Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0710/55647.html    Veröffentlicht: 26.10.2007 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/55647

IBM mit 16fach-Chipsatz für Xeons und TPC-Rekord

System x3950 M2 mit integriertem Hypervisor

Im Rahmen der Systems 2007 hat IBM in München einige Details zu seinen beiden neuen Xeon-Servern x3850 und x3950 M2 bekannt gegeben. Das größere System erscheint erst Anfang 2008, bietet dann aber Unterstützung für bis zu vier gekoppelte Systeme mit insgesamt 16 Sockeln. Bereits jetzt hat IBM damit einen neuen Weltrekord beim TPC-C-Benchmark gesetzt - der allerdings eher akademischer Natur ist.

Schon seit 1999 entwickelt IBM für Intels Xeon-Prozessoren seine eigenen Chipsätze, die seitdem rund 100 Millionen US-Dollar Entwicklungskosten verschlungen haben sollen. Das neue Modell der "Hurricane"-Chipsätze kommt als "EXA X4" auf den Markt und folgt der X3-Serie. Bereits dieser Vorgänger verfügte über einen Snoop-Filter, wie ihn nun auch Intels eigene Caneland-Plattform für die neue 7300er-Serie der Xeons bietet. Da die Xeons in einer Multiprocessing-Umgebung (Xeon MP) noch keine direkte Verbindung zueinander haben, sorgen die Snoop-Filter, die am FSB lauschen, für Cache-Kohärenz.

Blockdiagramm IBM X4
Blockdiagramm IBM X4
Anders als bei Intels Chipsätzen, die nur maximal vier Sockel verwalten können, hat IBM seinem X4, wie auch schon dem X3, einen "Scalability Port" spendiert. Dieser proprietäre, serielle Bus ist jetzt von 3,2 auf 5,12 GByte/s beim X4-Chipsatz beschleunigt worden. Drei dieser Busse stehen in einem X4-System bereit, um drei andere Server ansteuern zu können. So kommt IBM zwar auf 16 Sockel für ein Gesamtsystem mit vier X4-Maschinen, nur jeweils vier Prozessoren haben jedoch direkten und schnellen Zugriff auf ihren Speicher. Dennoch suchen die so erreichbaren 64 x86-Kerne in einem System derzeit noch ihresgleichen.

Ausstattung X4-Server
Ausstattung X4-Server
Auch beim Speicher entfernt sich IBM von der Intel-Linie: Statt FB-DIMMs mit ihrem hohen Stromverbrauch, aber hoher Speicherdichte, kommt DDR2-533-Speicher zum Einsatz. IBM bietet dafür 32 DIMM-Slots pro Server, was mit den noch raren 8-GByte-Modulen mit ECC so 256 GByte ergibt. Bei vier Servern ist es dann 1 Terabyte Arbeitsspeicher. Jeder der vier Höheneinheiten großen Server bietet zudem Platz für vier SAS-Festplatten, zwei Ports für Gigabit-Ethernet sowie sieben PCIe-Slots mit x8, zwei davon sind Hot-Swap-fähig. Ob sich der X4 - wie Intels Caneland-Chipsatz - aber für die kommenden Penryn-Xeons eignet, hat IBM noch nicht verraten - davon ist jedoch auszugehen.

Flash-Modul für Hypervisor
Flash-Modul für Hypervisor
Durch die Skalierfähigkeit mit bis zu vier X4-Servern als ein System will IBM vor allem den boomenden Markt der Virtualisierung von Servern ansprechen. Dafür gibt es bei den neuen Geräten ein eingebautes Hypervisor-Betriebssystem auf einem Flash-Modul von 4 GByte Größe. IBM hat sich hier für den ESX 3i von VMware entschieden. Der Hypervisor soll so vorkonfiguriert werden, dass Kunden ihre virtualisierten Betriebssysteme direkt nach Start des Servers installieren können.

Als ersten Rechner mit der X4-Architektur will IBM das System x3850 im Dezember 2007 ausliefern. Dieser Server verfügt jedoch noch nicht über die Aufrüstfähigkeit auf vier Geräte. Das bietet erst der x3950 M2, der im ersten Quartal 2008 folgen soll. Dann sollen aber auch die "ScaleXpander" erscheinen. Über diese Module für den x3850 lässt sich der Server zum x3950 M2 umbauen, kann dann also auch mit drei seiner Kollegen sprechen.

Mit einem Prototypen-System aus zwei x3950 M2, also acht Xeon X7350 mit je 2,93 GHz, legte IBM bereits einen neuen Weltrekord für x86-Systeme im TPC-C-Benchmark vor. Die beiden Server erreichten 841.809 tpmC-Punkte, der bisherige Spitzenreiter UniSys ES700 kam nur auf 520.467 Punkte. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die UniSys-Maschine noch mit Dual-Core-Xeons samt Netburst-Architektur (Xeon 7140, 3,4 GHz) bestückt war, zudem traten somit 16 gegen 32 Kerne an. Auch der UniSys-Benchmark ist mit Gültigkeitsdatum vom 1. Mai 2007 in der TPC-Welt aber noch aktuell.

Testsystem für TPC-C
Testsystem für TPC-C
Für den Rekord trieb IBM aber neben den Servern auch bei Storage einen eher akademischen Aufwand: Den beiden x3950 M2 standen acht komplette Racks mit insgesamt 1.344 Fibre-Channel-Festplatten mit 15.000 U/Min zur Seite. Als Software kamen die 64-Bit-Versionen von Windows Server 2003 und Microsofts SQL Server 2005 zum Einsatz. Das gesamte Test-Setup kommt so auf einen Preis von knapp 3 Millionen US-Dollar, wie dem vollständigen TPC-Report (PDF) zu entnehmen ist. Die europäischen Preise der einzelnen x3850- und x3950-M2-Server hat IBM jedoch noch nicht bekannt gegeben.  (nie)


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