Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0711/55771.html    Veröffentlicht: 01.11.2007 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/55771

Microsoft: Mit Windows ist kein Neuanfang möglich

Kompatibilität steht aufgeräumtem Windows-Kernel im Weg

Ein besseres Windows-System würde auf einen komplett neu geschriebenen Kernel setzen und allen alten Ballast über Bord werfen. Aber genau solch einen Neuanfang kann es aus Gründen der Kompatibilität nicht geben, beklagt der langjährige Microsoft-Mitarbeiter Larry Osterman.

Nach den Erfahrungen von Larry Osterman ist es nur schwer oder gar nicht möglich, "grundlegende Änderungen an einem Betriebssystem vorzunehmen, das so groß und erfolgreich ist wie Windows". Er berichtet, dass er wiederholt darauf angesprochen wurde, warum Microsoft etwa bei der Arbeit an Windows Vista nicht einen komplett neuen Kernel geschrieben habe, um unnötigen Ballast aus der Vergangenheit loszuwerden.

Mit einer kleinen Anekdote illustriert Osterman, dass solche umfassenden Änderungen nicht möglich seien, weil selbst selten genutzte Funktionen immer wieder von einer Minderheit eingesetzt würden. Dies führt dazu, dass entsprechende Windows-Proramme dann auf einer neuen Windows-Version nicht mehr laufen.

Während der Entwicklung an Windows Vista wurden etwa die Audio-Treiber von Windows NT 4 ausgemustert und waren somit im Windows-XP-Nachfolger nicht mehr zu finden. Diese Änderung wurde vor dem Erscheinen der Beta 2 von Windows Vista vorgenommen. Kurz nach der Veröffentlichung der Beta 2 meldeten sich prompt Unternehmenskunden, dass ihre Call-Center-Software nun nicht mehr arbeite. Wie Microsoft herausfand, verwendet die betreffende Software diese kaum genutzte und seit 1998 nicht mehr unterstützte Audio-Funktion aus Zeiten von Windows NT 4.

Der Hersteller der Call-Center-Software war bereits pleite gegangen, so dass diese Microsoft-Kunden keine Möglichkeit gehabt hätten, ihr Produkt zu aktualisieren. Microsoft integrierte also wieder die Audio-Treiber-Anbindung von Windows NT 4 in Windows Vista, obwohl diese Funktion nur von einer Minderheit der Nutzer benötigt wird.

Für den Nachfolger von Windows Vista arbeitet Microsoft derzeit daran, den eigentlichen Kernel möglichst klein zu halten. Dazu werden viele Komponenten aus dem Kernel ausgemustert, die sich als Module anbinden lassen. Ein experimenteller Windows-Kernel belegt auf einem Datenträger derzeit 25 MByte und benötigt zum Ausführen etwa 40 MByte Arbeitsspeicher.  (ip)


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