Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0801/56946.html    Veröffentlicht: 11.01.2008 12:15    Kurz-URL: https://glm.io/56946

Interview: "KDE 4.0 ist unsere Boeing 747"

Aaron Seigo im Gespräch über die neue KDE-Generation

Es hat ein paar Jahre gedauert, bis KDE 4.0 in greifbare Nähe rückte. Doch am heutigen 11. Januar 2008 wurde nun die erste Version der neuen Generation veröffentlicht. Golem.de sprach mit dem von Trolltech bezahlten KDE-Entwickler Aaron Seigo über die Neuerungen.

Golem.de: Von den ersten Ideen zu KDE 4 bis zur Veröffentlichung von KDE 4.0 hat es etwa zwei Jahre gedauert. Wie zufrieden sind Sie mit dem, was das KDE-Projekt in dieser Zeit erreicht hat?

Aaron J. Seigo
Aaron J. Seigo
Aaron Seigo: Ich bin sehr stolz auf das, was unser Team geschaffen hat. Wir haben das Fundament erstellt, um über Jahre konkurrenzfähig im Hinblick auf andere Desktop-Oberflächen und -Systeme zu bleiben, während verschiedene Bereiche immer weiter verbessert werden.

Normalerweise veröffentlichen wir schnell und vor allem an einem Datum orientiert neue Versionen. Als es um KDE 4 ging, haben wir verstanden, dass wir nicht nur den Rücklichtern unserer proprietären Konkurrenz hinterherjagen, sondern alles herausholen müssen, um den Weg zu ebnen, um sie direkt hinter uns zu lassen. Dafür braucht man einen revolutionären Entwicklungszyklus und solche Vorhaben sind natürlich voller Risiken. Durch die Überzeugung und Leidenschaft unseres Teams haben wir dies geschafft.

Wenn man heute eine Liste mit all den Dingen erstellt, die wir vor zwei Jahren erreichen wollten, ist es unglaublich, wie wir nicht nur die Grundlagen für all diese Ziele, sondern bereits recht solide erste Versionen geschaffen haben.

Dies ist unsere Boeing 747 oder unser IBM 701: groß, teuer und riskant... aber gleichzeitig jedes bisschen Energie wert, das hineingesteckt wurde.

Golem.de: Was genau und vor allem für wen ist nun KDE 4.0?

Seigo: KDE 4.0 ist die erste Version der KDE-4-Serie. Sie stellt die neuen Bibliotheken und die verbesserten alten vor, bringt neue Versionen einiger Anwendungen und buchstäblich tausende Verbesserungen, seit wir mit der Arbeit begonnen haben. Die Menge an Neuerungen ist tatsächlich umwerfend.

KDE 4.0
KDE 4.0
Das Publikum für die Version 4.0 ist dreigeteilt: Da wären externe Entwickler, die nun anfangen können, ihre Programme zu portieren oder neue Programme für KDE 4 zu schreiben und sich dabei sicher sein können, dass die APIs sich nicht plötzlich verändern. KDE 4.0 richtet sich aber auch an die Enthusiasten und Bleeding-Edge-Nutzer, die die neueste Version haben wollen und uns wiederum mit ihren Tests und entsprechenden Rückmeldungen helfen. Aber auch Systemintegratoren und die Betriebssystemanbieter können jetzt anfangen, mit KDE 4 zu arbeiten.

Produktionsumgebungen und konservative Anwender werden allerdings auf die Version 4.1 warten wollen, wie aber eigentlich bei jeder Punkt-null-Version. Denn während der Arbeit an 4.0.x werden wir viele der verbleibenden Probleme finden und beseitigen.

KDE 4.0
KDE 4.0
Golem.de: Wann wird denn KDE 4.1 erscheinen, wenn dieses als komplettere und stabilere Version angesehen wird?

Seigo: Wir haben für 4.1 noch keinen Zeitplan veröffentlicht, aber einiges ist bereits sicher. So wird es relativ schnell gehen, der Beginn des dritten Quartals 2008 ist nicht unrealistisch. Zudem wird diese Version wieder eher zu einem festgelegten Datum veröffentlicht, anstatt nach funktionalen Kriterien, womit wir wieder zu unserer traditionellen Veröffentlichungspolitik zurückgehen. Ganz sicher wird KDE 4.1 große Verbesserungen gegenüber 4.0 bringen.

Golem.de: KDE 4.0 enthält ja bereits viele Neuerungen, doch andererseits gibt es auch Funktionen wie das PIM-Framework Akonadi, die noch nicht komplett implementiert sind. Könnte dies zum Problem werden, da im Laufe der Entwicklung viele Erwartungen geweckt wurden?

Seigo: Mit Erwartungen umzugehen ist immer schwierig und in Bezug auf Open Source noch komplizierter. Wir arbeiten 100 Prozent offen, ohne einen Schleier zwischen uns und der Öffentlichkeit. Legen wir also eine Vision und eine Strategie fest, sehen die Leute diese. Um einen Entwicklungszweig zu planen, an dem die nächste Dekade gearbeitet wird, muss man viele Visionen und Pläne entwickeln. Die Öffentlichkeit hat gesehen, was wir machen, und wurde genauso aufgeregt wie wir - viele haben dabei aber nicht verstanden, dass sie den Prozess einer langfristigen Vision verfolgen. Wir haben nur unsere Richtung für diese große Reise vorgestellt und seit wir das Problem bemerkt haben, versuchen wir den Leuten klar zu machen, dass die Version 4.0 der erste Schritt ist, um unsere Ziele zu erreichen und unsere Visionen umzusetzen. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass KDE 4.0 die Anwender bereits beeindruckt.

Manch einer mag sich daran erinnern, dass es in der Vergangenheit Kritik an den Open-Source-Desktops gab, da sie nichts Neues ausprobierten, nicht ihre Richtung darstellten und so weiter. Jetzt haben wir genau das getan. Wie das bei allen neuen Schritten ist, haben wir es vielleicht nicht so gut hinbekommen wie wir könnten oder auch in Zukunft schaffen werden, aber auch unser Publikum braucht Zeit, um sich umzustellen. Denn auch sie sind nicht gewöhnt, dass frühzeitig über kommende Entwicklungen gesprochen wird und das führt manchmal zu Verwirrung.

Es ist auf jeden Fall eine interessante Erfahrung, aus der wir lernen. Vor solchen Problemen stehen nur große, komplett offene und erfolgreiche Projekte - und außer KDE gibt es nur wenige, auf die diese Beschreibung passt. Daher müssen wir mit Problemen umgehen, die man ansonsten in der Industrie nicht findet. Aus einer Management- und Kommunikationsperspektive betrachtet ist dies wiederum sehr interessant. Es zeigt auch, dass es heute in Open-Source-Projekten nicht nur um Programmieren geht, wenn man erfolgreich werden soll, es geht auch um Kommunikation und Marketing.

Golem.de: Für Windows Vista hat Microsoft sehr viele Funktionen angekündigt, die dann nicht in das Betriebssystem gelangten. Ist ein Vergleich zwischen Vista und KDE 4 angebracht?

Seigo: Es ist richtig, dass Vista viele der interessanten Frameworks, die Microsoft beworben hat, nicht enthält. Doch wir haben so ziemlich jedes System geschaffen, das wir haben wollten. Es gibt einen großen Unterschied zwischen vorhandenen Frameworks, die noch nicht alle Funktionen haben, wie bei KDE 4.0, und versprochenen, aber überhaupt nicht enthaltenen Frameworks, wie bei Vista.

KDE 4.0
KDE 4.0
Wir haben unter anderem ein neues Desktop-Framework, ein neues "Look & Feel", Desktop-Effekte, eine überall vorhandene Suche mit Metadatenunterstützung, verbesserten Umgang mit Hardware, ein neues Multimediasystem, einen neuen Dateimanager, ein integriertes Instant-Messaging-System und ein System für Groupware-Daten angekündigt. All das findet man in KDE 4.0! Viele dieser Komponenten werden zwischen jetzt und KDE 4.1 noch dramatisch weiterentwickelt, aber das heißt nicht, dass die Frameworks nicht schon vorhanden sind. Wir haben nichts, was wir angekündigt haben, auf dem Fußboden des Schneideraums zurückgelassen - und genau deshalb haben wir so lange gebraucht, um dorthin zu kommen, wo wir jetzt sind.

Der normale Nutzer wird in den nächsten Versionen verfolgen können, wie diese neuen Techniken praktisch verwirklicht werden, nämlich dann, wenn mehr Anwendungen darauf aufbauen.

Und zu guter Letzt: Wir haben weniger als die Hälfte der Zeit gebraucht, die Microsoft für Vista benötigt hat - außerdem hatten wir nur einen Bruchteil ihres Budgets. Wir können das als Team schaffen, da jeder Beteiligte mit viel Leidenschaft dabei ist und wie effiziente Entwicklungsprozesse nutzen.

KDE 4.0
KDE 4.0
Golem.de: Wieso kam es überhaupt zu der Entscheidung, so fundamentale Änderungen an KDE vorzunehmen?

Seigo: Man kann mit Sicherheit sagen, dass im Bereich der Clients - von Handhelds zu Workstations und allem dazwischen - so viele interessantere Entwicklung und innovative Schritte gibt wie seit langem nicht mehr. Im Vergleich dazu waren die späten 1980er- und die kompletten 1990er-Jahre langweilig. KDE war Teil dieser Bewegung und wir hatten das Gefühl, dass es an der Zeit sei, um die Voraussetzungen für ein neues Level an Möglichkeiten zu schaffen. Wir sind Technologen mit einer Leidenschaft für großartige, offene und freie Software - KDE 4 drückt dies für uns aus.

Nachdem wir uns also die Erlaubnis gegeben hatten, über den Tellerrand hinauszuschauen, haben unsere verschiedenen Teams geschaut, was funktioniert, was nicht funktioniert und wie wir es gerne hätten. Das ist nicht einfach, vor allem wenn man ehrlich zu sich selbst ist. Wir fanden heraus, dass KDE 3 zwar viele gute Funktionen hat, dass viele Komponenten aber radikal verbessert werden könnten - und dass wir einige wichtige Teile bisher einfach vergessen hatten.

Das Ziel vor unseren Augen war, dem Nutzer ein besseres Erlebnis zu bieten und unseren Einfluss auszubreiten - von Unix und Linux hin zu MacOS und Windows. Und wir wollten uns selbst eine Basis schaffen, um die beste verfügbare grafische Software zu schaffen. Von diesem Ausgangspunkt war normal und naheliegend, dass wir diese Reihe an Änderungen vorgenommen haben - auch wenn wir wussten, wie viel Zeit und Arbeit es kosten würde.

Golem.de: Es macht den Eindruck, als würden noch mehr Funktionen des Toolkits Qt verwendet - inwiefern macht dies das Leben der KDE-Entwickler einfacher und in welchen Bereichen wird Qt der Vorzug gegeben, anstatt eine eigene Lösung umzusetzen?

Seigo: Wir haben ja schon immer ausgiebig auf die Qt-Funktionen gesetzt, doch mit Qt 4 hat Trolltech uns einfach mehr Möglichkeiten an die Hand gegeben. Vieles, was wir bei der Arbeit an KDE 3 in Qt vermisst haben, ist mit Qt 4 nun Realität. Das reicht von SVG bis hin zu SSL - Qt 4 ist ein sehr beeindruckendes Toolkit.

Aber es ist auch nur das: ein Toolkit. Wir schreiben an einem Desktop und an Anwendungen und so haben wir oft das Bedürfnis weiterzugehen, um Desktop-Integration und Ähnliches zu bieten. Da nutzen wir oft Qts Fähigkeiten, etwa bei der Model/View-Architektur, die Dateiansichten erzeugt und sowohl im Browser Konqueror als auch im Dateimanager Dolphin und im Dateidialog verwendet wird.

Interessant ist, dass Qt heute auch einige unserer Arbeiten verwendet. So sind die HTML-Rendering-Engine WebKit und das Multimedia-Framework Phonon Teil von Qt 4.4. Wir helfen uns heute also gegenseitig.

Golem.de: Der neue Desktop, Plasma, wurde als großes Konzept vorgestellt. Wie viel davon ist bereits in KDE 4.0?

Seigo: Für diese Version haben wir uns darauf konzentriert, das zugrundeliegende Framework zu schaffen und das traditionelle Desktop-Erlebnis bieten zu können. Letzteres war eine Anforderung an Plasma, da all unsere Anwender an diese Art der Arbeit mit Symbolen und so weiter gewöhnt sind. Das ist aber nur eine Sache, die sich mit Plasma umsetzen lässt, das Framework kann viel mehr.

Plasma wurde nicht nur gestaltet, um auf Notebooks und Desktop-Computern zu laufen, sondern soll auch auf Handhelds und UMPCs genutzt werden können. Mit nur wenig zusätzlicher Arbeit soll es weiterhin möglich werden, Plasma auf Unterhaltungselektronik wie Videorekordern und Media-Center-Computern laufen zu lassen.

Um diese Flexibilität zu erreichen, haben wir viel Arbeit in die Plasma-Bibliotheken gesteckt, wodurch Daten und Visualisierung getrennt sind und es möglich wird, Elemente nicht nur in C++, sondern in Skriptsprachen wie JavaScript zu schreiben. Zusätzlich haben wir Konzepte in Plasma, wie skalierbare und auflösungsunabhängige Oberflächen.

KDE 4.0
KDE 4.0
Wir haben in diesem Zuge aber auch mit anderen Projekten zusammengearbeitet, mit X.org beispielsweise oder mit Nvidia, die einige Fehler in ihren Treibern, die im Zusammenspiel mit Plasma auftraten, korrigiert haben. In Qt 4.4 sind ebenfalls Funktionen wie Widgets-on-Canvas, die durch Plasma inspiriert und vorangetrieben wurden. Das hat uns ebenfalls Zeit gekostet.

In KDE 4.0 haben wir also eine traditionelle Desktop-Oberfläche, die ein ziemlich radikales Framework als Grundlage nutzt. Das gibt uns das Potenzial, um Objekte frei zu drehen und ihre Größe zu ändern und beliebige Objekte dahin zu packen, wo man sie gerne haben möchte. Auch die Dashboard-Ansicht, Zoom, der "Ausführen"-Dialog mit Suchfunktion, SVG-Artwork und echte Transparenz geben eine erste Ahnung von dem, was mit unserem Plasma-Framework möglich wird.

KDE 4.0
KDE 4.0
Golem.de: Warum hat sich das KDE-Projekt entschieden, eine eigene Desktopsuche zu entwickeln, anstatt zum Beispiel Beagle zu nutzen?

Seigo: Einfach formuliert: Wir haben nicht unsere eigene Desktopsuche entwickelt. Wir haben mit drei verschiedenen Projekten gearbeitet, eines davon, Strigi, hat es zur Produktionsreife gebracht. Dabei ist Strigi aber komplett unabhängig von KDE.

Überdies haben wir mit Strigi die Xesam-Suchspezifikationen von Freedesktop.org umgesetzt, durch die wir bei Suchanfragen und -ergebnissen in einer Lingua franca sprechen können. Tatsächlich wird dies aber erst ungefähr zu der Zeit von KDE 4.1 verfügbar sein.

Letztlich konnten wir kein anderes Suchsystem wie Beagle nutzen, da keines unseren Anforderungen entsprach. Das fing schon beim hohen Verbrauch von Rechenleistung an, doch wir wollten auch ein semantisches Konzept umsetzen. Dafür benutzen wir nun Nepomuk, das von der Europäischen Union gefördert wird und im Hinblick auf Metadaten, Suchmasken und Speicher neue Wege beschreitet.

Konfrontiert mit diesem mangelhaften Angebot - und keiner Auswahl für einige unserer Anforderungen - hatten wir kaum eine andere Möglichkeit, als an neuen Techniken zu arbeiten. Das geschah sehr zielgerichtet, ohne eine KDE-spezifische Technik zu entwickeln. Strigi und Nepomuk sind beides unabhängige Projekte, die nicht nur aus KDE-Leuten bestehen.

Golem.de: Und wieso wurden Compositing-Effekte in KWin implementiert, anstatt einfach Compiz zu verwenden?

Seigo: Compiz hat den Weg für Compositing-Fenstermanger in X.org gebahnt, aber es ist immer noch ein eher suboptimaler Fenstermanager. Uns ging es ja nicht nur darum, Effekte zu erhalten. Compiz hat noch immer mit vielen Fenstermanagement-Aufgaben Probleme.

Einen soliden Fenstermanager zu schreiben kostet Zeit, ist anstrengend und komplex und es funktioniert nur mit einem Fenstermanager, der so vielen Anwendungssituationen ausgesetzt wird wie nur möglich. Es ist also einfacher, sich anzuschauen, was Compiz in Sachen Compositing geschafft hat und dies in einen guten Fenstermanager zu integrieren, als Compiz zu benutzten und dabei auch an Systeme zu denken, bei denen Effekte nicht funktionieren oder ausgeschaltet sind und letztlich die fehlenden Fenstermanagement-Aufgaben hinzuzufügen.

Ohne Compiz hätten wir vielleicht keine Compositing-Unterstützung in KWin und uns ist bewusst, dass wir den Compiz-Entwicklern Dank schulden. Wir wissen aber auch, dass unseren Nutzern am meisten mit dem Weg gedient ist, den wir eingeschlagen haben. Übrigens haben auch die Entwickler des Gnome-Window-Managers Metacity diesen Weg aus demselben Grund eingeschlagen.

Golem.de: Im Hinblick darauf, aber auch auf die anderen neuen Funktionen stellt sich die Frage nach den Hardware-Voraussetzungen. Wie haben sich diese entwickelt?

Seigo: Graziös zu versagen und herunterzuskalieren ist der Schlüssel. In diesem Bereich kann man viel vom Linux-Kernel lernen: Der läuft sowohl auf sehr kleinen Geräten als auch auf Supercomputern. Das kann man nur erreichen, wenn man der Skalierbarkeit Aufmerksamkeit widmet.

KDE 4.0
KDE 4.0
KWin ist da ein interessantes Beispiel, denn KWin schaltet Composite-Unterstützung automatisch ab, um in die vorhandene Umgebung mit ihrer Hardware zu passen. Dafür wird das System nach seinen Fähigkeiten gefragt, also ob OpenGL und verschiedene X11-Erweiterungen vorhanden sind. Auf Basis der Antworten werden dann die Funktionen aktiviert. Damit läuft KWin auf alter oder einfach schwächerer Hardware sehr gut, kann aber gleichzeitig die Vorzüge moderner Hardware nutzen. Dadurch läuft KWin flüssig auf dem Eee-PC mit Effekten, aber auch auf einem Computer mit einer alten Grafikkarte.

Plasma ist ein weiteres Beispiel, denn es nutzt viele Animationen, die Akzente setzen. Hier genügt es, eine Einstellung zu ändern und die Animationen sind ausgeschaltet, womit Plasma ohne Probleme auf weniger leistungsstarker Hardware läuft.

KDE 4.0
KDE 4.0
Golem.de: Dolphin ist eine KDE-3-Anwendung, die in KDE 4 als neuer Standard-Dateimanager verwendet wird. Warum wird Konqueror für diese Aufgabe nicht weiter genutzt?

Seigo: Wir haben uns nicht für 'entweder oder' entschieden, sondern Konqueror weiter verbessert. Trotzdem sind Konqueror und Dolphin zwei verschiedene Programme, die verschiedene Einsatzgebiete und Nutzer ansprechen. Konqueror ist der Browser, der alles vereint, mit dieser Masse an Funktionen aber auch einige Anwender überrennt. Dolphin ist ein Dateimanager - kein Browser -, bei dem auf bestimmte Funktionen Wert gelegt wurde. Er macht also nur eines: Dateien verwalten. Er zeigt sie nicht an, man kann mit ihm nicht im Internet surfen und so weiter. Trotzdem gibt es etwa Vorschaubilder für Grafiken und das Metadatensystem kann verwendet werden, um Schlagworte zu vergeben.

Die beiden Applikationen vervollständigen sich also, sprechen aber eben auch verschiedene Anwendergruppen an. Die Dolphin-Version in KDE 4 verbessert bereits die Arbeit mit KDE für viele Anwender, wir werden aber natürlich auch in Zukunft an Konqueror weiterarbeiten und diesen verbessern.

Golem.de: Wenn man sich die großen Linux-Distributionen anschaut, dann nutzt nur OpenSuse KDE als Standard-Desktop - und Kubuntu als Ubuntu-Variante. Was für Rückmeldungen hat KDE bisher von den Distributoren bekommen, wann diese KDE 4.0 aufnehmen?

Seigo: Was die Rückmeldungen von den Distributoren angeht, haben wir erst in den letzten Monaten begonnen, Meinungen einzuholen - für diese Frage ist es also noch zu früh. Aber es gibt definitiv Interesse an KDE 4.

Was die großen Namen angeht, glaube ich, dass dies ablenkt. Der Eee-PC ist auf dem Weg, kommenden Sommer 5 Millionen Mal verkauft worden zu sein - macht dies Xandros zu einem großen Namen? Vermutlich nicht in der Community und das ist das große Problem. Die Community ist zu oft kurzsichtigerweise auf ihre eigene Mode konzentiert.

KDE arbeitet weiter mit allen möglichen Betriebssystemherstellern, das reicht von Sun - die uns erst kürzlich Hardware stifteten, damit KDE 4 auch gut unter OpenSolaris läuft - bis zur BSD-Community. Hier ist PC-BSD ein gutes Beispiel. Und natürlich hin zu den ganzen Linux-Distributoren. Jetzt unterstützen wir auch noch Windows und MacOS X als Plattformen.

Wir haben also einige Körbe, in die wir unsere Eier legen können. Ich hoffe, dass die Linux-Anbieter KDEs einzigartige Position erkennen, um Server-Verkäufe voranzutreiben. Denn wir bieten einen Groupware-Client für Windows, der einen nicht an Microsoft Exchange fesselt, um nur ein Beispiel zu nennen. Ich hoffe wirklich, dass sie das erkennen, denn es ist auch für die auf Server konzentrierten Gruppen eine große Möglichkeit, um den Einfluss von Clients auf Server zu beeinflussen - etwas, worin Microsoft lange besser war als die Open-Source-Community.

Golem.de: KDE 4.0 ist die erste große neue Version, seit das KDE-Projekt über Freedesktop.org auch mit dem Konkurrenten Gnome zusammenarbeitet. Sind sich die beiden Desktops dadurch näher gekommen?

Seigo: Wir haben verschiedene neue Spezifikationen in KDE 4 umgesetzt und an neuen mitgewirkt. Beispielsweise ist die schon erwähnte Xesam-Spezifikation ein direktes Ergebnis unseres Interesses an Suche und Metadaten. Wir haben auch unsere Icon- und Mimetyp-Systeme ersetzt, so dass sie den Vorgaben von Freedesktop.org entsprechen und unser altes DCOP haben wir durch D-Bus ersetzt. Zudem wird KOffice 2.0 seine OpenDocument-Unterstützung erweitern. Es gab also signifikante Schritte an der Standardisierungsfront. Wer gewinnt? Alle.

Golem.de: Wie schon erwähnt, zählen Windows und MacOS X nun zu den unterstüzten Plattformen. Welche Priorität genießt dieses Projekt?

KDE 4.0
KDE 4.0
Seigo: Dieselbe wie unsere anderen Vorhaben. Das Mac- und das Windows-Projekt sind mit Mac- und Windows-Entwicklern besetzt, unsere Linux-, BSD- und OpenSolaris-Entwickler werden dadurch nicht abgelenkt, sondern wir haben einfach mehr Entwickler. Wir arbeiten natürlich eng zusammen, um eine einheitliche Code-Basis zu erhalten und das war etwas aufwendiger, denn wir mussten unter anderem unser Build-System wechseln. Aber das war es wert.

Mit den Ports stoßen wir in eine neue Umgebung vor, die uns neue Talente bringt, während wir freie Software und offene Standards dort verbreiten können, wo sie bisher noch nicht so präsent waren. Wir konzentrieren uns aber auch in Zukunft hauptsächlich auf offene Betriebssysteme wie Linux, BSD und OpenSolaris - und wenn dies nur aufgrund unseres Heimvorteils und der gemeinsamen Werte ist... Aber auch die neuen Plattformen geben KDE neue Möglichkeiten und Nutzen.  (js)


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Links zum Artikel:
Aaron Seigos Blog: http://aseigo.blogspot.com/
KDE - K Desktop Environment (.org): http://www.kde.org

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