Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0711/55802.html    Veröffentlicht: 02.11.2007 16:19    Kurz-URL: https://glm.io/55802

Streit um die Zukunft von JavaScript

ECMAScript 4 soll "Programming in the large" unterstützen

Vertreter von Mozilla und Microsoft streiten derzeit öffentlich über die künftige Entwicklung von JavaScript bzw. korrekter "ECMAScript 4th Edition". Während Microsoft-Entwickler Chris Wilson den aktuellen Vorschlag mit Verweis auf Interoperabilitätsprobleme ablehnt, weist Mozilla-Entwickler Brendan Eich die Befürchtungen zurück.

In einem Beitrag im IE Blog macht sich Microsofts "IE Platform Architect" Chris Wilson für eine evolutionäre Weiterentwicklung von ECMAScript stark. Revolutionäre Änderungen sollten mit einer neuen Sprache adressiert werden. Andernfalls sei die Gefahr zu groß, dass es zu Kompatibilitätsproblemen mit dem bestehenden Ökosystem des Web komme. Konkreter wird Wilson in einem Beitrag in seinem eigenen Blog Albatross. Die mit ECMAScript 4 (ES4) geplanten Änderungen hält er für zu groß, diese würden den Charakter der Sprache verändern. ES4 sei eine neue Sprache, die von neuen "Runtimes" ausgeführt werden müsse, was zu Problemen mit bestehenden Webseiten führen könne.

Diese Argumentation weist Mozillas Cheftechniker Brendan Eich seinerseits in einem Blog-Eintrag entschieden zurück. Er hat JavaScript bzw. ECMAScript von Grund auf mitentwickelt. Er wirft Microsoft taktische Spielereien vor und betont, dass ES4 entsprechend dem aktuellen Vorschlag zwar viele neue Funktionen mitbringen würde, letztendlich aber ein Superset, also eine Obermenge, von ECMAScript 3 und damit eine Weiterentwicklung des bestehenden Standards sei.

Einige der Funktionen würden die Sicherheit von ES3-Applikationen erhöhen. Zudem widerspricht Eich dem Argument, es bedürfe einer zusätzlichen Runtime, um ES4 auszuführen. Denn, so Eich, Browser, die nicht mit einem Betriebssystem verteilt, sondern von Nutzern freiwillig heruntergeladen würden, könnten sich dies gar nicht leisten. Dies gelte insbesondere für Handy-Browser und, was Mozilla und Opera anbetreffe, auch für den Desktop. Gerade Operas ES3-Implementierung sei ein Beleg dafür, dass sich eine ES3-Implementierung hin zu ES4 erweitern lasse.

Die für ES4 geplanten Änderungen seien kein Problem in Sachen Kompatibilität, sondern vielmehr eine Gefahr für proprietäre Ansätze wie C# in Silverlight und ActionScript 3 in Flash. Denn ES4 soll zu einer ernsthaften Programmiersprache werden, mit der sich Entwicklungen besser auf mehrere Personen verteilen ("Programming in the large") lassen als dies bei ES3 der Fall ist.  (ji)


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Links zum Artikel:
ECMAScript (.org): http://www.ecmascript.org/

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