Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0710/55188.html    Veröffentlicht: 05.10.2007 11:36    Kurz-URL: https://glm.io/55188

Microsoft sammelt Gesundheitsdaten

HealthVault-Programm gestartet

Microsoft wird in den lukrativen Markt der Verarbeitung von Gesundheitsdaten einsteigen, hat das Unternehmen gestern angekündigt. Im Rahmen des HealthVault-Programmes werden die persönlichen Gesundheitsdaten verschlüsselt und in einer zentralen Datenbank bei Microsoft gespeichert.

Microsoft betont in seiner Ankündigung die Bedeutung von Datenschutz, Kompatibilität und Sicherheit: "Entwickelt in Zusammenarbeit mit führenden Datenschützern, respektierten Sicherheitsexperten und Dutzenden der führenden Gesundheitsorganisationen, wurde HealthVault so gestaltet und gebaut, dass der Datenschutz erweitert und den Menschen die Kontrolle gegeben wird, die sie erwarten und einfordern." Zum Start des Programmes ist es Microsoft gelungen, unter anderem die American Heart Association, Johnson & Johnson LifeScan, Hersteller von Blutzuckermessgeräten, das NewYork-Presbyterian Hospital, den Klinik-Konzern Mayo Clinic und MedStar Health, ein Netzwerk von Krankenhäusern, für die Zusammenarbeit zu gewinnen.

Auf der Homepage von HealthVault wirbt der Software-Gigant mit folgenden Worten um Kunden: "Wenn es Ihre Verantwortung ist, die Gesundheit Ihrer Familie zu schützen, können Sie jeden Vorteil gebrauchen. Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Möglichkeit, die wichtigen Gesundheitsdaten Ihrer Familie zu sammeln, zu speichern und weiterzugeben. HealthVault ist der neue, kostenlose Weg, das zu tun. Stellen Sie sich vor, den Fluss Ihrer Gesundheitsdaten zu kontrollieren. Ganz gleich, ob Sie im Internet nach den neuesten Behandlungsmöglichkeiten suchen wollen, vorhandene Gesundheitsdaten katalogisieren, Testergebnisse bekommen oder Trainingsresultate überwachen wollen - HealthVault gibt Ihnen die Kontrolle, die Sie brauchen." Was sich Microsoft darunter vorstellt, geht aus einem Bericht der New York Times hervor. So können in Zukunft EKG-Befunde und andere Patientendaten automatisch vom Krankenhaus an HealthVault geliefert werden, von wo die Patienten sie dann abrufen können.

Microsofts Vorhaben ähnelt stark der hierzulande von den Krankenkassen und dem Gesundheitsministerium vorangetriebenen Gesundheitskarte oder der ELGA in Österreich. Bei deren Umsetzung gibt es bekanntlich noch einige technische und organisatorische Probleme zu überwinden. Auch die Kostenfrage ist bisher keineswegs beantwortet worden. Nicht zuletzt monieren Ärzteverbände immer wieder, dass die Datenschutzproblematik nicht zufriedenstellend gelöst worden ist. Sie sehen dadurch das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient gefährdet.

Wie steht es um den Datenschutz beim HealthVault? Microsoft erklärt dazu: "1. Die Microsoft-HealthVault-Daten werden von Ihnen kontrolliert. 2. Sie entscheiden, was in Ihren HealthVault-Daten gespeichert wird. 3. Sie entscheiden von Fall zu Fall, wer Ihre Informationen sehen und nutzen darf. 4. Wir werden Ihre Gesundheitsdaten nicht für kommerzielle Zwecke nutzen, ohne vorher Ihre Erlaubnis eingeholt zu haben."

Das ist die Kurzfassung von der HealthVault-Homepage. Die Langfassung ist dann etliche Seiten lang und verrät beispielsweise, dass die bei der Anmeldung angegebene E-Mail-Adresse zugleich als Windows-Live-ID zugewiesen wird. Um die wiederholte Anmeldung zu vereinfachen, setzt Microsoft auf Cookies. Da HealthVault nicht nur als Datenspeicher fungiert, sondern auch als Suchmaschine, gibt es auch eine Datenschutzerklärung für die Suchmaschine. In beiden Datenschutzerklärungen wird auf weitere, externe Datenschutzerklärungen verwiesen. Alles in allem ist es damit unnötig schwer, den tatsächlichen Umfang des Datenschutzes zu ermitteln.

Aus Patientensicht ist der Datenschutz sicher eine vordringliche Frage. Die automatische Verfügbarkeit von Testergebnissen stellt auf der anderen Seite sicher einen großen Anreiz dar. In Deutschland müssen viele Patienten immer wieder die Erfahrung machen, dass Ärzte ihnen die Aushändigung von Testergebnissen trotz eindeutiger Gesetzeslage mit fragwürdigen Argumenten verweigern.

Für die Firma Microsoft und ihre Partner eröffnet der zentrale Zugang zu den Gesundheitsdaten vieler Menschen ganz neue Geschäftsmöglichkeiten. Denkbar wären etwa in Zusammenarbeit mit Versicherungen maßgeschneiderte Verträge und Prämien. Wer gesund ist und fleißig Sport treibt, würde dann sehr kostengünstig eine Lebensversicherung abschließen können. Oder es wäre eine individuelle Dynamisierung von Krankenversicherungsprämien möglich: Steigt der durchschnittliche Cholesterin-Wert, steigt auch die Versicherungsprämie. [von Robert A. Gehring]  (ji)


Links zum Artikel:
Microsoft - HealthVault (.com): http://www.healthvault.com/

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