die Zeit, zweidimensionale Grafiken oder einen Fortschritt (etwa bei einem Download) repräsentieren können.

Ebenfalls neu in HTML ist das altbekannte Element , das fortan offiziell für das Einbinden von Plug-In-Inhalten genutzt werden darf. Das "embed"-Element ist schon länger Bestandteil von vielen HTML-Seiten, wurde bisher jedoch nie offiziell vom W3C anerkannt. Der offizielle Weg war bisher die Nutzung des "object"-Elements. Damit nähert sich HTML 5 bei der Benutzung von Plug-Ins mehr den damals geschaffenen Fakten von Netscape an.

HTML 5 ist nicht nur um neue Elemente und Attribute bereichert worden. Auch einige Änderungen sind in den Entwurf eingeflossen. So ist das Anker-Element ohne das Attribut "href" nun als Platzhalterlink definiert und die Elemente , und sind nun in ihrer Bedeutung leicht abgeändert worden. Sie dürften sich bei der Interpretation durch den Browser jedoch kaum ändern. Aus 'Fett', 'Kursiv' und 'starke Betonung' wird nun ein stilistischer Ableger ohne besondere Bedeutung ("stylistically offset from the normal prose without conveying any extra importance"), eine besondere Betonung ("alternate voice or mood") bzw. die Wichtigkeit der jeweils ausgezeichneten Textstelle.

Über Bord wirft der HTML-5-Standard die meist schon länger missbilligten ("deprecated") Elemente , , , , , , und . Für das "font"-Element gibt es jedoch eine Ausnahme. WYSIWYG-Editoren (What you see is what you get) dürfen das Element auch weiterhin nutzen. Für alle anderen gilt, dass in Zukunft CSS benutzt werden soll, um die entfallenen Elemente zu ersetzen.

Andere Elemente, die nicht mehr in HTML 5 enthalten sind, sind , und (Gründe sind schlechte Benutzbarkeit und Zugänglichkeit bei Nutzung der Elemente) sowie selten genutzte Elemente wie (übernimmt ), (übernimmt ), und (übernimmt ).

Außerderm wurde der HTML-Standard noch um eine Fehlerbehandlung erweitert und schließlich sieht HTML 5 vor, dass die Anforderungen an Autoren und Browser getrennt werden. So darf der Webautor etwa alte Elemente nicht mehr benutzen, aus Kompatibilitätsgründen sollen neuere Browser diese Elemente jedoch weiterhin unterstützen.

An der aktuellen Entwurfsfassung von HTML 5 haben unter anderem ACCESS, AOL, Apple, Google, IBM, Microsoft, Mozilla, Nokia und Opera sowie zahlreiche andere Firmen und Institutionen mitgearbeitet. Die Grundlage zu HTML 5 hat die WHATWG gelegt. Bis auf wenige Ausnahmen wie experimentelle Builds von Opera oder Webkit werden die neuen Möglichkeiten von HTML 5 noch nicht in Browsern genutzt.

Bis HTML 5 verabschiedet wird, geht der aktuelle Entwurf üblicherweise noch einige weitere Entwurfsstadien durch, ehe er als "Recommendation" vom W3C zu einem Standard erhoben wird.

Golem.de hat sich in zwei Artikeln dem Thema HTML 5 und CSS 3 bereits im letzten Jahr gewidmet.  (ase)


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Links zum Artikel:
W3C - HTML (.org): http://www.w3.org/html/
WHATWG (.org): http://www.whatwg.org
World Wide Web Consortium - W3C (.org): http://www.w3c.org

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