Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0712/56444.html    Veröffentlicht: 07.12.2007 12:29    Kurz-URL: https://glm.io/56444

Toyota präsentiert geigenden Roboter

Robotik als Kerngeschäft bis 2020

Mit Maschinenmusik verbindet man die Musik von Bands wie Kraftwerk oder kraftvolle Technobeats, weniger jedoch klassische Klänge. Die entlockte jedoch ein von Toyota entwickelter Roboter mit einer Geige. Der japanische Autohersteller will seine Robotiksparte in den kommenden Jahren stark ausbauen. Die japanische Regierung fördert diese Zukunftsbranche.

Toyota hat in Tokio einen musizierenden Roboter präsentiert. Der 1,50 Meter große weiße Roboter entlockte seiner Geige den Marsch "Pomp and Cirumstance" des englischen Komponisten Edward Elgar. 17 Gelenke in seinen Händen und Armen verleihen ihm eine Fingerfertigkeit, die - so Toyota - der menschlichen vergleichbar ist. Flüssig ließ er mit der rechten Hand den Bogen über die Saiten gleiten, während die Finger seiner Linken die Saiten am richtigen Ort auf den Hals hinunterdrücken.

Der noch namenlose Geiger war allerdings nicht der erste Robomusiker, den der Autohersteller konstruiert hat: 2005 hatte Toyota robotische Trompeter zur Eröffnung einer Roboter-Ausstellung aufspielen lassen.

Hinter dem, was auf den ersten Blick nach technischer Spielerei aussieht, stecken indes handfeste wirtschaftliche Interessen: Ähnlich wie die westlichen Industrienationen droht auch der japanischen Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten eine Überalterung. Unternehmen wie Toyota suchen nach technischen Lösungen etwa für die Pflege. So präsentierte der Autohersteller neben dem noch namenlosen Robogeiger noch Mobiro, eine Art Roboter-Rollstuhl. Der Mobilitätsroboter navigiert selbstständig um Hindernisse herum, kann Treppen steigen und zuckelt - sollte sein menschlicher Begleiter lieber laufen wollen - auch einfach als Gepäckträger hinterher.

Für seine maschinellen Helfer sieht Toyota denn auch vier Haupteinsatzgebiete: Neben der Produktion, wo sie heute schon vielfach eingesetzt werden, sind das Haushalt, Krankenpflege sowie medizinische Versorgung und schließlich Personentransporte über kurze Distanzen. Um sich auf dem Gebiet der Robotik entsprechend zu positionieren, will Toyota die zuständige Entwicklungsabteilung auf rund 200 Mitarbeiter aufstocken. Derzeit tüfteln etwa halb so viele Entwickler an den Arbeitsmaschinen. Laut des neuen Unternehmensplans "Global Vision 2020" soll die Robotik bis Ende des nächsten Jahrzehnts zum Kerngeschäft von Toyota gehören.

Für einen Autohersteller wie Toyota ist der Schritt in die Robotik in der Tat naheliegend. In vielen Produktionshallen haben Maschinen die Arbeit von Menschen übernommen. Und auch in den Produkten, den Autos, steckt inzwischen eine Menge künstlicher Intelligenz, etwa Sensoren oder Unfallverhütungssysteme, die auch bei der Steuerung von Robotern eingesetzt werden kann.

Die japanische Regierung sieht in der Robotik eine wichtige Zukunftsbranche und hat erst kürzlich Unternehmen aufgefordert, diesen Wirtschaftszweig auszubauen. Als führend auf diesem Gebiet gelten der Toyota-Konkurrent Honda, der bereits Ende 2000 den humanoiden Roboter Asimo vorstellte, und der Elektronikkonzern Sony, dessen Roboterhund Aibo bewies, dass sich Roboter durchaus gut in den Haushalt einfügen.  (wp)


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