Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0712/56443.html    Veröffentlicht: 07.12.2007 14:06    Kurz-URL: https://glm.io/56443

Spieletest: Crysis - High-End-Shooter oder Hype-Action?

Cryteks zweites Spiel stellt maximale Ansprüche an die Hardware

Mit Spannung erwartete Action-Titel im diesjährigen Weihnachtsgeschäft gab und gibt es einige. Ein Großteil von ihnen konnte die in sie gesteckten Erwartungen allerdings nicht voll und ganz erfüllen - man denke etwa an Assassin's Creed oder Timeshift. Jetzt ist endlich auch Crysis verfügbar; und hat, trotz aller unbestreitbarer Klasse, mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen.

Crysis (Windows-PC)
Crysis (Windows-PC)
Mittlerweile ist es ja keine Seltenheit mehr, dass vor der Veröffentlichung eines mit Spannung erwarteten Titels mit Superlativen alles andere als gegeizt wird - Crysis sollte ja nicht nur der schönste und spannendste, sondern gleich ganz einfach beste Shooter aller Zeiten werden. Vorab wurde dies vor allem mit Grafik-Demos verdeutlicht; und zumindest in diesem Punkt haben die Entwickler von Crytek auch Wort gehalten.

Crysis
Crysis
Crysis sieht streckenweise unglaublich gut aus: Der dichte Dschungel strotzt nur so vor Details, der Palmenstrand wirkt dank Wettereffekten, kleinen Tieren und unzähligen anderen Extras beeindruckend lebendig, die Gesichteranimationen sind hervorragend, und auch die weiteren Szenerien wie Eislandschaften oder Höhlen überzeugen. Allerdings ist der Preis, den man hardwaretechnisch dafür zahlen muss, extrem hoch: Wer keinen hochgerüsteten High-End-PC sein Eigen nennt, wird nur einen Bruchteil der optischen Klasse von Crysis wirklich erleben.

Für die Story gilt das natürlich nicht, die darf auch auf einem betagteren PC komplett erlebt werden - nur leider entpuppt sich die als einer der ganz großen Schwachpunkte von Crysis. Wir schreiben das Jahr 2019 und Nordkorea treibt auf einer eigentlich paradiesischen Insel seltsame Experimente. Als eine Truppe von Wissenschaftlern verschwindet, wird eine US-Elite-Einheit auf das Eiland zur Erkundung ausgeschickt - angeführt natürlich vom Spieler. Der muss sich allerdings nicht nur mit nordkoreanischen Soldaten, sondern später dann auch noch mit Außerirdischen herumschlagen; so weit, so unspektakulär.

Crysis
Crysis
Immerhin hat Crytek das zwölf Jahre in der Zukunft angesiedelte Szenario genutzt, um das Gameplay mit ein paar futuristischen Extras aufzuwerten. Das wichtigste davon: Der Spieler trägt einen hochmodernen Nano-Suit - und der hält gleich eine ganze Reihe von Überraschungen bereit. Per Knopfdruck wird ein kreisförmiges Menü aktiviert, aus dem sich dann vier Betriebsmodi auswählen lassen. Wer sich für Stärke entscheidet, kann plötzlich auch schwere Gegenstände oder feindliche Soldaten durch die Luft schleudern. Wird hingegen die Tarnung aktiviert, bleibt man vorübergehend unentdeckt. Die Tempo-Option lässt einen rasend schnell durch den Dschungel oder andere Gebiete rennen, und wird Verteidigung aktiviert, lassen sich feindliche Schüsse leichter wegstecken.

Crysis
Crysis
Die Auswahl der einzelnen Optionen ist zwar etwas hakelig, dafür bringt der Hightech-Anzug einiges an Taktik mit ins Spiel - und lässt natürlich auch schnelle Wechsel zwischen den einzelnen Modi zu, was viel Spaß macht. Unbegrenzt sind die Extras aber nicht verfügbar: Ebenso wie sich die eigene Gesundheit nur in Ruhepausen regeneriert, muss auch die für den Anzug verwendete Nano-Energie immer wieder neu aufgeladen werden.

Und kleinere Pausen müssen einige eingelegt werden - was nicht nur an der sehr guten KI, sondern auch an der Hartnäckigkeit der Kontrahenten liegt; die scheinen auf allen Spielstufen einiges an Treffern wegstecken zu können. Dafür suchen sie aber auch realistisch Deckung und gehen taktisch klug vor - sieht man mal von einigen kleineren Aussetzern ab, wo einfach nicht oder falsch reagiert wird.

Crysis
Crysis
Die Auswahl an Schusswaffen ist, wie es sich für einen Shooter gehört, recht groß und reicht von Pistolen über MGs bis hin zum Raketenwerfer. Und wer einmal ein Schutzschild benötigt, kann dafür auch feindliche Unterstützung einholen - da wird dann etwa ein koreanischer Soldat mit der linken Hand am Hals gepackt und vor den eigenen Körper gehalten, während die andere Hand weiter die Waffe bedient. Auch Fahrzeuge stehen wieder zur Verfügung, wobei in den einzelnen Missionen viel Abwechslung angesagt ist - vom Buggy über einen Panzer bis hin zum Boot oder Flieger reicht das Arsenal. Die Bedienung der Vehikel gestaltet sich dabei angenehm unkompliziert.

Etwas unbefriedigend ist dafür der Ablauf der einzelnen Untermissionen: Crysis präsentiert sich zwar zunächst mit einer recht großen, offenen Welt; allerdings nennt einem das Spiel schon recht genau, was wann getan werden muss - prinzipiell ist das Ganze also recht linear. Und auch wenn sich oft theoretisch diverse Lösungswege anbieten, ist doch meist einer davon derart überlegen, dass die meisten Spieler wohl auf dieselbe Art und Weise vorgehen dürften.

Crysis
Crysis
Auch wenn die Story von Crysis zum Ende hin wieder etwas an Fahrt aufnimmt, sorgt das Ende des Spiels für lange Gesichter - einerseits, da man kaum mehr als zehn Stunden bis zur Abschlusssequenz benötigt; andererseits, weil die Geschichte abrupt aufhört und doch etwas zu deutlich auf einen Cliffhanger gesetzt wird. Danach bleibt dann nur noch der Multiplayer-Modus, in dem "Instant Action" ausgewählt oder aber auch taktisch um Militär-Einrichtungen gekämpft werden darf - nett, aber doch eher Genre-Standard.

Crysis ist bereits im Handel erhältlich und kostet etwa 50,- Euro. Das Spiel hat von der USK keine Jugendfreigabe erhalten.

Fazit:
Crysis hält einige seiner großen Versprechungen - aber eben längst nicht alle. Das Spiel ist optisch streckenweise eine Sensation - solange man einen Hochleistungsrechner zu Hause stehen hat. Die KI ist hervorragend - abgesehen von einigen Aussetzern. Der großen Fahrzeugvielfalt und dem gelungenen Nano-Suit stehen eine nur theoretisch nichtlineare Welt und eine abgedroschene Story entgegen. Am Ende bleibt es zweifelsohne einer der besten Shooter des Jahres - aber mit Sicherheit keine bahnbrechende Genre-Sensation.  (tw)


Verwandte Artikel:
Spielebranche: Crytek-Chef Cevat Yerli zieht sich zurück   
(28.02.2018, https://glm.io/133062 )
Crytek: Hunt Showdown kämpft sich in die Steam-Charts   
(26.02.2018, https://glm.io/133002 )
Far Cry 5: Season Pass bietet Zombies, Aliens, Vietnam und ein Remake   
(02.02.2018, https://glm.io/132561 )
SOS: Pubg plus Dschungelcamp   
(24.01.2018, https://glm.io/132351 )
Gaming: Über 3 Millionen deutsche Spieler treiben regelmäßig E-Sport   
(22.01.2018, https://glm.io/132296 )

Links zum Artikel:
Crytek: http://www.crytek.de
Electronic Arts: http://www.electronicarts.de/
Electronic Arts (.com): http://www.ea.com/

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/