Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0711/55901.html    Veröffentlicht: 09.11.2007 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/55901

Test: Asus Eee-PC in der Praxis

Günstiges Mini-Notebook mit Linux

Mit dem Eee-PC, einem mobilen Computer für 299,- Euro, definiert Asus eine neue Gerätekategorie. Zwischen PDA, Media-Player und Mini-Notebook sitzt der Eee auf jedem Stuhl ein bisschen. Und obwohl die Komponenten weder besonders schnell noch sparsam sind, gehen Arbeitstempo und Laufzeit in Ordnung.

Bereits im Juni 2007 meldeten US-Medien, dass Asus und Intel zusammen an einem Notebook arbeiten, das nur 200,- US-Dollar kosten und besonders kompakt sein soll. Als inoffizieller Nachfolger des Classmate PC von Intel, der nur für Bildungsprojekte zum Einsatz kommt, sollte dieser Rechner frei verkauft werden. Seitdem ist das Interesse vor allem bei Technik-Fans riesig: Rund um den Eee-PC gibt es inzwischen zahlreiche Foren und Blogs, viele Anwender überlegen sich, was man außer der vorgesehenen Nutzung mit dem Gerät noch so alles anstellen könnte.

Asus gab sich bei der Vorstellung des Geräts für den deutschen Markt in Hamburg am 6. November 2007 sichtlich Mühe, die Erwartungshaltungen zu dämpfen: Es sei "kein Notebook", betonte Vertriebschef Oliver Barz mehrfach, der Rechner wurde auch von Model-Familien vorgeführt und soll entsprechend einem alten Sony-Slogan offenbar als "My first Notebook" auch Kinder ansprechen.

Größenvergleich mit 12-Zoll-Notebook (Widescreen)
Größenvergleich mit 12-Zoll-Notebook (Widescreen)
Zum Test stand uns die US-Variante des Modells 701 alias "4G" zur Verfügung, das mit einer 4 GByte Solid State Disc (SSD) und 512 MByte Hauptspeicher ausgestattet ist. Zum Marktstart sollen aber Tastatur und Software komplett eingedeutscht werden. Das BIOS beließen wir bei der vorhandenen Version 204, auch wenn schon neuere Beta-Ausgaben erschienen sind. Schon beim Auspacken aus der in Pastelltönen gestalteten Schachtel wird aber klar: Um ein Kinderspielzeug handelt es sich hier nicht, auch das Wort "billig" kommt nicht in den Sinn: Mit Schutzfolie fürs Display und sauber verpacktem Zubehör präsentiert sich der Eee-PC eher wie ein normales Notebook - eben nur ein sehr kleines.

Verpackung in Pastell-Farben
Verpackung in Pastell-Farben
Mitgeliefert werden ein Handbuch, eine Schnellanleitung, ein Stecker-Netzteil, ein Akku sowie eine DVD, auf der sich Dokumentation, Treiber für Windows XP und das Image der vorinstallierten Software befinden. Lobenswert ist die ebenfalls in der Verpackung zu findende Einstecktasche aus dehnfähiger Kunstfaser, die man bei vielen teureren Notebooks erst als Zubehör kaufen muss.

Design und Haptik

Auswölbung für großen Akku
Auswölbung für großen Akku
Schon beim Anstecken des Akkus wird klar: Hier folgt die Form der Funktion, nicht umgekehrt. Stehen normale Windows-Notebooks oft auf ihrem Stromspender, so befindet sich beim Eee-PC hinten unten gleich eine Ausbuchtung, auf der die Gummifüße sitzen. Die vier Zellen des 5.200 Milliampere-Stunden starken Akkus sieht man dem Modul auch gleich an - so viel Energie speichern auch Akkus von weit größeren Mobilrechnern. Am Eee fällt die Stromversorgung aber kaum auf, sie passt sich gefällig in die Gestaltung des Rechners ein. Dafür ist der Rechner dann aber auch etwas Po-lastig: Voll aufgeklappt - ganz flach legen lässt sich das Display nicht - steht der Eee zwar noch stabil auf dem Schreibtisch, auf dem Schoß neigt er aber bei Benutzung zum Umkippen nach hinten. Dieses Problem zeigt sich auch bei vielen anderen Mini-Notebooks.

Weiter reißt der Eee-PC die Klappe nicht auf
Weiter reißt der Eee-PC die Klappe nicht auf
Das Testgerät ist mit einem sehr stabil wirkenden, perlmuttschimmernden Gehäuse eingefasst, neben mattem Schwarz ist das für den deutschen Markt die bisher einzige Farbe. Zwar rät Asus im Handbuch, das Gerät nie am Display hochzuheben - das klappt jedoch ohne Knacken oder gar Beschädigung. Der Deckel schließt mit einem leichten Federzug, Magneten oder eine mechanische Verriegelung sind nicht vorgesehen. Neben dem entspiegelten 7-Zoll-Display mit 800 x 480 Pixeln sitzen winzige Stereo-Lautsprecher, die überraschend viel Lautstärke produzieren, aber keinerlei Bässe erahnen lassen. Handy-Quäken sind sie dennoch deutlich überlegen, so dass man sich schon vor den Eee-PCs von Teenagern in öffentlichen Verkehrsmitteln fürchten darf.

Webcam im Betrieb
Webcam im Betrieb
Die Webcam mit 640 x 480 Pixeln Auflösung befindet sich wie üblich über dem Display, sie war jedoch - vermutlich aus Gründen des Stromsparens - im BIOS abgeschaltet. Das eingebaute Mikrofon sitzt an der Unterseite der Vorderkante und nimmt entsprechend leise auf.

Tastatur im Maßstab 1:1 (nach Klick)
Tastatur im Maßstab 1:1 (nach Klick)
Die Tastatur nimmt die gesamte Gehäusebreite ein, ist aber dennoch sehr klein - an 10-Finger-Schreiben ist dabei nicht zu denken. Die Tasten arbeiten aber sehr präzise, verfügen jedoch über einen recht harten Anschlag. Sonderzeichen im rechten Bereich sind nochmals schmaler, hier finden bei der deutschen Version dann auch die Umlaute Platz. Kann man das gerade noch verschmerzen, so ist die Platzierung der rechten Umschalttaste rechts neben dem Pfeil-Block - und nicht darüber wie sonst - sehr unüblich. Das gilt auch für die einzeilige Enter-Taste, was jedoch in den USA durchaus üblich ist. Unter der Tastatur sitzt eine Wanne, die zumindest ein paar Spritzer des häufigen Kaffee-Unfalls auf dem Schreibtisch abfangen kann. Die mit einem Haus bezeichnete Taste, auf der sonst ein Windows-Symbol sitzt, führt stets ins Hauptmenü zurück. Das nebenstehende Bild zeigt auf einem 15,4-Zoll-Display mit 1280 Pixeln Breite die Tastatur im Maßstab 1:1.

Rückseite mit vielen Lufteinlässen
Rückseite mit vielen Lufteinlässen
Sämtliche Kanten des Gehäuses sind leicht gebrochen, es gibt im zugeklappten Zustand keine vorspringenden Teile, an denen das Gerät in der Tasche hängen bleiben könnte. Auch die Schnittstellen sind sauber eingepasst, die Verarbeitung wirkt durchweg hochwertig. Sehr gewöhnungsbedürftig ist jedoch das Touchpad, nicht nur wegen seiner Größe von 4,5 x 3 Zentimetern. Der Mausklick darauf klappt nur nach festem Klopfen, wie bei anderen Asus-Notebooks ist die Maustaste einteilig ausgeführt, die Tasten "Links" und "Rechts" verstecken sich ganz am Rand des schmalen Silberriegels.

Schnittstellenausstattung und Hardware

Ports rechts
Ports rechts
Vorne rechts an der Basiskante des Eee-PC sind die Statusleuchten eines herkömmlichen Notebooks angebracht: Power-LED, Ladekontrolle, Festplattenzugriff und WLAN-Lämpchen. Letzteres leuchtet blau - Bluetooth beherrscht der Eee-PC jedoch nicht. An der rechten Seite sitzen zwei USB-2.0-Ports, ein Card-Reader für SD-Karten und MMCs, zwei USB-Ports und ein VGA-Ausgang. Dieser produzierte bis 1.280 x 1.024 Pixel an einem analogen TFT-Monitor noch ein ordentliches Bild ohne Kantenrauschen, darüber war das Bild matschig. Der Leser für Speicherkarten beherrscht - obwohl das Handbuch das nicht sagt - auch SDHC-Medien.

Ports links
Ports links
Links sitzen von vorne betrachtet Kopfhörer-Aus- und Mikrofon-Eingang sowie ein USB-Port, Modem-Buchse und Fast-Ethernet. Das 56k-Modem war beim Testgerät jedoch per Deckel verschlossen, der Rechner soll auch in Deutschland so erscheinen. Zwischen USB-Buchse und den Ton-Ports befindet sich ein 2 Zentimeter kleiner Luftauslass - ja, der Eee-PC kommt leider nicht ohne Lüfter aus. Ganz ohne bewegliche Teile - auch wenn das manchmal behauptet wird - geht es bei diesem Modell eben noch nicht. Der Lüfter springt nur unter hoher Last an und ist dann deutlich hörbar. Wie sehr er stört, hängt vom Untergrund ab, denn der Propeller ist direkt an der Unterschale verschraubt. Über eine stufenlose Regelung scheint er nicht zu verfügen.

PCI-Devices des Eee-PC
PCI-Devices des Eee-PC
Asus hat bisher nur in Händlerunterlagen Details zur Hardware des Eee-PC verraten, in den öffentlichen Datenblättern ist stets nur von einer "Intel CPU" und ebensolchem Chipsatz zu lesen. Der Befehl lspci in einer Linux-Shell fördert jedoch zu Tage, dass es sich um den Chipsatz 915GML handelt, Ethernet und 820.11b/g-WLAN stammen von Atheros - deren Chips sind schlicht billiger als die Intel-Bausteine. Der 915-Chipsatz arbeitet im Eee-PC nur mit einem Speicherkanal, folglich muss man das Speichermodul von SiS bei einer Erweiterung austauschen. Forenberichten zufolge funktionieren DDR2-667-Module - die aber nur mit effektiv 400 MHz betrieben werden - mit 1 GByte als SO-DIMM im Eee-PC aber problemlos.

Oben Mini-PCIe, unten SO-DIMM
Oben Mini-PCIe, unten SO-DIMM
Erweitert wird der Speicher über einen Deckel an der Unterseite des Eee-PC. Dort findet sich auch noch ein leerer Mini-PCIe-Steckplatz. Unbestätigten Angaben zufolge plant Asus als Zubehör und für kommende Ausgaben des Rechners ein DVB-T-Modul - den passenden Antennenanschluss konnten wir aber nicht auf Anhieb finden. Findige Bastler werden sich dieses Slots aber sicher bald annehmen, etwa mit einer weiteren Flash-Festplatte.

Daten laut CPUID
Daten laut CPUID
Der Prozessor ist laut CPUID-Befehl ein Celeron M aus der 353-Familie mit 900 MHz. Er arbeitet mit einem Dothan-Kern, also dem Äquivalent des zweiten Pentium M, aber nur mit 512 KByte L2-Cache. Laut Intels Datenblatt verfügt die CPU über eine typische Leistungsaufnahme von rund 5 Watt - kein Wunder, sie ist noch in 90 Nanometern Strukturbreite hergestellt. So erklärt sich auch, warum der Eee-PC für seine rund 3,5 Stunden Laufzeit einen derart dicken Akku benötigt.

Damit ist in dem kleinen Rechner ein Prozessor verbaut, der denen in der zweiten Generation von UMPCs recht ähnlich ist. Erst 2008 will Intel mit 'Silverthorne' einen eigens für ultramobile Geräte entwickelten x86-Prozessor mit weniger als 1 Watt Leistungsaufnahme, aber deutlich höherer Rechengeschwindigkeit als bisher vorstellen. Die in Foren geäußerte Vermutung, der Eee-PC würde im Akku-Betrieb nur mit rund 600 MHz arbeiten - was die UMPC-Prozessoren beherrschen -, konnten wir nicht nachvollziehen. Ein ohnehin schon ruckelndes Video wurde auch beim Trennen der Stromversorgung nicht langsamer. Eine endgültige Antwort von Asus zum Takt des Eee-Prozessors steht aber noch aus. Eine Auswahl an Standard-Geräten wie USB-Sticks, Mäuse und externe Festplatten lief auf unserem Testgerät auf Anhieb.

Linux auf dem Eee-PC

Auf dem Eee-PC hat Asus eine Linux-Variante des Anbieters Xandros installiert, der wiederum die Software des Debian-Projektes als Grundlage verwendet. Das System setzt auf den Kernel 2.6.21, der an sich dynamische Ticks unterstützt, um den Prozessor bei wenig Last häufiger in den Energiesparmodus verfallen zu lassen und so die Leisstungsaufnahme zu senken. Im Kernel des Eee-PCs ist aber genau diese gerade für Notebooks sinnvolle Funktion ausgeschaltet. Hier hilft nur, sich einen eigenen Kernel zu übersetzen, was allerdings nur etwas für Bastler ist, zumal die Kernel-Quellen auf dem Gerät noch nicht vorhanden sind. Asus veröffentlicht jedoch nach und nach für verschiedene Sprachen die Distributionen auf einem eigenen Webserver.

Fraglich auch, warum als Dateisystem Ext2 zum Einsatz kommt, das im Unterschied zum Nachfolger Ext3 keine Journaling-Funktion für erhöhte Datensicherheit hat. Bleibt der Strom plötzlich weg und kommt es so zu einem inkonsistenten Dateisystem, wird der Anwender im schlimmsten Fall mit dem Werkzeug "fsck" alleine gelassen und kann versuchen, sein Dateisystem wieder zu reparieren. Um die schreibgeschützten mit den beschreibbaren Bereichen zu verbinden, wird UnionFS verwendet.

Manche Bibliotheken fehlen noch
Manche Bibliotheken fehlen noch
Auf dem verwendeten X.org-Server 1.3 läuft der auf Geschwindigkeit ausgelegte Fenstermanager IceWM, der ein Windows-XP-Theme verwendet. IceWM ist kompatibel zu den beiden großen Desktop-Umgebungen KDE und Gnome und da Xandros in diesem Falle Programme aus beiden Lagern verwendet, laufen sowohl die KDE- als auch die Gnome-Bibliotheken auf dem Gerät - und dementsprechend auch die Bibliotheken der GUI-Toolkits Qt und Gtk+.

Dateimanager im Windows-Look
Dateimanager im Windows-Look
Als Dateimanager kommt eine von Xandros entwickelte Anwendung zum Einsatz, die bewusst an den Windows-Dateimanager angelehnt ist. Um im Internet zu surfen, wird auf Firefox 2.0.0.7 gesetzt, für E-Mail auf Thunderbird 2.0.0.6 - allerdings nicht konsequent. Wer die PIM-Applikationen startet, bekommt die KDE-Software Kontact vorgesetzt und gelangt über diesen Umweg auch an den E-Mail-Client KMail. Zur Kommunikation stehen ferner Skype 1.4 und der Instant Messenger Pidgin 2.0.2 zur Verfügung. Diese Linux-Version von Skype kann allerdings noch keinen Gebrauch von der integrierten Webcam machen, Pidgin kann dafür aber mit den gängigen Protokollen wie ICQ, Jabber und MSN umgehen.

Open Office 2.0
Open Office 2.0
Um PDF-Dateien zu betrachten, ist der Adobe Reader 7.0 vorinstalliert. Zusätzlich ist das über ein Jahr alte Büropaket OpenOffice.org 2.0.4 installiert, das zudem nur auf freie Schriften zugreifen kann. Die von Windows-Systemen bekannten Schriftarten Arial, Time New Roman oder Verdana sind also nicht verfügbar. Über Symbole sind auch verschiedene Google-Dienste, weitere Webmail-Angebote und die freie Enzyklopädie Wikipedia eingebunden.

Das Angebot bei den Multimedia-Anwendungen ist bunt gemischt: Während als Videowiedergabe auf das Programm SMPlayer - der auf MPlayer basiert - gesetzt wird, kommt das KDE-Programm Amarok in der von Xandros angepassten Version als Audioplayer zum Einsatz. Für die Foto- und Videoverwaltung sind ebenfalls Programme aus Xandros' kommerzieller Distribution installiert.

Mit dabei sind darüber hinaus einige Konfigurationswerkzeuge, "Diagnostikprogramme", die nur unvollständige Informationen über die Hardware anzeigen, sowie ein Virenscanner von Xandros, dessen Sinn ebenfalls fragwürdig ist. Die Konfigurationsprogramme sind teilweise etwas umständlich gehalten. So muss eine WLAN-Verbindung, die öfter genutzt wird, etwa als Verbindung definiert werden, die dann bei Bedarf wiederhergestellt wird - was nicht immer auf Anhieb klappt. Manchmal muss erst die Netzwerkschnittstelle neu gestartet werden. Immerhin gelingt dies über die grafische Oberfläche. Wer sein WPA-Passwort zudem versehentlich eingibt, ohne von WEP auf WPA umzustellen, bekommt keine Fehlermeldung angezeigt, die Netzwerkverbindung funktioniert dann einfach nicht.

Wer alleine mit der grafischen Oberfläche arbeitet, etwa weil keine Linux-Kenntnisse vorhanden sind, ist mit dem Eee-PC sehr eingeschränkt. Die Softwareverwaltung bietet nur die Möglichkeit, verfügbare Updates für die enthaltenen Programme herunterzuladen und einzuspielen - Erweiterungen werden hierüber, zumindest bis jetzt, nicht angeboten.

Mitgelieferte Spiele
Mitgelieferte Spiele
Linux-Erfahrene hingegen haben hier kein Problem: Mit STRG+ALT+T lässt sich ein Terminal öffnen, über das Zugriff auf die üblichen Linux-Werkzeuge besteht. Da Xandros wie erwähnt auf Debian basiert, können also weitere Repositorys eingetragen und Pakete dann über die Paketverwaltung APT installiert werden. Das Root-Passwort, um die nötigen Rechte zu erlangen, ist übrigens identisch mit dem Nutzerpasswort. Laut Xandors soll es allerdings nicht funktionieren, Pakete aus Debian einzuspielen und der Distributor selbst bietet Pakete nur über sein Netzwerk für Kunden an. Es können jedoch weitere Community-Repositorys konfiguriert werden. Hier berichten Nutzer auch, dass sich Pakete durchaus aus Debian 4.0 einrichten lassen.

Installierte Programme tauchen aber nicht als Symbol auf, so dass sie ebenfalls über das Terminal gestartet werden müssen. Und bei manchem Programm ist der Bildschirm dann tatsächlich zu klein: Bei Gimp beispielsweise lässt sich leider nicht einmal die "Nutzerinstallation" abschließen, da die "Continue"-Schaltfläche weit außerhalb des sichtbaren Bereichs liegt.

Anwendungsleistung

Wiedergabe von DVB-T-Aufzeichnungen
Wiedergabe von DVB-T-Aufzeichnungen
Schon mit dem 900-MHz-Celeron kann der Eee-PC DivX-Videos über den vorinstallierten SMPlayer bis zu rund 2 MBit Datenrate flüssig im Vollbild abspielen. VOB-Dateien von einer DVD mit rund 6 MBit (MPEG-2) laufen jedoch nur mit Rucklern - schade. Allerdings wird man komplette DVDs auf der Flash-Festplatte, wo nur rund 1,3 GByte für eigene Daten zur Verfügung stehen, ohnehin nicht speichern wollen. Immerhin lässt sich der Speicher ja über eine SD-Karte erweitern.

Malprogramm Tux Paint
Malprogramm Tux Paint
Auch der Rest der Anwendungen wie Mozilla als Webbrowser, OpenOffice 2.0 oder der Adobe Reader 7.0 laufen überraschend flüssig. Allein mit YouTube-Videos hat der Eee-PC seine Probleme, das Flash-Video ruckelt stets. Eine Bildverarbeitung wie GIMP ist nicht vorinstalliert, wohl aber ein Bildbetrachter und zwei einfache Malprogramme. Damit kann man SD-Karten aus einer Digitalkamera unmittelbar verwenden, um das 7-Zoll-LCD zur Kontrolle der Aufnahmen zu verwenden.

Startseite des Desktops
Startseite des Desktops
Der Start der nach Asus-Zählweise 40 Anwendungen - dabei muss man jedes Icon einrechnen, auch den Datei-Manager, der Teil des Xandros-Linux ist - erfolgt stets in unter 10 Sekunden. Auch zum Booten braucht das Gerät nur 21 Sekunden bei eingeschaltetem WLAN. Dass man dabei mit Linux in Berührung kommt, merkt man nur am kurzen Aufblitzen einer Textmeldung - alles andere läuft über eine grafische Benutzeroberfläche namens "Asus Launcher". Sie stellt in Tabs geordnet Programme für "Internet, Work, Learn, Play" dar, dazu kommt noch eine Art Systemsteuerung. Die meistbenutzten Icons kann man sich selbst unter "Favorites" zusammenstellen.

Der Firefox-Browser kommt auch mit komplexen Webseiten zurecht, nimmt aber durch die Symbolleisten - die Google-Toolbar ist unter anderem schon installiert - viel Platz weg. Man sollte den Browser hier stets im Vollbildmodus nach Druck auf F11 benutzen. Dann stört weniger die Breite des Displays als vielmehr die nur 480 Pixel Höhe. Zum Lesen von News-Seiten reicht das aber in jedem Fall.

Firefox mit Menüleisten
Firefox mit Menüleisten
Die Netzwerk-Bausteine sind weder besonders schnell noch empfindlich. Wo ein Santa-Rosa-Notebook noch acht benachbarte WLANs fand, entdeckte der Eee-PC nur zwei. Die Reichweite mit einem 802.11-g-Router deckte aber auch noch zwei Stahlbetondecken ab. Dafür ist das WLAN nicht besonders fix: Auch auf einem ungestörten Kanal ließen sich beim Kopieren von SMB-Freigaben in 2 Metern Distanz mit Sichtkontakt nur 1,93 MByte pro Sekunde erreichen, im selben Netz kamen Windows-Notebooks mit Intel-WLAN-Modulen auf die maximal erreichbaren 2,52 MByte/s. Gleiches gilt für den Ethernet-Baustein, der beim Kopieren nur auf 8,7 MByte pro Sekunde kam - die Intel-Bausteine anderer Rechner am selben Switch kamen hier auf 9,51 MByte pro Sekunde. Diese Werte beziehen sich auf handgestoppte Ergebnisse mit Protokoll-Optimierungen der jeweiligen Betriebssysteme.

Laufzeit, Leistungsaufnahme und Fazit

Beim Surfen per WLAN und dem Herumspielen mit den Anwendungen hielt der Eee-PC mit mittlerer Helligkeit nach dem ersten Laden des Akkus 3 Stunden und 22 Minuten durch - das reicht für ein mobiles Gerät, das man nicht als Desktop-Ersatz betrachtet, in jedem Fall. Auf der kleinen Tastatur will man ohnehin keine längeren Texte schreiben, für E-Mails und Chats ist sie jedoch mehr als erträglich. Und Kinderhände kommen damit auch leichter zurecht. Spielten wir jedoch eine VOB-Datei mit MPEG-2-Video ab, legte sich der Eee-PC schon nach 2 Stunden und 3 Minuten schlafen. Gut möglich, dass der Akku nach längerem Training auch länger durchhält.

Netzteil mit Adapter
Netzteil mit Adapter
So richtig sparsam ist der 701 auch an der Steckdose nicht. Mit ruhendem Desktop nimmt er etwas über 13 Watt auf, unter voller Last 18 Watt, jeweils mit WLAN. Das liegt im Rahmen von größeren Subnotebooks mit moderner Technik, ist aber auf die 90-Nanometer-Chips des Eee-PC zurückzuführen. Das clever designte Steckernetzteil nimmt beim Laden maximal 25 Watt auf, braucht damit aber über drei Stunden, um einen leeren Eee-PC vollständig zu laden. Dafür benötigt man für USA-Reisen keinen Adapter - er steckt bereits im Asus-Netzteil. Ob es auch andere Stecker für andere Länder gibt, steht noch nicht fest. Das Kabel ist ungewöhnliche 3 Meter lang, aber sehr dünn und flexibel.

Der 'Penguin Racer' geht auf dem Eee ab
Der 'Penguin Racer' geht auf dem Eee ab
Bei gemittelt gemessenen 16 Watt für den Eee-PC alleine ist er auch als kleiner Heim-Server interessant, wenn man eine externe Festplatte per USB anschließt - diese Geräte können das Laufwerk aber in der Regel nicht selbst abschalten, so dass ein NAS mit entsprechender Funktion im Endeffekt weniger auf die Stromrechnung drückt. Die Freigabe per SMB klappte aber in einem Windows-Netz für Rechner unter XP und Vista problemlos.

Das ist nur eine der möglichen Anwendungen für den Eee-PC. Da Tastatur-PDAs - die aber deutlich länger laufen - rar geworden sind, findet das gemessene 942 Gramm schwere Gerät sicher auch hier Freunde. Die Software-Installation kann als gelungen bezeichnet werden, und wer sich das Hantieren mit F4-Treibern von einem externen DVD-Laufwerk zutraut, kann ja auch noch Windows XP installieren. Asus hat bereits bestätigt, dass es Versionen des Eee-PC mit abgespecktem XP geben wird - unbestätigt ist aber eine neue Ausgabe mit 8 bis 10 Zoll großem Display. Der kleine 7-Zoll-Monitor ist gegenwärtig der größte Schwachpunkt des Geräts neben der Leistungsaufnahme. Aber angesichts des Preises von 299,- Euro ist hier auch nicht mehr zu erwarten. Ein derart kleines und leichtes Notebook gab es bisher für dieses Geld schlicht nicht.

Glückliche Familie mit Eee-PCs
Glückliche Familie mit Eee-PCs
In der zweiten Hälfte des Dezembers 2007 soll der Eee-PC in deutscher Version laut Asus ausgeliefert werden. Quellenangaben zufolge sind in der ersten Charge rund 50.000 Geräte für den deutschen Markt vorgesehen. Das sollte reichen, um alle "Early Adopters" zu versorgen. Ob der Eee-PC sich aber wirklich als Familienrechner durchsetzen kann, wird vor allem vom Werbe-Aufwand abhängen. [von Nico Ernst und Julius Stiebert]  (nie)


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