Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0711/56270.html    Veröffentlicht: 29.11.2007 12:12    Kurz-URL: https://glm.io/56270

"Killerspiele": Psychotherapeuten fordern Verbot

"Killerspiele sind wie Landminen für die Seele"

Die "Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie" (GWG) hat sich für ein Verbot so genannter "Killerspiele" ausgesprochen. Die Medienkompetenz von Jugendlichen würde durch gewalthaltige Spiele nicht gefördert, vielmehr würden junge Menschen durch das Spielen solcher Titel ihr Mitgefühl verlieren. Entsprechende Studien zitiert die GWG jedoch nicht.

In einer Pressemitteilung nimmt der nach eigenen Angaben mit über 4.000 Mitgliedern größte Fachverband für Psychotherapie in Europa die Vorweihnachtszeit zum Anlass, Eltern "keine Killerspiele zu Weihnachten" zu empfehlen. Gleichzeitig fordert die GWG aber auch, "gewaltverherrlichende Spiele gesetzlich zu verbieten, damit der Grundkonsens einer humanen Gesellschaft erhalten bleibt". Das ist jedoch unnötig: Laut Paragraf 131 Strafgesetzbuch sind bereits Medien verboten, die eine "Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten" ausdrücken - auch deren Herstellung.

In ihrer Definition eines "Killerspiels" beruft sich die GWG auf eine Drucksache des Bundesrats, bei der es sich um den Gesetzentwurf aus Bayern vom Februar 2007 handelt (PDF). Die GwG zitiert daraus, es gehe um "Spielprogramme die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen darstellen und dem Spieler die Beteiligung an dargestellten Gewalttätigkeiten solcher Art ermöglichen." Eine weitere Einschränkung des Begriffs von "gewaltverherrlichenden" oder "Killerspielen" nimmt die GWG nicht vor. Vielmehr liefert sie eine Liste von Gewalthandlungen, die Inhalt von Spielen sein können, bei denen die Eltern hellhörig werden sollen. Diese Aufzählung reicht von Bedrohung bis zum Abtrennen von Gliedmaßen - zumindest für Letzteres kaum ein Spiel bekannt, bei dem ein solches Spiel in Deutschland eine Freigabe unter 18 Jahren erhalten hätte.

Ungeachtet der Tatsache, wie Jugendliche an solche Titel kommen, sind "Killerspiele wie Landminen für die Seele", so Elke Ostbomk-Fischer, Hochschuldozentin und GwG-Mitglied. Herstellung und Verbreitung sollten daher strafbar sein: "Die Medienverwahrlosung junger Menschen hat in den vergangenen Jahren ein derart erschreckendes Ausmaß erreicht, dass die politisch Verantwortlichen umgehend handeln müssen, bevor eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen vom Strudel der Gewalt mitgezogen wird."

Als Beleg für die Schädlichkeit von gewalthaltigen Computerspielen führt die GWG keine wissenschaftlichen Studien an, sondern die " Erfahrungen vieler Fachkräfte der GwG aus psychotherapeutischen Beratungsstellen und schulpsychologischen Diensten". Eine immer wieder geforderte "Medienkompetenz" will die Gesellschaft durch Spiele nicht gebildet sehen, vielmehr sei der Begriff von "Spieleherstellern vereinnahmt". Zudem gebe es Wissenschaftler, welche der Computerindustrie nahestünden und daher Argumente pro Computerspiel liefern würden.

Woher die gewalthaltigen Spiele kommen, weiß die GwG auch genau: "Solche Spiele wurden ursprünglich für das US-amerikanische Militär als Kriegssimulationen entwickelt. Sie haben den Zweck, bei Soldaten die Tötungshemmung abzubauen und ihre 'Killer-Effizienz' zu erhöhen." Dass es für alle Spiele in Deutschland eine rechtsverbindliche Einstufung nach Altersklassen gibt, erwähnt die GwG mit keinem Wort.  (nie)


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Links zum Artikel:
Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie (GwG) : http://www.gwg-ev.org/

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