Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0801/56844.html    Veröffentlicht: 07.01.2008 16:06    Kurz-URL: https://glm.io/56844

Penryn-Offensive: Intel bringt 5 mobile und 7 Desktop-CPUs

Neue Versionen des Core 2 in 45 Nanometern Strukturbreite

Auch wenn weder alle Produkte noch alle dafür gedachten Funktionen schon verfügbar sind - Intel stellt anlässlich der CES in Las Vegas nun 12 neue Prozessoren aus seiner 45-Nanometer-Fertigung vor. Neben den schon länger angekündigten Desktop-Penryns wird dabei auch die Notebook-Plattform "Santa Rosa" aktualisiert, mehr als 2,8 GHz in Mobilrechnern sind jedoch noch nicht drin.

Alle nun vorgestellten Prozessoren gehören zu Intels Penryn-Familie. Wie bereits berichtet, stellt Penryn nach den ersten Core-2-Prozessoren (Codenamen Conroe und Merom) mit 65 Nanometern Strukturbreite nun die ersten Desktop-CPUs in 45-Nanometer-Technik mit einer breiten Produktpalette vor. Der Ende Oktober 2007 vorgestellte QX9650 mit 3 GHz war als Vertreter der extrem teuren Extreme-Serie nur als Vorreiter der Penryns zu betrachten - er diente vor allem dazu, AMDs Vorstellung des Phenom die Schau zu stehlen.

Durch SSE4 beschleunigte Algorithmen
Durch SSE4 beschleunigte Algorithmen
Bei den Penryns soll gegenüber der Core-Architektur vor allem eine neue Divisionseinheit sowie der Befehlssatz SSE4 mehr Leistung bringen. Programme, die darauf besonders angepasst sind, können eine bis zu doppelte Geschwindigkeit erreichen. Als Beispiel führt Intel hier stets den Video-Codec DivX an, der SSE4 ab der Version 6.7 unterstützt.

Alle im Folgenden genannten Prozessoren arbeiten mit einem effektiven FSB-Takt von 1.333 MHz, die Preise beziehen sich auf 1.000er-Stückzahlen für PC-Hersteller und Wiederverkäufer. Der E8190 beherrscht als einzige der CPUs nicht die Virtualisierung (VT) und Trusted-Computing (TXT):


HD-Logos auch ohne externe Grafik
HD-Logos auch ohne externe Grafik
Zum Marktstart hat SSE4 nun auch wieder einmal einen Marketing-Namen im aktuellen Zeitgeist erhalten: Die Erweiterung des Befehlssatzes heißt jetzt "HD Boost" - das "Netburst", wie die Archiktur des Pentium 4 im Internet-Hype genannt wurde, lässt an dieser Stelle schön grüßen. Intel führt beispielsweise stolz an, dass sich mit SSE4 auch Filme von HD-DVDs und Blu-ray Discs ohne Hilfe einer externen Grafikkarte dekodieren lassen sollen, wenn denn die Abspiel-Software entsprechend optimiert ist.

Bei den Desktop-CPUs heißen die einzelnen Kerne "Wolfsdale" (Dual-Core) und "Yorkfield" (Quad-Core). Zusätzlich gibt es sie auch mit 3 oder 6 MByte L2-Cache pro Die, die Vierkerner bestehen weiterhin aus zwei Dual-Core-Dies im selben Chipgehäuse. Unterscheiden lassen sich die Prozessoren aber immerhin an ihrer Modellnummer: Die Serie E8000 des Core 2 Duo (Wolfdale) verfügt über insgesamt 6 MByte L2-Cache, der Core 2 Quad hört nun - wie schon der QX9650 - auf Namen im Schema Q9000 und hat 12 MByte L2-Cache. Die Ausnahme ist nur der Q9300 mit 2,5 GHz, der nur über 6 MByte L2-Cache herrschen darf. Offenbar will Intel hier den Nachfolger des beliebten Q6600 schaffen. Die beiden Dies eines Quad-Penryns mit 12 MByte kommen auf eine Fläche von 214 Quadratmillimetern und bestehen zusammen aus 820 Millionen Transistoren.

Preise der mobilen Penryns
Preise der mobilen Penryns
Die gleichen Abstufungen finden sich bei Intels neuen Notebook-Prozessoren: Die Serie T8000 deutet auf einen Penryn mit 3 MByte L2-Cache hin, T9000 nennen sich die Modelle mit 6 MByte, und der neue Spitzenreiter ist der X9000 mit 2,8 GHz. Trotz gegenüber dem gleich schnellen X7900 verkleinerter Strukturbreite gibt Intel hier aber eine TDP von 44 Watt an - der um 50 Prozent von 4 auf 6 MByte vergrößerte L2-Cache fordert offenbar deutlichen Tribut. Für die anderen neuen Mobil-CPUs gibt Intel eine TDP von 35 Watt an.

Im GM965 jetzt freigeschaltete Funktionen
Im GM965 jetzt freigeschaltete Funktionen
Die neuen Notebook-Penryns passen in Mobilrechner, die den bisherigen Design-Empfehlungen der Santa-Rosa-Plattform entsprechen, auch der Chipsatz GM965 mit integrierter Grafik (GMA X3100) bleibt gleich. Anlässlich der intern "Santa Rosa Refresh" genannten Vorstellung der neuen CPUs hat Intel aber auch die bisher brach liegenden Funktionen für DirectX-10 und T&L per Hardware für die Chipsatz-Grafik freigeschaltet - allerdings fehlt dafür immer noch der passende Treiber. Intel will ihn noch im ersten Quartal 2008 freigeben; ob sich aber auch ältere Santa-Rosa-Notebooks beispielsweise per BIOS-Update entsprechend umrüsten lassen, ist noch unklar.

Tiefschlaf per Deep-C4-Modus
Tiefschlaf per Deep-C4-Modus
Gegenüber den Desktop-Penryns beherrschen die neuen Mobil-CPUs einen neuen Stromsparmodus namens "Deep Power Down", in der Nomenklatur bisheriger Schlafzustände auch "Deep C4" oder "C6" genannt. Hat die CPU gerade nichts zu tun, soll sie 95 Prozent weniger Energie als unter Last aufnehmen. Inwieweit sich das mit real existierenden Anwendungen auswirkt, muss sich allerdings noch zeigen. Im Mittel liefen Santa-Rosa-Notebooks nicht länger als Mobilrechner auf Basis der Napa-Plattform.

Das neue Centrino-Paket
Das neue Centrino-Paket
Während die mobilen Penryns laut Intel ab sofort an die Notebook-Hersteller geliefert werden, ist das bei den Desktop-Prozessoren nur bei Dual-Cores der Fall. Die neuen Quad-Cores - mit Ausnahme des schon verfügbaren QX9650 - sollen nach Intels offiziellen Angaben erst im Laufe des ersten Quartals 2008 verfügbar sein. Grund dürfte der von Intel schon bestätigte Bug im Zusammenhang mit effektiven FSB-Takten von 1.333 MHz und mehr sein, der sich bei vier Kernen deutlicher auswirkt als mit zweien. Die Notebook-CPUs haben darunter nicht zu leiden, da sie ohnehin als Dual-Cores ausgeführt sind und zudem bei einem effektiven FSB-Takt von 800 MHz bleiben.  (nie)


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