Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0711/55832.html    Veröffentlicht: 05.11.2007 17:38    Kurz-URL: https://glm.io/55832

Nvidias ESA: USB-Steuerung auch für Netzteile und Kühlung

Offener Standard für High-End-Kompontenen

In München hat Nvidia seine "Enthusiast System Architecture" (ESA) vorgestellt. Über USB-Verbindungen sollen sich damit alle Teile eines PCs messen und regeln lassen - auch bisher höchstens proprietär gesteuerte Komponenten wie das Netzteil oder eine Wasserkühlung.

Wer einen selbstgebauten High-End-PC sein Eigen nennt, hat meistens mindestens eine davon: Die proprietäre Lüftersteuerung, oft als Laufwerkseinschub ausgeführt, zählt bei Technik-Fans und Spielern fast schon zum Standard. Auch andere Komponenten, wie etwa Prozessor, GPU und Mainboard, lassen sich über Zusatzprogramme überwachen. Was bisher fehlt, ist ein eigener Standard, auf den Komponenten aufsetzen können.

PC-Infrastruktur mit ESA
PC-Infrastruktur mit ESA
Nvidia will diesen nun mit ESA setzen. Auf Bauteilen wie der Grafikkarte, dem Mainboard, aber auch Wasserkühlungen, Netzteilen und Gehäusen sollen dafür eigene Microcontroller sitzen, die über USB-Verbindungen an das Mainboard ihre Daten übermitteln. Dabei ist jedoch nicht an die üblichen USB-Stecker vom Typ A oder B gedacht, sondern an Pfostenstecker mit je vier Pins und entsprechend dünne Kabel. Auf dem Rechner läuft dann ein einziges Programm - das Nvidia als per OpenGL ausgeführte 3D-Anwendung schon zeigen konnte -, das die Zustände der Komponenten anzeigt. In Zukunft ist daran gedacht, diese Anwendung auch als Sidebar-Komponente von Vista oder für Sideshow-Displays einzubinden.

Anforderungen für ESA-Komponenten
Anforderungen für ESA-Komponenten
Unter nvidia.com/ESA führt der Chiphersteller in einem PDF auch schon die Anforderungen für die ersten Komponenten auf. So müssen alle Geräte USB 2.0 beherrschen. Ein ESA-Gehäuse muss mindestens zwei Lüfter überwachen und regeln können sowie zwei Temperatur-Sensoren besitzen. Netzteile müssen ihre Temperatur am heißesten Punkt des Stromspenders überwachen können, zudem die verschiedenen Schaltungen (rails) für 5, 12 und 3,3 Volt hinsichtlich Spannung und Stromstärke messen können. Ein Wasserkühlungssystem muss für das ESA-Logo 2 Temperaturen melden und den Zustand der Pumpe überwachen können. Für Mainboards sind vorerst nur drei interne USB-Ports für die ESA-Geräte sowie ein Anschluss für ein Ein/Ausgabegerät vorgesehen - darüber dürften dann wohl mechanische Schalter und Regler sowie Displays angeschlossen werden, was Nvidia aber noch nicht demonstrieren konnte. Grafikkarten dürfen ihren Zustand auch über PCI-Express melden - ausgerechnet für diese Produkte seines Kerngeschäfts hat Nvidia noch keine weiteren ESA-Anforderungen vorgelegt.

3D-Anwendung für ESA
3D-Anwendung für ESA
Bereits bevor Nvidia mit dem Konzept an die Öffentlichkeit trat, konnte man mit HP und Dell die beiden international größten PC-Hersteller für ESA gewinnen, aber auch reine High-End-Anbieter wie Falcon Northwest aus den USA. Dell will über ESA unter anderem die Beleuchtung seiner XPS-Rechner regeln, deutete Nvidia an. Mit Asus, Gigabyte und MSI sind auch drei Mainboard-Schwergewichte an Bord, Tagan und Thermaltake wollen vor allem Netzteile für ESA entwickeln, und unter den Grafikkarten-Herstellern sind neben den drei genannten Mainboard-Machern auch EVGA und XFX bereits auf den ESA-Zug aufgesprungen. Dazu kommt noch - neben Thermaltake - Coolermaster als Gehäuse-Anbieter.

Roadmap der ESA-Entwicklung
Roadmap der ESA-Entwicklung
Bei so viel Hardware-Prominenz fehlen natürlich die CPU-Hersteller AMD und Intel. Diese bieten schon längst gut dokumentierte Verfahren an, um die Temperatur des Prozessors über eingebaute thermische Dioden direkt auszulesen. Wie Nvidia erklärte, soll ESA aber als "offener und kostenloser Standard" geführt werden, ein Beitritt der CPU-Macher ist somit jederzeit möglich. Vor allem Intel dürfte damit aber ein Problem haben, ist doch in einem weiteren Schritt spätestens 2009 auch die Überwachung per Netzwerk geplant - und das bietet Intel für Business-PCs mit vPro bereits an. Hier konkurriert Nvidia also bereits mit Intel.

Zunächst sind aber reine Überwachungsfunktionen, nicht einmal Regelungen der Parameter vorgesehen. Das soll erst 2008 erfolgen, zusammen mit einer Skriptsprache, so dass das System auf bestimmte ESA-Meldungen direkt reagieren kann. 2009 will Nvidia das System dann so weit entwickelt haben, dass mit einem fest auf Mainboards eingebauten Betriebssystem - man sprach hier natürlich von Linux - noch vor dem Booten die ESA-Werte ausgelesen können. Um ESA recht unabhängig erscheinen zu lassen, hat Nvidia auch das Testen auf ESA-Kompatibilität außer Haus gegeben. Das taiwanische Unternehmen Allion soll diese Arbeit übernehmen. Um ESA weiter als Industrie-Standard zu etablieren, finden derzeit auch Gespräche mit dem USB-Implementors-Forum (USB-IF) statt, das über USB-Anwendungen wie jüngst Wireless USB wacht.

ESA-PC mit Triple-SLI
ESA-PC mit Triple-SLI
Im Rahmen der ESA-Vorstellung zeigte Nvidia bereits lauffähige Systeme mit der neuen Technik, über die aber gleich wieder eine Nachrichtensperre verhängt wurde - weil darin neue Nvidia-Komponenten stecken, die der Hersteller noch nicht angekündigt hat. Das nebenstehende Bild aus einer bereits freigegebenen Präsentation zeigt jedoch ein solches System, bei dem unter anderem Netzteil, Wasserkühlung und Gehäuse per ESA überwacht werden. Unschwer zu erkennen sind darauf aber auch drei Grafikkarten vom Type GeForce 8800 Ultra, die per SLI miteinander verbunden sind.  (nie)


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Links zum Artikel:
Nvidia - ESA: http://www.nvidia.com/object/nvidia_esa.html

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