Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0712/56728.html    Veröffentlicht: 28.12.2007 20:00    Kurz-URL: https://glm.io/56728

24C3: Paparazzi - Open-Source-Autopilot für Modellflugzeuge

Demo von Flugplanänderungen zweier autonomer Modellflieger über Netzwerke

Auf dem derzeit in Berlin stattfindenden 24. Chaos Communication Congress (24C3) zeigten Martin Müller und Antoine Drouin von der Ecole Nationale de l'Aviation Civile (ENAC) vor versammeltem Hacker-Publikum wie ein wenig kostenintensiver GPS-basierter Autopilot aussieht. Mit der ebenfalls dafür entwickelten Software lassen sich mit einem Netzwerk sogar mehrere Flugzeuge an verschiedenen Standorten verwalten.

Paparazzi ist ein vielversprechender Versuch, eine freie und gleichzeitig günstige Hard- und Softwarelösung zu finden um Modellflugzeugen (Sowohl Dreh- als auch klassische Starrflügelflugzeuge) per Autopilot fliegen zu lassen.

In Berlin demonstrierten Müller und Drouin die Fähigkeiten des Paparazzi-Systems über Netzwerke. In Hildesheim und Toulouse standen Modellflugzeuge mit Kamera, GPS und Autopilot bereit. Für den Start der Flieger und zur Sicherheit war vor Ort jeweils Modellflugzeugpilot vorhanden. Kommuniziert wurde mit den Teams ganz herkömmlich via Jabber und Mobiltelefon.

Der Start und die Landung muss noch manuell durchgeführt werden und entsprechend abgesprochen werden. Bei Problemen übernimmt zudem ein normaler Pilot vor Ort die Kontrolle. Während der Demonstration bewegte sich jedoch ein Flieger außerhalb des Sichtbereichs des Piloten vor Ort, was aus Berlin aber schnell korrigiert wurde. Ursprünglich sollte auch in Istanbul ein Flieger bereitstehen, das klappte jedoch mangels Reservepilot nicht.

Paparazzi Ground Control Station
Paparazzi Ground Control Station
Über eine einfache DSL-Leitung wurden von beiden Standorten Livebilder und Flugdaten der Flugzeuge übertragen und in der "Paparazzi Ground Station" präsentiert. Von Berlin aus wurden die beiden Flieger Anhand von Wegpunkten gesteuert, während die Anwesenden die Bilder von deren Kameras sehen konnten. Dank einer Integration von Google Earth wurden die Navigationsdaten anschaulich präsentiert und Änderungen der Navigationspunkte waren genauso nachvollziehbar wie die Flugroute und die engeblendeten Bilder. Die Projektteilnehmer betonten, dass ihnen auch die Ergonomie der Software wichtig ist.

Der Autopilot selbst kann mit den Kameradaten nichts anfangen. Vielmehr ist die Kamera eine reine Nutzlast. Über einen GPS-Empfänger an Bord des Modells erfolgt die Bestimmung von Position und Richtung, das Flugobjekt wird Anhand eines Flugplans gesteuert. Der Autopilot beherrscht dabei auch verschiedene Figuren, die um einen Navigationspunkt geflogen werden, etwa ein Kreis oder eine Acht.

Für die Höhenbestimmung nutzen die Flieger vier günstige Infrarot-Thermometer, die Richtung Himmel, Boden, nach rechts und nach links zeigen. Über entsprechende Temperaturunterschiede misst das System dann sowohl die tatsächliche Höhe als auch wie weit das Flugzeug auf der Längsachse gedreht ist. Beim Flug über Häuser oder Bäume kann das System jedoch durch andere Temperaturen etwas ungenau werden, dafür ist es sehr günstig.

Das GPS-Board samt Prozessor zum Fliegen müssen Interessierte derzeit leider selbst zusammenbauen. Man sucht aber bereits nach einem Partner, der diese in Masse fertigen kann. Dies gilt für andere Einbauten ebenso. Das System soll dank günstiger Komponenten vor allem Zeit kosten, nicht unbedingt viel Geld.

Auch wenn der Autopilot mittlerweile sehr zuverlässig arbeiten soll, wollte man ihn in Berlin nicht direkt präsentieren. Es fehlt in der Nähe des Berliner Congress Centrums an ausreichenden Freiflächen auf denen keine Personen unterwegs sind. Der Berliner Alexanderplatz wäre sicherlich keine gute Idee gewesen.

Die Modellflieger sind mit etwa 300g dabei leichter als so manche gemeine Stadttaube, dennoch müssen die kleinen Modellflieger im Unterschied zur Taube einige Regeln in der Luftfahrt beachten.

In der Nähe von Bordeaux konnte man nach langen Verhandlungen mit den Behörden einen der Flieger etwas höher steigen lassen, wobei die entsprechenden Regeln für Flugzeuge dann auch für den Modellflieger mit Autopilot galten und zusätzlicher Funkverkehr notwendig war. Der Pilot des kleinen Modells war bei diesem Versuch tatsächlich mit der zuständigen Flugsicherung in Kontakt. In Island wurde ebenfalls ein Test unter etwas raueren Bedingungen durchgeführt. Auch dort durfte ein Modell außerhalb des Sichtbereichs in über einem Kilometer Höhe fliegen - die Verhandlungen gestalteten sich dort weniger schwierig, wie die beiden Sprecher betonten.

Man hofft in Zukunft die Behörden davon überzeugen zu können, dass die Modelle nicht den Regeln des normalen Luftverkehrs untergeordnet werden müssen. Auch andere Projekte, wie DIY-Dronen die ebenfalls an Autopiloten (unter anderem auf Basis von Lego Mindstorms) arbeiten, fliegen derzeit in einer rechtlichen Grauzone. Immerhin soll die FAA in den USA bereits über eine Veränderung der Regeln nachdenken. DIY-Dronen haben vor einiger Zeit Luftbilder für das OpenStreetMap-Projekt beigesteuert.

Die Paparazzi-Software selbst kann über Plug-Ins erweitert werden. So gibt es eine Anbindung an Google Earth und selbst mit dem freien Flugsimulator Flightgear soll Paparazzi zusammenarbeiten können.

Weitere Informationen zum Paparazzi-Projekt gibt es auf der Projekt-Homepage unter paparazzi.enac.fr.  (ase)


Verwandte Artikel:
Presseverbände kontra Anti-Spanner-Gesetz wegen Foto-Handys   
(09.02.2004, https://glm.io/29656 )
Tesla: Autonom fahren und Versicherung sparen   
(07.12.2017, https://glm.io/131534 )
Elektroauto: Teslas Truck soll autonom fahren   
(10.08.2017, https://glm.io/129414 )
Autonomes Fahren: Tesla wertet Videoclips seiner Autos aus   
(09.05.2017, https://glm.io/127717 )
CT6: Cadillac macht Tesla beim assistierten Fahren Konkurrenz   
(11.04.2017, https://glm.io/127241 )

Links zum Artikel:
Paparazzi Projektseite (.fr): http://paparazzi.enac.fr/

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/