Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0710/55245.html    Veröffentlicht: 09.10.2007 08:52    Kurz-URL: https://glm.io/55245

USA: Berufung gegen Filesharing-Urteil

Jammie Thomas sammelt Spenden für weiteren juristischen Weg

Der Anwalt von Jammie Thomas hat angekündigt, nach der Verurteilung seiner Mandantin durch ein Geschworenengericht im US-Bundesstaat Minnesota dagegen in Berufung gehen zu wollen. Das Gericht hatte die Nutzerin der Tauschbörse KaZaA wegen der Bereitstellung von 24 Songs verpflichtet, eine Geldstrafe von 222.000 US-Dollar zu zahlen.

Der Verband der US-Musikindustrie Recording Industry Association of America (RIAA) hatte ursprünglich Copyright-Verstöße in über 1.700 Fällen geltend gemacht. Das Gericht sah jedoch lediglich in 24 Fällen die Vorwürfe als berechtigt an. Bei diesen Fällen wurden Musikstücke im Shared-Ordner von Thomas gefunden. Allerdings folgten die Geschworenen ansonsten weitestgehend der Argumentation der Anklage. Danach sah das Gericht bereits in der Bereitstellung der Musikdateien einen Verstoß gegen die Urheberrechtsgesetze der USA. Der Download und somit die tatsächliche Verbreitung der digitalen Musik sei für die Verwirklichung des Verstoßes nicht mehr nötig.

Bis zuletzt hatte die Verteidigung die Vorwürfe bestritten. Inzwischen hat Jammie Thomas auf ihrer MySpace-Seite aber bekannt gegeben, dass ihre Anwälte gegen das Urteil in Berufung gehen wollen. Nach Verkündung des Urteils war bislang offen geblieben, ob Thomas das Urteil angreift oder versucht, zumindest über die Höhe der Prozesskosten eine außergerichtliche Einigung mit der RIAA anzustreben.

In der Berufungsverhandlung wollen die Anwälte von Thomas insbesondere gegen eine Unterweisung der Geschworenen durch den vorsitzenden Richter vorgehen. Dieser hatte den nicht rechtskundigen Geschworenen vor ihrer Entscheidung schriftlich mitgeteilt, dass schon die Bereitstellung von digitaler Musik in einem Shared-Ordner einen Verstoß gegen die US-Urheberrechtsgesetze darstellt. Auch wenn noch kein Download der bereitgestellten Musikstücke stattgefunden habe, sei darin schon die Tathandlung der illegalen Verbreitung der Datei zu sehen. Bislang war dies in vergleichbaren Fällen immer umstritten.

Unterdessen hat Jammie Thomas unter freejammie.com eine Spendenseite im Internet eingerichtet. Die 30-jährige alleinerziehende Mutter gibt dort an, dass sie ein Jahresgehalt von 36.000 US-Dollar verdient und fordert die Netzgemeinde auf, ihre Berufung und einen möglichen Gang bis vor den Supreme Court via PayPal-Spende finanziell zu unterstützen. Auf der Webseite heißt es: "Das Internet hat sie in diese missliche Lage gebracht, das Internet kann ihr wieder heraushelfen!" Nach Angaben auf der Webseite sind bereits erste Spenden eingegangen.

Das Urteil hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt, da zum ersten Mal in den USA ein Geschworenengericht über eine Filesharing-Klage verhandelt und ein Urteil gesprochen hatte. In ersten Reaktionen argumentierten Kritiker der Entscheidung, dass das Gericht einseitig zugunsten der Musikindustrie entschieden habe. Grund seien dabei auch die US-Urheberrechtsgesetze, bei denen die Interessen der Rechteverwerter und der Industrie im Mittelpunkt stehen. [von Philipp Otto]  (ip)


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